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Museum will für Wally-Deal erotische Schiele-Blätter verkaufen

21. Juli 2010, 18:51

Die Erben nach Lea Bondi-Jaray erhalten 19 Millionen Dollar, die Stiftung Leopold verpfändet für den Kredit fünf Schiele-Gouachen

Die vielzitierte Meldung des Standard, dass eine Einigung bezüglich des Bildnisses Wally von Egon Schiele erzielt worden war, raubte dem Vorstand der Stiftung Leopold den Schlaf: Noch in der Nacht auf Mittwoch lud man zu einer Pressekonferenz ein. Der Vergleich mit den Erben nach Lea Bondi-Jarai war zwar schon am Montag erzielt worden, bekanntgegeben werden sollte er aber erst am Donnerstag. Doch Howard N. Spiegler, der Anwalt der Bondis, hatte bereits eine Pressemitteilung versandt.

Peter Weinhäupl, der kaufmännische Direktor der Stiftung Leopold, konnte die Meldung also nur mehr bestätigen. Er präsentierte den Fotografen mit einem breiten Grinsen das Bildnis. Es handelte sich jedoch nur um eine Kopie. Denn das Original befindet sich in New York. Es war im Jänner 1998 nach einer Schiele-Schau im Museum of Modern Art beschlagnahmt worden, weil es im Verdacht stand, Raubkunst zu sein.

Die Einigung mit den Bondi-Erben, die von der Stiftung Leopold 19 Millionen Dollar erhalten werden, kam in letzter Minute zustande: Am 26. Juli sollte der Prozess beginnen. Das US-Gericht hatte beiden Parteien eine solche außergerichtliche Einigung nahegelegt. Die Zwischenfinanzierung übernimmt die Raiffeisen-Landesbank, als Sicherstellung verpfändet die Stiftung fünf Schiele-Gouachen. Nach Eintreffen des Geldes kommt es in New York zur physischen Übergabe. Ab 29. Juli ist das Bild für drei Wochen im Museum of Jewish Heritage zu sehen, erst am 22. August wird es nach Wien transportiert und danach in einer Sonderschau präsentiert.

Neben dem Werk wird ein von der Stiftung und den Bondi-Erben gemeinsam formulierter Text zu lesen sein: „Dieses Gemälde war persönliches Eigentum von Lea Bondi-Jaray, einer jüdischen Kunsthändlerin in Wien, die 1939 nach London floh." Der United States District Court sei 2009 zu dem Schluss gelangt, dass der NS-Kollaborateur Friedrich Welz sich die Wally „widerrechtlich angeeignet habe." Nach dem Krieg wurde das Bild konfisziert, vom Bundesdenkmalamt aber fälschlicherweise an die Erben nach Heinrich Rieger ausgefolgt, und diese verkauften es an die Österreichische Galerie. 1954 schließlich kam es durch einen Tausch in den Besitz von Rudolf Leopold.
Die 19 Millionen Dollar sollen in Tranchen durch den Verkauf von Schiele-Blättern - vornehmlich erotische Zeichnungen, die hohe Preise erzielen - aufgebracht werden. Rudolf Leopold habe vor seinem Tod „in einem tage-, ja wochenlangen Prozess" selbst die Bilder ausgewählt, die endgültige Liste werde der Stiftungsvorstand aber erst erstellen.

„Nach über 70 Jahren wird das an Lea Bondi-Jaray begangene Unrecht endlich anerkannt und wenigstens teilweise wiedergutgemacht", so der Kommentar der Bondi-Erben gegenüber der New York Times. „Nun haben wir es also schwarz auf weiß: Die Stiftung Leopold kann Bilder verkaufen oder verschenken, sie muss es nur wollen", meinte Wolfgang Zinggl, der Kultursprecher der Grünen. Der Weg sei damit frei für die umfassende Rückgabe bedenklicher Objekte aus der Sammlung Leopold. „Die Einigung in ihrer jetzigen Form hätte bei einer weniger sturen Haltung schon vor langer Zeit erzielt werden können." Weinhäupl bezifferte die bisherigen Anwaltskosten mit drei bis 3,5 Millionen Euro. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2010)

 

sandra 0101
07
22.7.2010, 11:42
Wenn Unrecht anerkannt werden soll,

aber dann bitte vom österr. Staat. Dieses ewige Vermischen hat schon Tradition in diesem Medium. Einzig aus dem leopoldmuseum hört man einen anderen Ton, alle anderen gackern in altbewährter Manier weiter. Das Museum kann anscheinend nichts richtig machen, es schließt einen beachtlichen Vergleich und wird weiter geprügelt. Wir alle sind die Nutznießer dieses Museums, das Leopold gestiftet hat. Der Preis, den der Staat gezahlt hat ist so gering, dass man damit heute gerade mal ein bedeutendes Schielebild kaufen könnte!!! Mir tut es sehr leid, wenn dafür andere Werke verkauft werden sollen. Österreich sollte hier mitzahlen, diese sammlung ist jede Unterstützung wert. Vielleicht auch Spenden, Sponsoren.

Robert Waloch
13
22.7.2010, 12:58
Allein schon für dieses Posting

meinen aufrichtigen Dank - einmal wegen seines Inhalts, einmal für den Mut! JA, denn der ist in diesem Medium nötig, richtet er sich doch gegen den STANDARD-Mainstream, grün und linkslastig!
Als WIENER Museumsbesucher freue ich mich über jede Möglichkeit, auch weiterhin bedeutende Werke mittels Eintrittskarte erleben zu können - in ALLEN Wiener Museen, schon weil mir diese eine teure Reise zu Mr. Lauder oder Getty ersparen!
Die nun folgenden ROT-Markierungen nehme ich da gerne in Kauf; es hat eben alles seinen Preis...

x aeins
11
22.7.2010, 14:23

seh mich durchaus als "grün und linkslastig",dennoch seh ich dringendere Aufgaben von "Gerechigkeit" für Gegenwart und Zukunft. Keine Ahnung,warum gerade diese "Hype" so am Kochen gehalten wird - und Rotstrichlen (die Argumente Unbedarfter) halt ich aus

Kiembeni
00
22.7.2010, 17:16
Bin auch grün und linkslastig :)

Trotzdem bin ich mit sandra 0101 einer Meinung!
Fibde es Schade wenn dafür Schiele-Zeichnungen verkauft werden sollen - ich liebe Egon Schieles Werke.
So und jetzt gehe ich zur Votivkirche - da ist auch einiges los heute :)

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