Internationaler Gerichtshof

Unabhängigkeit des Kosovo ist legal

22. Juli 2010, 17:49
  • Das Gutachten des IGH im Volltext (Englisch).

  • Die Erklärung zur Entscheidung (Englisch).

Gutachten stellt keine Verletzung des Völkerrechts fest - mit Download

Den Haag - Der Kosovo hat vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag einen wichtigen Erfolg verbucht: Die Ausrufung seiner Unabhängigkeit am 17. Februar 2008 hat das "allgemeine internationale Recht nicht verletzt", stellte der Präsident des Internationalen Gerichtshofs (IGH), Hisashi Owada, am Donnerstag bei der Verlesung des IGH-Rechtsgutachtens zur Unabhängigkeit des Kosovo fest. Diesen Spruch sollen zehn der insgesamt 15 IGH-Richter unterstützt haben. Für den Kosovo besteht nun die Hoffnung, dass er von weiteren Staaten anerkannt wird.

Auch die Uno-Sicherheitsrats-Resolution 1244 von 1999, die nach wie vor gilt, sei nicht verletzt worden. Serbien selbst hat den Gerichtshof aufgefordert, das Gutachten zu verfassen. Die Regierung in Belgrad stand bisher auf dem Standpunkt, dass die Unabhängigkeitserklärung dem Völkerrecht widerspreche. Owada betonte aber nun, dass es im Völkerrecht kein Verbot von Unabhängigkeitserklärungen gibt.

"Ich erwarte mir, dass Serbien zu uns kommt und mit uns über viele Themen von wechselseitiger Wichtigkeit spricht", sagte der kosovarische Außenminister Skender Hyseni nach dem Urteil.

*****

Als das Urteil bekannt gegeben wurde, brach in Prishtina große Freude aus. Autohupen war zu hören, Feuerwerkskörper zu sehen, so als hätten die Kosovaren die WM gewonnen. In Belgrad hatte man hingegen große Mühe, das Gutachten zu interpretieren. Denn dieses war unerwartet klar: "Steht die einseitige Unabhängigkeitserklärung in Einklang mit dem internationalen Recht?", hatte Serbien den Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag im Vorjahr gefragt. Das "allgemeine internationale Recht wurde nicht verletzt" stellte, der Präsident des IGH, Hisashi Owada, am Donnerstag fest. Zehn der insgesamt 15 IGH-Richter sollen zu diesem Schluss gekommen sein. Einsprüche gegen das Urteil sind nicht möglich.

Die kalte Dusche für die Serben, die die Verlesung des Gutachtens im Fernsehen live verfolgten, kam nach umständlichen juristischen Erklärungen und Begründungen. Owada erklärte, dass dem Gericht nicht die Frage gestellt worden sei, wie es mit der Sezession an sich, oder der Legalität des kosovarischen Staates stehe, und dass sich der IGH deshalb darüber auch nicht äußern werde. Ein Meinung über Selbstbestimmung oder eine Notsezession sei "nicht Domäne des IGH gewesen" . Dies sei außerhalb der gestellten Frage.

In der Erklärung des Gerichts, die Sezessionsfrage an sich nicht beantwortet zu haben, sahen serbische Spitzenpolitiker die Möglichkeit, den diplomatischen Untergang in Den Haag in eine Etappenniederlage zu verwandeln. "Die Entscheidung des IGH ist schwer für Serbien", erklärte Präsident Boris Tadić ernsthaft. Doch der IGH habe sich über die Frage der Sezession gar nicht geäußert, und habe so die politische Entscheidung über den Kosovo der UN-Generalversammlung im Herbst überlassen.

"Viele Staaten werden nun unter dem Druck stehen, den Kosovo noch vor der Abstimmung in der UN-Generalversammlung anzuerkennen. Serbien wird alles in seiner Macht stehende tun, um das zu verhindern", sagte Tadić, und äußerte die Hoffnung, dass die Generalversammlung die serbische Kosovo-Resolution annehmen wird, die Belgrad und Prishtina zur Wiederaufnahme der Verhandlungen aufruft. Er betonte abermals, dass Serbien die Unabhängigkeit des Kosovo nie und nimmer anerkennen werde. Bisher haben 69 von 192 UN-Mitgliedsstaaten den Kosovo anerkannt.

Kampf fortsetzen

Außenminister Vuk Jeremić erklärte nach dem Urteil, dass Serbien den "friedlichen und diplomatischen Kampf für den Kosovo" fortsetzen werde. Er meinte, dass sich der IGH "lediglich im technischen Sinne" über die Unabhängigkeitsdeklaration geäußert habe, und somit die "wesentliche" Frage umgangen hätte, ob der Kosovo das Recht hatte, zu versuchen, sich vom Mutterland abzuspalten. Der IGH werde das Gutachten nun der UN-Generalversammlung zuschicken, sagte Jeremić, und dort werde darüber abgestimmt, ob Serbien mit seiner Kosovo-Politik Recht habe.

Einzelne serbische Journalisten stellten aber schon die Frage, ob sich die serbische Diplomatie mit einer "falschen" Fragestellung nicht ein Eigentor vor dem IGH geschossen hätte. Belgrad rief die im Kosovo lebenden Serben jedenfalls auf, Ruhe zu bewahren und auf "keine Provokationen" zu reagieren. Rund eintausend Serben protestierten Donnerstagabend in der serbischen Enklave Mitrovica.

Die Meinung des Gerichts ist zwar nicht bindend, doch von weitreichender Bedeutung. Der Druck einiger EU-Staaten auf Serbien, wird größer werden in der Kosovo-Frage eine pragmatischere Haltung einzunehmen. Einige EU-Staaten wie etwa Österreich und die USA zeigten sich ja nachdrücklich unzufrieden mit den Plänen Belgrads, neue Statusverhandlungen anzustreben. Österreichs Außenminister Michael Spindelegger sieht nun die Richtigkeit der österreichischen Entscheidung, den Kosovo als unabhängiges Land anzuerkennen, durch das IGH-Gutachten bestätigt, warnt aber vor Triumphrufen.

Für Prishtina ist das Urteil ein echter Sieg. Außenminister Skënder Hyseni erwartet sich als Konsequenz weitere Anerkennungen (siehe Interview). Schon vor der Verkündung des Gutachtens war die Stimmung auf der Seite des Kosovo. In Serbien rief die orthodoxe Kirche zwar zum Gebet auf, der Dinar rasselte aber am Donnerstag in den Keller.

Die Stellungnahme des Gerichts könnte Auswirkungen auf separatistische Bestrebungen in der Welt haben. Russland hat die abtrünnigen georgischen Regionen Süd-Ossetien und Abchasien als unabhängige Staaten anerkannt, jedoch sind nur wenige andere Staaten diesem Schritt gefolgt. Spanien hat bereits klargestellt, den Kosovo nicht anerkennen zu wollen. (von Andrej Ivanji und Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 23.7.2010)

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Osa-chan
41
27.7.2010, 16:59
Ausnahmsweise hat mich der Standard sehr enttäuscht...

... denn die Schlagzeile "Unabhängigkeit des Kosovo ist legal" ist schlicht und ergreifend falsch.

Der Gerichtshof hat sich genau an die Fragestellung der UN-Generalversammlung gehalten. Die hatte gefragt: "Steht die UnabhängigkeitsERKLÄRUNG des Kosovo in Einklang mit dem Völkerrecht?"

Darüber und über NICHTS anderes, hat der IGH sein Gutachten erstellt und ist zu dem Schluss gekommen, dass diese ERKLÄRUNG des Kosovo kein Verstoß gegen das Völkerrecht ist.

Der IGH hat NICHT seine Ansicht über den völkerrechtlichen Status des Kosovo (Unabhängigkeit oder nicht!) dargelegt. Das steht auch mehrfach und deutlich im Gutachten!

Der Titel "Unabhängigkeit des Kosovo ist legal" ist eben schlicht falsch und ausnahmsweise Krone-Niveau.

Al Baneso
10
17.8.2010, 15:37
tja das leben ist hart

man kann jetzt auch jede satzstellung in frage stellen, standart schreibt dass man es versteht und zwar IGH findet dass es ok ist mit der unabhängigkeitserklärung. musst nicht enttäuscht sein, gibt ja noch soviele gerichte auf dieser welt, vielleicht spricht sich barbara salesch gegen die unabhängigkeit aus, dann hast du grund zur freude.

Jefimija
31
30.7.2010, 03:30
Ich teile Ihre Meinung voll und ganz. Habe mehrmals die Redaktion auf die Unserösität und schlechte journalistische Aufbereitung aufmerksam gemacht. Standards Artikel erwecken den Eindruck, als ob sie einfach mal so dahingeschrieben wurden...

carmina|burana
31
25.7.2010, 12:08

IGH ist nun eine lachnummer geworden.

Lesh Kuqi
14
25.7.2010, 13:22

Ganz im Gegenteil, sie haben Eier bewiesen, also hör auf zu heulen. Erst den IGH um das Gutachten bitten und wenn es euch nicht passt, wieder anfangen auf die böse Weltgemeinschaft zu zeigen. Ihr seid verdammt schlechte Verlierer, wobei ihr aus eurer Vergangenheit doch nichts anderes kennt.

Komita
31
24.7.2010, 00:22
Von Blankenese bis zum Kosovo

Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse. Denn nun geht sie los unsere Polonäse... Wir ziehen los mit ganz großen Schritten...

Jefimija
10
30.7.2010, 03:26
Nun seien wir aber gespannt, wohin diese Kosovo-Polonaise geht und hoffen wir nur, dass sie nicht allzu lang wird, denn dann verheddert sich bekanntlich bei der Polonaise meistens das Ende mit ihrem Anfang...

Stani83
21
27.7.2010, 11:06
Haben Sie das nicht auch am 17.02.2008 gesagt?

Diese Selbstüberschätzung ist ja peinlich. Groß reden und im warmen westen Daheim sein. LOL

Don Brasco
36
23.7.2010, 20:52
Fallrückzieherflugkopfball

Was für ein Eigentor!
Ich schreibe es gerne nochmals, denn Serbien hat seit mehr als 10 Jahren keinen Einfluss im Kosovo. Die Nato ist nicht grundlos in den Krieg gezogen und der IGH hat seine Empfehlung abgegeben. Soweit es in den serbischen Medien zu lesen war, haben die Menschen, die in Serbien leben andere Probleme und der Kosovo ist für sie unabhängig. Die Serben, die sich in der EU aufhalten streben jedoch weiterhin nach Radikalität und übertriebenem Nationalismus.

Ich gehe jede Wette, dass mehr als 90% der serbischen Poster noch niemals im Kosovo waren.

Vollmeise
 
54
23.7.2010, 23:29

<<Ich gehe jede Wette, dass mehr als 90% der serbischen Poster noch niemals im Kosovo waren.>>

Das ist korrekt. Und genau diese 90% der serbischen Poster sind auch jene, die "Kosovo ist Serbien" rufen und sich ein Kosovo ohne Albaner wünschen. Deshalb ist die Sitaution so, wie sie ist.

Wer was anderes meint, soll mir bitte hier einen einzigen Beitrag eines serbischen Posters zeigen, in dem er sich für das Zusammenleben in Kosovo und mit den Kosovo-Albanern einsetzt.

Adler1878
12
23.7.2010, 19:31

Alles Alles gute an das unabhängige Kosovo!
Herr Westewelle hat heute in Zypern es auf dem Punkt gebracht, das IGH-Urteil ist nicht auf alle Länder übertragbar sondern zähl nur für das Kosovo!

Event Horizon
40
23.7.2010, 20:40

na ja das hat er zu seiner Frau äh Entschuldigung zu seinem Mann oder doch Frau ??? auch gesagt !
wahrscheinlich ist er auch deswegen so populär in Deutschland !

Kapetan Leshi
02
24.7.2010, 12:00
@event und Co.

so ist es, wenn man verzweifelt ist..man beleidigt die Schwulen, Lesben.. typisch serbisch oder nazistisch.

Event Horizon
30
25.7.2010, 12:36

nau ja ihr grossvater hat ja vorgemacht wie sowas halt gemacht wird.

sdfgsfg sfgsfgfgf
23
23.7.2010, 19:24

Serbien hat sich selbst geschlagen das muss mal jemand schaffen hahahahh

Event Horizon
60
23.7.2010, 20:32

warum ? des machen sie doch jeden Abend wenn Sie heim kommen von der Arbeit !

Popolopos Kikeriki
12
23.7.2010, 19:05
Typisches serbisches Eigentor

Erst freute sich Serbien, dass der Antrag auf ein Gerichtsverfahren Erfolg hatte und nun hat es den Schlamassel. Selbst eingebrockt. Und nun schön auslöffeln.

Liebes Serbien, erkenne die Unabhängigkeit an, gestehe deine Schuld, zahle Reparationen - und alles wird gut.

Event Horizon
50
23.7.2010, 20:30

Sie sollten a bisserl weniger Vogelfutter essen, dann bekommens vielleicht einen anderen namen !
würde ihnen sicher beim denken helfen.

Komita
02
23.7.2010, 18:34
Oans, zwoa, drei, g'suffa

Ozapft is und das Universum tanzt...

kroate 061
02
23.7.2010, 18:22
Richter sein war noch nie einfacher gewesen. Sogar ich hätte so ein Urteil hinbekommen

bei dem sachverhalt .

Harabeli
13
23.7.2010, 17:33
schwarz auf weiss

´cause you have asked for it! so und fertig. jetzt mal richtig entspannen und die niederlage feiern...

Event Horizon
51
23.7.2010, 17:52

wer ist den der Hans Wurst ? bist du das Enver Hoxha ?

unitedalbania
57
23.7.2010, 15:04

vor dem igh werden sich serbien und der kosovo bald nocheinmal treffen.

einerseits wird kosovo serbien wegen okkupation des eigenen territoriums anklagen (presheva-tal bis nish und sandzak) und andererseits wegen eines ein jahrhundert andauernden genozids und hunderttausenden toten zivilisten und millionen vertriebenen. bis heute hat serbien noch immer keine reparationszahlungen oder wiedergutmachung geleistet. nicht nur die vergangenheit serbiens war voller niederlagen. die zukunft wird es auch sein. bis zum nächsten mal vor gericht.

Lesh Kuqi
01
25.7.2010, 13:01
Nicht zu vergessen

der Völkerrechtsbruch durch die Autonomieaufhebung der Kosovaren im ehem. YU. Da sich Serbien als Nachfolgestaat Jugos sieht (siehe ständiger Verweis der UN Resolution 1244), sollten sie dementsprechend angeklagt und zur Rechenschaft gezogen werden.

Ciena Consulting
83
23.7.2010, 15:28
Sie wissen gar nicht was Sie da nun so wirklich...

...schreiben - denn, im Prinzip müsste man wohl nach der älteren Schuld urteilen - und da kommt mir ganz spontan der Rückzug der königlichen Armee Serbiens zu Beginn des 20 Jhdts. in Richtung Thessaloniki in den Sinn - und die Übergriffe der Albaner auf die sich zurückziehenden Soldaten und Zivilisten sowie die anschliessende Besetzung der Häuser durch aus Albanien einwandernde Familien auf dem Gebiete des heutigen Kosovo und Mazedonien. Nehmen Sie sich ein gutes Buch der europäischen Geschichte und lesen Sie nach bevor Sie irgendetwas von Zahlungen, Reparaton usw. schreiben. Ausserdem - die Richtlinien für solche Zahlung müssen Sie auch noch studieren, denn Kosovo war serbisches Hoheitsgebiet - soll Serbien an sich Zahlungen leisten?

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