Menschenrechtsskandal

Anhaltelager für Drogenbenutzer

22. Juli 2010, 08:08

KZ-ähnliche Bedingungen fördern Verbreitung von Aids in "Rehabilitationszentren" in Asien

Wien - Ein riesiger Menschenrechtsskandal, der sich rund um Drogenkonsumenten in Asien abspielt: Anhaltelager. Daniel Wolfe vom Open Society Institute am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Internationalen Aids Konferenz in Wien: "In China werden 330.000 Menschen in solchen 'Rehabilitationszentren' festgehalten. Die britische Medizinzeitschrift 'Lancet' geht von 400.000 derart Inhaftierten aus. In Thailand hat sich die Zahl solcher Zentren in den vergangenen sechs Jahren von 30 auf 80 erhöht."

Diese Einrichtungen wurden offenbar in weiten Teilen Asiens etabliert - fernab aller Menschenrechte und aller international bindender Rechtskonventionen. Wolfe: "Es gibt sie schon viel zu lange in Kambodscha, Thailand, Laos, China, Vietnam, in Malaysia sind sie üblich, auch in Staaten Zentralasiens. Die Inhaftierten werden medizinisch nicht untersucht. Sie werden von keinem Richter gesehen, haben keinen Rechtsanwalt. In den Zentren gibt es häufig Drogenkonsum und Nadeltausch, auch keine Kondome." Im Endeffekt sind die Anhaltelager Brutstätten für Aids und Tuberkulose.

Zwangstherapie darf es nicht geben

Damit nicht genug. Gilberto Gerra, Chef der Abteilung für Drogenprävention und Gesundheit beim UNO-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC/Wien): "Es ist völlig kontraproduktiv, Drogenkonsumenten dafür zu bestrafen. Sie brauchen Zuwendung, bei Abhängigkeit ein Therapieangebot. Eine Zwangstherapie darf es nicht geben. Die Behandlung von Drogenkrankheit darf nicht von der Therapie eines Zuckerkranken unterscheiden. Man denkt ja auch nicht daran, jemanden zwangsweise Aspirin einnehmen zu lassen."

Die Zentren lassen offenbar keine denkbare Menschenrechtsverletzung aus: zwangsweise Anhaltung, Folter, Verweigerung von medizinscher Versorgung, Zwangsarbeit und physische Bestrafung bei Nichterfüllen des Arbeitspensums. Wolfe: "Die Inhaftierten werden oft als 'Rehabilitierte', als 'Studenten' oder 'Trainees' bezeichnet. Das sind nette Worte für Grausames. Sie kommen oft mit schlimmen Erkrankungen wieder aus diesen Lagern. 'Ich fühlte mich nicht in einer Rehabilitation, ich fühlte mich nur bestraft', schrieb ein solcher Hälftling."

Therapieangebote für Drogenkranke

Rebecca Schleifer von Human Rights Watch: "Diese Zentren gehören sofort geschlossen. Der Umstand, dass es in diesen Staaten keine andere ambulante Versorgung gibt, rechtfertigt sie nicht." UNODC und andere Organisationen dürften nicht erwarten, dass sich die Situation von selbst bessern werde.

UNODC-Experte Gerra: "Drogenkonsumenten und Drogenkranke brauchen unsere ganze emotionale Zuwendung. Sie brauchen ein Therapieangebot, am besten ambulant. Solche Zentren sind völlig ineffektiv und verschlechtern nur die Situation von Menschen, die oft schon vorher durch ein schwieriges vom Leben bestraft wurden." (APA)

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