Noch viel zu wenig Wissen über die Mechanismen der Krankheit - Ausnahmebeispiel "Berliner Patient"
Wien - Was gegen die Möglichkeit einer baldigen Ausheilung einer erfolgten HIV-Infektion spricht: Die Wissenschafter haben noch viel zu wenig Ahnung davon, wie und wo die Aids-Erreger im Organismus überleben. Frank Maldarelli von der City University of New York: am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bei der Internationalen Aids Konferenz (AIDS 2010) in Wien: "Da haben wir noch fundamentale Wissenslücken. Und alle unsere derzeitigen Medikamente wirken nur gegen die Virus-Vermehrung, nicht gegen in Zellen verborgene Aids-Erreger."
Rückzugsgebiet unbekannt
Das erste Problem liegt in den vielen Verstecken, in denen sich das Immunschwächevirus im Körper verbergen kann. Maureen Goodenow, Pathologin und Direktorin des Aids-Forschungs-Zentrums im US-Bundesstaat Florida: "Erstens einmal kann HIV verschiedene Immunzellen infizieren. Zweitens zirkulieren die im ganzen Körper herum. Das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark, Anm.) könnte ein solches Rückzugsgebiet sein. Schließlich gibt es die Frage, wie das Virus überlebt - nur durch eine ganz geringe Vermehrungsrate oder auch oder nur als Erbsubstanz in ruhenden Zellen. Mit unseren derzeitigen Therapien können wir jedenfalls keines dieser Reservoirs 'leeren'."
Maldarelli listete die derzeit untersuchten Möglichkeiten auf, eine Ausheilung einer HIV-Infektion anzusteuern: "Man versucht in klinischen Studien, die Therapie noch einmal zu intensivieren. Ein anderes Konzept ist es, ruhende HIV-infizierte Immunzellen zur Virusproduktion zuaktivieren und sie dann medikamentös zu treffen. Bisher hat man da aber wenig Effekt auf die Zahl der HI-Viren im Blut gesehen."
Ausnahmeerscheinung
Die große Ausnahme ist und bleibt derzeit der sogenannte "Berliner Patient". Der US-Experte: "Der hatte neben einer HIV-Infektion auch eine Leukämie und bekam Spender-Knochenmark (nach der Zerstörung seines Immunsystems mit dem Knochenmark vor der Transplantation, Anm.). Dem geht es gut. Er hat keine HI-Viren im Blut und lebt seit zwei Jahren ohne Aids-Medikamente." (APA)