PKK-Guerilla

Türkei schlittert in neuen Bürgerkrieg

21. Juli 2010, 18:04

PKK greift laufend Militär und Polizei an - Begräbnisse von Soldaten und PKKlern als Demonstrationen

In einem Interview mit der britischen BBC hat gestern eine der Führungsfiguren der kurdischen Guerilla PKK, Murat Karayilan, der türkischen Regierung ein Ende der Gewalt angeboten, wenn diese bestimmte Bedingungen erfüllt. Voraussetzung sei ein wechselseitiger Waffenstillstand und die Aufnahme eines politischen Dialogs. Wenn die türkische Regierung bereit sei, ernsthaft eine politische Lösung zu suchen, könnte die PKK bereit sein, unter Aufsicht der Uno ihre Waffen niederzulegen.

Karayilan wiederholte damit im Wesentlichen, was der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan vor wenigen Wochen über seine Anwälte hatte verbreiten lassen. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass die Regierung sich bereiterklärt, mit der PKK beziehungsweise Öcalan selbst zu verhandeln, was diese aber kategorisch ablehnt. Ein Regierungssprecher sagte gestern zu dem Karayilan-Interview, man kommentiere keine Aussagen von Terroristen.

Luftunterstützung angefordert

Stattdessen schlittert die Türkei in ihren kurdischen Regionen im Südosten des Landes immer mehr in einen neuerlichen Bürgerkrieg. Erneut wurden in der Nacht von Montag auf Dienstag bei einem Angriff kurdischer Guerilleros sieben Soldaten getötet. Ein Stützpunkt bei Cukurca, nahe der irakischen Grenze wurde angegriffen, etliche weitere Soldaten sollen verletzt sein. Wegen anhaltender Kämpfe forderten die Soldaten Luftunterstützung an. Seit die PKK Ende Mai ihren Waffenstillstand offiziell beendete, werden laufend Militär-, Polizei- und Gendarmeriestationen attackiert. Die türkische Armee antwortete mit Vorstößen auf nordirakisches Gebiet, wo die PKK ihre Rückzugscamps hat und bombardierte mehrfach PKK-Stützpunkte im Nordirak.

Angesichts der anhaltenden Kämpfe und der vielen getöteten Soldaten finden im ganzen Land ständig Beerdigungen statt, die jeweils zu Massendemonstrationen gegen die PKK werden und damit aber auch das Klima zwischen Türken und Kurden insgesamt vergiften. Genauso werden mittlerweile getötete PKK-Kämpfer in den Städten im Südosten des Landes mit großer Anteilnahme der Bevölkerung als "Märtyrer" beerdigt. Obwohl die Regierung behauptet, sie würde ihre "demokratische Öffnung" zur politischen Lösung des Kurdenkonflikts fortsetzen, ist davon derzeit nichts zu spüren. Stattdessen dominieren militärische Szenarien. Die Opposition wirft der Regierung vor, zu wenig energisch gegen die PKK vorzugehen und fordert die Wiedereinsetzung des Kriegsrechts im Südosten. Regierung und Militärführung diskutieren darüber, eine neue Kampftruppe von rund 100.000 Mann aufzustellen, die nur aus Berufssoldaten gebildet werden soll. Der Kampf gegen die Guerilla soll effektiver werden, es sollen nicht mehr so viele junge Wehrpflichtige getötet werden.

Kritiker erinnern aber daran, dass vor allem solche Spezialtruppen in den 90er-Jahren für die schlimmsten Ausschreitungen gegen die kurdische Zivilbevölkerung verantwortlich waren. Premier Erdogan beschwerte sich, dass die Türkei zu wenig Unterstützung von Europa im Kampf gegen die PKK bekommen würde. (Jürgen Gottschlich aus Istanbul/DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 424
1 2 3 4 5 6 7 8 9
Stoascheissa Korl
11
28.7.2010, 14:41

Als Unbeteiligter finde ich es immer wieder faszinierend, warum Staaten soviel Gewalt darauf verwenden, "abtrünnige" Teile unter Kontrolle behalten zu wollen?
Der westliche und zentrale Teil der Türkei sollte, bitte, bald in die EU eintreten, und der andere, kurdische Teil soll halt selbständig sein dürfen, wenn sie wollen. Oder zum Iran oder Irak beitreten.
Für die prosperierende Türkei wird das Eckerl jetzt nicht den wirtschaftlichen Bankrott bedeuten, beide Staaten könnten sich entmilitarisieren und, wichtiger, "entbrutalisieren" und eine selbstbestimmte, friedliche Zukunft gestalten.

mehmetali erbil
12
29.7.2010, 10:54
Es gibt keine abtrünnigen Teile

Und als Unbeteiligter sollte man sich raushalten. Es sei den man hat Ahnung und weiss wovon man schreibt. Die Türkei tritt als eine Einheit an. Die Türkischen Staatsgrenzen sind festgezogen. Alle denen das nicht gefällt können das Land verlassen. Kurden in den Nordirak, Griechen nach Griechenland, Armenier nach Armenien und die ganzen Europäischen Rentner die sich niedergelassen haben gleich mit in die jeweiligen Länder. Wir brauchen Europa nicht. Es reicht wenn man Geschäfte macht. Punkt.

Hejaro Kardox
10
30.7.2010, 00:38

Na ok, ich will Dich nicht schon wieder ärgern, ich hätte etwas zu sagen gehabt, aber ich behalte es dieses Mal lieber für mich, wie unser Freund Osman Mert sagte.
Machs gut.

Interrupt
22
28.7.2010, 15:47
Das wäre wie wenn Sie ihre Wohnung aufteilen und verschenken nur weil der Untermieter sich nicht benehmen kann

Kommt sicherlich nicht in Frage. Der Untermieter wird lernen müssen sich zu benehmen!

Stoascheissa Korl
22
28.7.2010, 18:13

Ist zwar ein netter Vergleich, aber einen wesentlichen Unterschied gibt es: Der Untermieter kann sich eine neue Bleibe suchen, und der Mieter auch.

Wenn Sie das jetzt von einem Volk verlangen, ist das purer Zynismus. Sie wissen, dass das nicht funktioniert und auch nicht zumutbar ist. Auch nicht für die Türken im Umkehrschluss.

Und, wie mir gerade wikipedia flüstert, ist es auch nicht so, dass die Kurden in einer türkischen Wohnung sind, sondern eher umgekehrt. Aber nach 500 Jahren Koexistenz ist das auch nicht mehr wichtig: beide haben ein Recht, nach den eigenen Vorstellungen zu leben!

Nur einfach machen lassen, das reicht: Oftmals sind nach 10 Jahren die Verflechtungen intensiver als sie jemals in EINEM Staat gewesen wären.

Interrupt
23
28.7.2010, 18:25
anderer vergleich

anders als kurden haben türken land abgesteckt und häuser gebaut. kurden sind immer nur als mitbewohner registriert gewesen, türken als hauseigentümer. da ist es auch uninteressant mit der "wir waren zuerst da" ausrede zu kommen. "ihr habt aber nichts daraus gemacht" wäre die antwort.

sie sagen es ja selbst: "Wenn Sie das jetzt von einem Volk verlangen, ist das purer Zynismus. Sie wissen, dass das nicht funktioniert und auch nicht zumutbar ist. Auch nicht für die Türken im Umkehrschluss."
uns wird niemand unser land wegnehmen. haben schon ganz andere als diese anfänger versucht und es nicht geschafft.

Stoascheissa Korl
11
28.7.2010, 19:45
1.

Sie argumentieren wie wenn die Türken in Kurdistan in der Mehrheit wären: "unser Land". Ist das wirklich der Fall? Nicht nur im Wunschdenken, und die Militärs abgezogen!

Wenn ja, wird 's kompliziert: Balkanisierung. Aber ich denke, da müssen die Bewohner Kurdistans dann durch: Abtrennung von der Türkei, dann entweder einen Staat Kurdistan mit ethnischem Proporz wie in Belgien, oder zergliedern des Landes wie am Balkan oder Kaukasus. Ersteres ist natürlich keine Dauerlösung, aber so für die nächsten 20 Jahre eine Überbrückung. Zweiteres ist die Hölle, falls es eine ethnische Durchdringung gibt.

Hejaro Kardox
20
30.7.2010, 00:41

In Kurdistan leben Militär und Polizei und vielleicht noch ein Paar Lehrern, sonst leben dort nur Kurden, möchte ich nur sagen.
MfG

Stoascheissa Korl
42
28.7.2010, 19:44

"unser Land", "andere als diese Anfänger versucht", ... Das ist eine aggressive Haltung, die nur provoziert, aber eine Lösung blockiert.
Das ist nicht das Land der Türken, das ist das Land der Kurden, das die Türken jetzt AUCH besiedeln. Die Kurden haben niemals versucht, den Türken die Türkei wegzunehmen, es ist umgekehrt. Nicht die Kurdische Armee besetzt die Türkei und kontrolliert die Türken, sondern umgekehrt. Da müssen Sie schon ehrlich bleiben.

Hejaro Kardox
00
30.7.2010, 00:43

Das ist seine Ehrlichkeit leider, wenn es um den Kurden geht. Er kann einfach nicht anders.
MfG

Interrupt
13
28.7.2010, 21:19
dumme rethorik der kurden

sie springen auf einen imaginären zug auf. wir haben dieses land nicht besetzt. es gehört uns.

zur ehrlichkeit: http://de.wikipedia.org/wiki/Schl... _Manzikert

vielleicht ist es nicht mehr ganz zeitgemäß so land und eigentum zu erlangen, aber das ist unwichtig. damals waren das die spielregeln und jeder hat es so gemacht. wir auch und wir waren gut in diesem spiel. also: kurden leben auf UNSEREM LAND. wir besetzen gar nichts.

ehrlich bleiben!

Stoascheissa Korl
31
29.7.2010, 05:51

Also erstens: ich kann der "dummen Rethorik der Kurden" nicht aufsitzen, weil ich kein Kurde bin und keinen Kurden kenne. Ein aggressives Kerlchen sind Sie.

Das ist Vernunft. Was die Schlacht von Manzikert mit Kurdistan zu tun hat, mag in Ihrem Kopf ja verständlich sein, aber: HALLO, wir sind hier draussen. Es ist ja nicht so, dass die Kurden Anatolien besetzt hielten. Dann hätten Sie ein gutes Argument gebracht.

Aber, Sie sind offensichtlich ja auch nicht an einer echten Diskussion interessiert, sondern glauben (im Ernst?, hahaha), dass Sie die Kurden aus Kurdistan rausposten können. Jetzt sage ich: Na, dann viel Spaß noch im Leben. Auf Nimmerwiederlesen.

Interrupt
13
29.7.2010, 10:02
es ist überhaupt merkwürdig das sie sich hier zu wort melden

sie haben keinen background der eine vernünftige diskussionsgrundlage bilden würde. weder verstehen sie menschen dort (wie auch, sie kennen ja niemanden von dort), noch können sie geschichtliche zusammenhänge in kontext setzen.

damit sie die fakten richtig haben:
(1) es gab niemals ein kurdistan.
(2) wir halten nichts besetzt, nach malazgirt hat es uns gehört und 1000 jahre besitzt genügen um es auch endgültig als UNSERES zu bezeichnen
(3) uns wird man mit einem phantasienamen unser land nicht streitig machen

Berdan Belware1
51
26.7.2010, 08:22
In der Türkei werden auch Babies gefoltert

Beispiel :
http://www.radikal.com.tr/Radikal.a... egoryID=97
Kurze Zusamenfassung in Deustch (Der Fall wurde bereits an EU Parlament geleitet):
Wenn Azat 1,5 Jahre war, wurde mit der Mutter zusammen verhaftet.
Das Kind wurde gefoltert.
Polizisten haben auf der Haut des Kindes Zigaretten gelöscht.
Das Kind hat schwere psychologische Störungen.
Da man der Mutter nicht eindeutig Schuld nachweisen konnte, war die Mutter nach Jahren von der Haftstraffe entlassen.
Das Kind ging besser.
Die Mutter ist jetzt wieder im Gefängnis und das Kind hat schwere psychologische Störungen.
Das Kind hat Niemanden.

Interrupt
23
26.7.2010, 09:13
Dir ist schon klar, dass dieser Vorfall 12 Jahre her ist. Oder?

Ist natürlich keine Entschuldigung. Du erzählst aber nur den Teil der mit der Vergangenheit zu tun hat, wohin gegen der Artikel sich mit den Probleme der Mutter (die auf Misshandlungen von damals zurück zu führen sind) befasst und versucht die Leute dafür zu sensibilisieren um eine Lösung zu finden.

Oder anders: Ein Türke versucht einer kurdischen Familie zu helfen und prangert, zu Recht, die Gräueltaten von vor 12 Jahren an - ein Zeit wo die Kurden auch nicht besonders zimperlich waren ...

Hejaro Kardox
21
26.7.2010, 12:18

Oder in 12 Jahren später wieder passieren kann!

mehmetali erbil
00
29.7.2010, 10:47
Das macht ihr Kurden doch andauernd

Das nennt sich dann Ehrenmord.

Interrupt
12
26.7.2010, 14:38
Passieren kann immer alles.

Darum geht es nicht. Punkt ist, dass ihr nichts anderes als alte Geschichten (zugegeben: Horrorgeschichten) aus dem Ärmel zaubert und so darstellt ob es die aktuelle Lage wäre.

Auf Grund der vielen Ahnungslosen hier ist es für euch auch sehr zweckdienlich die Wahrheit zu entfremden. Dadurch ist es eine absichtliche Täuschung die einer Lüge gleichkommt.

kurd_beobachter
 
20
28.7.2010, 05:15
schön und gut aber wurden diese menschen zur rechenschaft gezogen ? nein und dass is das problem.

die generäle interessieren mich nicht, ich will wissen wieviele sonderkommando typen und polizisten die gemordet und geschändet haben zur rechenschaft gezogen wurden?

der mörder von hrant dink, der wird immer fetter als ob er gemässtet wird. fett werden in einem TÜRK GEFÄNGNISS? wie is das möglich?

der mann der ahmet türk eine geknallt hat hätte 11monate bekommen sollen, diese strafe wurde in eine geldstrafe umgewandelt.

es wird nicht willkürlich nach massengräbern gegraben, die menschen vor ort WISSEN wo diese liegen!

was is mit dem massengrab in dem 11 bauern lagen passiert? nix, stille!

nicht mal als kurde will man jemanden bezeichnen, kurdisch sprechende türken, is das der fortschritt?

trennen wir uns endlich!! bam oida !!

mehmetali erbil
00
29.7.2010, 10:48
Also

Öcalan sieht auch nicht gerade dünn aus. Der war auch dünner als er gefangen wurde. Das euer Gott weiter so zunimmt sollte dich doch auch froh (oder aber auch nachdenklich) stimmen.

Interrupt
02
28.7.2010, 07:54
trennen? ihr könnt alles da lassen und gehen ...

leider wurden die verantwortlichen -trotz prozess- nicht bestraft.

die lage in türkischen gefängnissen finde ich auch sonderlich. wie kann ein öcalan auch nur einen tag da überleben? der müsste schon längst beim zähneputzen selbstmord begangen haben, finden sie nicht?

Hejaro Kardox
12
26.7.2010, 23:44

Ob alt oder neu, Verbrechen bleibt ein Verbrechen an diesem Staat Türkei.

mehmetali erbil
01
28.7.2010, 22:36
Ja stimmt schon

"Ob alt oder neu, Verbrechen bleibt ein Verbrechen an diesem Staat Türkei."
Es sind schon Verbrechen am Staat Türkei was die PKK gemacht hat.

Hejaro Kardox
20
29.7.2010, 12:16

Ich sage nur Armeniern, Christen und Kurden und ich möchte Mal sehen, wer mehr Verbrechen begangen hat.

Interrupt
02
29.7.2010, 14:38
leicht vergesslich, oder?

das die mehrzahl der armenier von kurden umgebracht worden sind hast du schön verdrängt, oder?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 424
1 2 3 4 5 6 7 8 9

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.