Parlament

Ungarn segnet Bankensteuer ab

22. Juli 2010, 22:07

Der neue ungarische Regierungschef Viktor Orban will auf die heftig umstrittene Abgabe nicht verzichten, sie wurde am Donnerstag im Parlament beschlossen

Wien/Budapest - Die heimischen Banken haben sie heftig kritisiert, der Internationale Währungsfonds hat wenig Freude damit, die Osteuropabank will sich nicht damit anfreunden und die EU kann sich auch zu keinem Lob durchringen: Die ungarische Bankensteuer. Kommen wird sie dennoch. Das ungarische Parlament hat am Donnerstag wie angekündigt die Bankensteuer beschlossen.

Die Ungarn sehen keine andere Möglichkeit, das Budgetziel heuer zu erreichen, betonte Anfang der Woche Wirtschaftsminister György Matolcsy bei seinem Wien-Besuch. Er glaubt, dass auch andere europäische Länder dem Beispiel folgen werden. Die Abgabe soll für heuer in zwei Tranche im September und Dezember beglichen werden.

Defizit halten

Die seit Mai im Amt befindliche ungarische Regierung verteidigte auch am Donnerstag erneut die Bankenabgabe: Laut dem Wirtschaftsminister ermöglichen die zusätzlichen Einnahmen, das seitens der EU und des IWF vorgeschriebene Budgetziel von 3,8 Prozent für 2010 einzuhalten. Die Banken sollen heuer bereits im September und dann ein zweites Mal im Dezember die Bankensteuer zahlen.

Premier Viktor Orban bezeichnete die Einführung der Sondersteuer als "notwendig, gerecht und effektiv", da diese den Interessen des Landes und der Menschen in einer schwierigen Zeit diene. Bisher hätten die Banken als "tabu" gegolten, was der Vernunft widerspräche, wenn Banken wie "heilige Kühe verehrt werden" und zugleich eine "globale Krise über die Welt fegt, verursacht von Banken". Orban will vom gesamten Finanzsektor rund 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das heurige Budget lukrieren. Die Abgabe ist zunächst für drei Jahre geplant und soll die Bilanzsumme der Banken mit 0,45 Prozent besteuern, aber auch Versicherungen und andere Finanzdienstleister will man zur Kasse bitten.

Orban betonte zugleich, der Vertrag mit dem IWF sei das Produkt der schlechten Wirtschaftspolitik der sozialistischen Vorgängerregierung. Der Vertrag liefe nun im Oktober 2010 aus, wobei Ungarn seine "verlorene wirtschaftliche Selbstbestimmung wiedererlangen will", da es ansonsten keinen wirtschaftlichen Aufschwung geben könne. Ungarn müsse sich aus der "Schuldenfalle" befreien, so der Premier.

Probleme mit IWF

Laut Berechnungen des unabhängigen Fiskalrates, der die Budgetgesetze prüft, würde die Belastung des ungarischen Finanzsektors das BIP-Wachstum in diesem Zeitraum kumuliert um 0,9 Prozentpunkte verlangsamen. Nach Ansicht des ungarischen Außenministers Janos Martonyi hat der IWF durch den Abbruch der Gespräche mit seinem Land über die letzten Kredittranchen des 2008 genehmigten Hilfspakets über rund 20 Mrd. Euro die Banken unterstützt. Es sehe so aus, "als ob sich der IWF auf die Seite der Banken stellt", kritisierte Martonyi. Der Abbruch der Gespräche hatte die Landeswährung am Montag dieser Woche unter Druck gesetzt, allerdings erholte sich der Forint seither wieder etwas.

Die Budapester Vertreterin des IWF, Irina Ivatschenko, erinnerte nach Absegnung der Bankensteuer daran, Ungarn habe "noch eine geringe Chance", eine Vereinbarung mit dem IWF zu treffen und damit die letzte Tranche des Kreditprogrammes abrufen zu können. Doch davor müsse die ungarische Regierung zunächst "radikal" ihre Einstellung zu Strukturreformen und der Unabhängigkeit der Ungarischen Nationalbank (MNB) ändern. Hinsichtlich der Orban-Äußerung, nach Ablauf des IWF-Vertrages im Oktober 2010 nur noch mit der EU verhandeln zu wollen, betonte Irina Ivatschenko: IWF und EU könnten hinsichtlich des Ungarn zugestandenen Kredits "nicht getrennt werden".

Wenig Verständnis seitens der ausländischen Banken

Vor allem die ausländischen Banken in Ungarn zeigen naturgemäß wenig Verständnis für die Banken-Abgabe. So bezeichnete etwa Herbert Stepic, Chef der Ostbanken-Holding Raiffeisen International (RI), die Steuer vor kurzem als "große Belastung". Die ungarischen Töchter der Austro-Banken würden empfindlich getroffen: Die Bank Austria müsste nach den derzeitigen Plänen rund 27 Mio. Euro oder etwas mehr als die Hälfte des vorjährigen Nettogewinnes (53,3 Mio. Euro) ins Budget einzahlen. Bei der Erste Group wären 44 Mio. Euro oder drei Viertel des Vorjahresgewinns fällig, während die RI, die 2009 in Ungarn einen Verlust von 17 Mio. Euro erlitten hatte, zusätzlich mit rund 35 Mio. Euro belastet würde. Insgesamt sollen die Banken heuer durch die geplante Abgabe zusätzlich 120 Mrd. Forint (413 Mio. Euro) einnehmen. (rb)

Kommentar posten
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Endre Koczo
00
24.7.2010, 14:13
Die "liberale ?" " Népszabadság"

"Ferdinand Lachinger antwortenpermalink23.07.2010
[3].Ich bin zwar kein "Freund" von Orban, aber Hut ab vor diesem Mann, ..."
Vor einer Stunde habe ich Herrn Lachingers Kommentar in die "Népszabadság" ohne ungarische
Übersetzung platziert.Wurde sofort eliminiert.
Und seit einer halben Stunde wurde ich auch von
der Kommentier- Liste gelöscht.Finito.
So schaut der Liberalismus ungarischer Provenienz
aus. = cripto Bolschevismus !

Ferdinand Lachinger
21
23.7.2010, 10:28

Ich bin zwar kein "Freund" von Orban, aber Hut ab vor diesem Mann, endlich einer der es wagt die Hauptverursacher Banken in eine Verantwortung zu nehmen!!! Und nicht vor diesen modernen Göttern in die Knie geht.
Vielleicht werden sich jetzt andere auch trauen, oder er wird niedergebügelt ... Wir werden sehen.

Plinius
13
23.7.2010, 10:21
Orban hat recht

die Bankenbranche hat ausnahmslos gezockt und ihre Gewinne vervielfacht, oder doch zumindest die üppigen Bonis für ihre Manager. Da ist es nur richtig wenn den Finanzhaien ein paar Zähne gezogen werden. Das Geheul der Branche war zu erwarten, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Richtigkeit der Maßnahme.

Peter T
11
23.7.2010, 10:16
eine einfache Rechnung

Die Steuer von 0,45% wird schlicht und einfach bedeuten, daß die Ungarn ein halbes Prozent weniger beim Sparen bekommen und ein halbes Prozent mehr für Kredite zahlen werden.
Sprich - jetzt gibt's eine kurze Übergangsphase wo die Banken bei fix vereinbarten Zinsen draufzahlen werden, und dann landet die Belastung dort wo sie immer ist:
Beim privaten Steuerzahler.
So ähnlich wird's bei uns auch laufen wenn dann unter großem Triumpfgeheul auch eine Bankenabgabe beschlossen wird - die Leut werden wieder mal bejubeln daß ihnen selber das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Euroumrechner
00
23.7.2010, 12:39

Alle Kosten jedes Produktes werden eingepreist und daher zahlt der Konsument immer alles! Daher gilt ihre Ausrede nicht.

Steuern sind dazu da um zu steuern.

Peter T
01
23.7.2010, 14:42

und was wird hier gesteuert?
- teurere Wohnbaukredite, daher weniger Investitionen in Eigenheime daher geringeres Wirtschaftswachstum
- weniger Zinsen aufs Sparbuch, daher schnell das Konto abgeräumt, über die Grenze ins Nachbarland, und Geld - völlig legal - dort angelegt
Ob's das wirklich bringt?

waeldar
01
23.7.2010, 08:46

das ist richtig so! die ausländischen banken sollen für die krise zahlen, den schließlich sind diese für dieses desaster verantwortlich. wenn es ihnen nicht passt, sollen sich diese aus ungarn zurückziehen. aber nein, sie sind so gierig geworden, dass sie meinen noch mehr aus dem ohnehin verarmten volk heraussaugen zu müssen.

ich wäre generell dafür die banken bzw. deren geschäftsfeld auf ein minimum zu reduzieren per gesetz. dh. diese sollen nur spargeld aufbewahren und kredite vergeben können (soferne sie das geld bzw. sicherheiten dafür haben). restliche betätigungsfelder sollten für die tabu werden. keine spekalutionen, keine fonds/aktienhandel, keine versicherungsgeschäfte, keine investmentsfonds, keine immobilienbeteiligungen, usw.

globetrottel
10
23.7.2010, 23:55

Echt ? Die Banken sind für die Existenz von Fidesz als Regierungspartei mit 2/3-Mehrheit verantwortlich ? Das ist nämlich das einzige Desaster, das ich hier sehe !

Gehirnamputierter Volldillo
11
22.7.2010, 23:03
Bravo, Ungarn

Die ausländischen Banken haben die Ostblockstaaten enorm abgezockt und prahlten auch kräftig mit ihren Gewinnen dort. Es wird Zeit, dass man ihnen die Wucherzinsen wieder abnimmt.

-blos so-
15
22.7.2010, 22:44
respekt den Nachbarn gegenüber :)

jetzt sollten die restlichen Staaten auch endlich nachziehen...

ist ja grauslich wie die Politiker an der Leine der Finanz liegen...

die Banken weigern sich selbst die kleinste Verantwortung an der Gesellschaft zu übernehmen...

oblomow II
13
22.7.2010, 21:24
wenn die banken klug sind ....

... dann verkürzen sie die bilanzen, nach denen ja die steuer berechnet wird, nicht nach gewinn.
eine bankbilanz verkürzt man, indem man wenig bis gar keine kredite vergibt, schon gar nicht dem staat, der ja dafür steuern will (für die bilanzsumme).
dadurch schrumpft die geldmenge = deflation.
wer wird dann den ungarischen firmen ihr glump und ihre dienstleistungen abkaufen? vor allem mit welchem geld?
ich glaub den ungarn und ihren eintänzern wird das siegesgeheul zwischen den zähnen knirschen ...

also dann ...
00
24.7.2010, 00:27
eigenartig ... die investitionen der unternehmen (also auch die kreditnachfrage) s a n k

um mehr als 10 % seit 2007 sowieso...
dasselbe ist nun - durch die lohn- und pensions-kürzungen = sparpakete der haushalte der fall,
d.h.
die baken brauchen hier gar nicht reagieren...

und die von der EZB vergebenen 443 mrd zu 1%
nutzen die banken - nachweislich - ja nur, um ihren "eingefhandel = spekulation" ...auszubauen.

lassen sie die kirche im dorf !

rosenkavalier71
00
23.7.2010, 04:42

naja......ma schauen, gschätzer oblomow!

rosenkavalier71
00
22.7.2010, 21:00

hmm...ungarn hat die bankensteuer jetzt beschlossen. und jetzt? wo bleibt der freie fall des forints?

oblomow II
00
22.7.2010, 21:42
na dann ...

... kaufen Sie doch ungarische anleihen, wenn Sie so sicher sind ;-)

-blos so-
00
22.7.2010, 22:45
ist tatsächlich eine gute Idee

so kann man die Ungarn bei der Aktion unterstützen...

Arminius
01
22.7.2010, 23:22

Sie sind sicher, dass Sie Orbáns Politikgrundsätze verstanden haben?

globetrottel
10
23.7.2010, 23:57

Ich fürchte, es ist verlorne Liebesmüh. Die Poster haben in ihrem blinden Bankenhass, der sie alles in einen Topf werfen und dort wild durcheinandermischen lässt, nicht verstanden, dass es hier nicht um Banken, sondern um politischen Irrwitz geht.

durazell
11
24.7.2010, 08:26
Das Gros der Poster hat leider keinerlei Ahnung von der Innenpolitik Ungarns

Sie lesen "Bankensteuer" und der Schaum der Begeisterung vorm Mund der Begeisterung ist da.

Sehr bedenklich!

also dann ...
311
22.7.2010, 18:37
na endlich 1 premier... der sich gegen das bankenkartell + IMF...stellt.

ungarn braucht ja das IMF geld gar nicht - sie sollen
einfach ihre eigene geldpresse ... an werfen.

überdies ist es immer noch gescheiter...
die ausld. banken liefern grossteile ihres gewinnes in ungarn ab...
- statt sie als dividenden auszuschütten
- und sodann, weil ja das eigenkapital (huch wie schrecklich...) so niedrig ist wieder zum österr. steuerzahler laufen...,
um sich wieder einmal retten zu lassen !

schluss mit dieser akkordierten frotzelei !
g r a t u l i e r e !

buff flyer
00
23.7.2010, 03:21
na sehr sinnig, eine substanzsteuer

und: dem ungarischen staat was abzuliefern ist ja noch blöder als dem östereichischen: das ist kalt-warm weg und perdu.

also dann ...
10
23.7.2010, 10:28
substanz steuer ? von welcher substanz (kreditforderungen ? derivate ? toxische assets ?)

sprechen sie denn ...
perdu...sind die dividendenausschüttungen, die als eigenkap.stärkung einbehalten werden müssen.
da dies nicht geschieht, pilgern die banken sodann zum st.zahler (wie oft denn noch...?) um sich auch noch diese zu "sichern".

meindurstistüberwältigend
25
22.7.2010, 20:49
bravo, endlich

die bankenlobby wird schäumen

orban wird noch viele nachahmer finden

Arminius
01
22.7.2010, 21:29

Cool. Flat Tax. Österreich muss Steuerparadies der Reichen bleiben.

Weltenbürger Demosthenes
81
22.7.2010, 20:46
Pöbelei

Rechtsradikale Sympathepöbeleien sind unerträglich. Ungarn wird büßen, das könnt ihr schriftlich haben.

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