Christine Marek hat sich auf die Strache-Schiene umlenken lassen
Und wieder eine Hoffnung zu begraben. Nämlich die auf eine intelligente, wirkungsvolle und vielleicht auch noch ein wenig urban-liberale Opposition zu der Wiener Macht-SPÖ. Diese würde ein wenig Feuer unter der Sitzfläche ganz gut vertragen. Sie regiert mit Ewigkeitsanspruch und das Einzige, was sie aus ihrer heiligen Ruah schrecken kann, sind extreme Rechte wie Strache.
Zwischen roter Selbstzufriedenheit und blauem Radikalismus muss es doch noch etwas geben? Ja, die Grünen. Deren Wien-Chefin arbeitet gerade nach Eigenaussage an einer "Grundprofessionalisierung" der grünen Bewegung. Besser spät als nie, aber ...
Bleibt die Wiener ÖVP. Sie ist geschrumpft auf Döblinger/Hietzinger Lodenträger, ein paar versprengte Kleingewerbler und die schwarze Beamtengewerkschaft. Da wäre noch Raum für etwas, z. B. die Mittelständler, die sich von Wirtschaftskammer und Beamtengewerkschaft nicht wirklich vertreten fühlen. Oder für Aufsteiger aus der Migrantenschicht.
Die neue ÖVP-Chefin in Wien, Christine Marek, an sich eine vernünftige Politikerin, hat sich aber offensichtlich in die Strache-Schiene umlenken lassen. Die neueste Idee: Zugangskontrollen bei der U-Bahn. Mit Metalldetektoren, die Kinderwagen von Waffen unterscheiden können? Oder mit neuen Heerscharen von "Organen" in schmucken Plastikwesten? Hilfloser Rechtspopulismus - die neue Wiener ÖVP? (Hans Rauscher/DER STANDARD Printausgabe, 22.7.2010)