Was die Internationale Aids Konferenz in Wien zu einer Besonderheit machte - Multi-Kulti-Event der Kreativen mit hoher politischer Brisanz
Wien - Es gibt Konferenzen. Es gibt Mediziner-Kongresse. Und es gibt die Internationale Aids Konferenz - in den vergangenen Tagen mit rund 20.000 Teilnehmern als AIDS 2010 in Wien (bis 23. Juli): Die wohl bunteste Welt-Konferenz, ein kontrolliertes Chaos, ein Multi-Kulti-Event der Kreativen mit hoher politischer Brisanz. Und übrigens, wer lauter schreit gewinnt. Eine Rückschau.
Die wichtigsten Errungenschaften des Mammut-Events:
- Die "Wiener Deklaration", die endlich eine wissenschaftsbasierte Drogenpolitik durch Medizin und soziale Dienste statt Kriminalisierung und Inhaftierung von Drogenkonsumenten und Abhängigen fordert.
- Der Nachweis, dass eine gute Behandlung einer HIV-Infektion nicht nur einen positiven Effekt auf die Gesundheit des Patienten hat, sondern ein Mittel zur Prävention von weiteren Ansteckungen darstellt.
- Der Beweis, dass durch Prävention (Safer Sex etc.) in 15 Staaten südlich der Sahara binnen fünf Jahren die Rate der Aids-Neuinfektionen bei jungen Erwachsenen um 25 Prozent verringert werden konnte.
- Ferne Aussichten auf eine mögliche Heilung - oder zumindest Kontrolle einer HIV-Infektion ohne die ständige Einnahme von Medikamenten.
- Die Nachricht, dass nunmehr bereits 5,2 Mio. Menschen mit HIV/Aids in Behandlung sind (zwölfmal mehr als 2003) und neue, bessere Behandlungsrichtlinien der WHO, welche die Betroffenen bereits früher in Therapie bringen sollen.
- Die weltweit verbreitete Forderung von Aktivisten, Geldgebern und politisch Tätigen wie Bill Clinton oder Bill Gates, dass die Regierungen gerade jetzt nicht mit der Finanzierung des Kampfes gegen HIV/Aids aufhören sollen, weil dann gewonnenes Terrain verloren geht und die Welt erst recht auf eine Aids-Katastrophe (bei extrem hohen Kosten) zusteuern würde.
- Erste Hinweise darauf, dass mit einem neuen Vaginal-Gel in Zukunft auch Frauen ein Präventionsmittel in Hand bekommen könnten, bei dem sie nicht auf die Kooperation der Männer angewiesen sind.
Aber das sind nur Highlights. Das wahre Leben spielt sich bei AIDS 2010 im NGO-Zentrum "Global Village" und auf den Gängen des Messezentrums in Wien ab: Da sind Menschen aus 185 Staaten der Erde. Farbenprächtig - Frauen in Saris, Afrikaner in ihrer traditionellen Kleidung, ein Indianer mit Federschmuck wurde genauso gesichtet wie ein "Altägypter", der aussah, als käme er direkt aus einer Aida-Vorstellung in der Arena von Verona. Wissenschaft, Soziales, Politik, Wirtschaft, Justiz, Exekutive, Entwicklung - die Pandemie Aids mit derzeit 33,4 Mio. Betroffenen und bisher 25 Millionen Toten ist ein Querschnittsthema, das alle Lebensbereiche durchdringt.
Nichts bleibt unberührt. Wer sich nicht um das Gesundheitswesen, um sexuelle Gesundheit im Speziellen, um Drogenkonsum, Sex-Arbeit, Männer, die mit Männern Sex haben, um die soziale Lage der Ärmsten und Schwächsten kümmert, wird bei der Bekämpfung von Aids scheitern. Das ist die Botschaft von AIDS 2010. (APA)