Radfahr-Training

Die Zukunft fährt Zweirad

Maria Sterkl, 21. Juli 2010, 18:52
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    Nach dem Trockentraining bitterer Ernst: Sonja Debenjak und Kornelia Stoss wagen sich auf die Straße

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    Kreuzungen werden trainiert, ...

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    ... der richtige Seitenabstand zu den parkenden Autos wird geübt, ...

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    ... und vor allem der Bauchweh-Faktor Nummer eins bei AnfängerInnen - das Linksabbiegen bei Gegenverkehr.

Dass die Gesellschaft altert, freut die Rad-Lobby: Niemand fährt so viel Rad wie die 60- bis 70-Jährigen - Doch Unfälle enden oft fatal

Dreißig Jahre lang ist sie nicht auf dem Sattel gesessen. Jetzt drängt Kornelia Stoss die Steilstrecke zum Türkenschanzpark hinauf, als wäre sie auf der Flucht. Ihr stolzes Tempo verdankt die 53-Jährige zwar dem Motor ihres E-Bikes, ihren Eifer hingegen dem Ehemann: Er werde einem Umzug vom Außenbezirk in die Zentrumsnähe nur dann zustimmen, wenn dafür das Auto aus dem Familienbesitz verschwinde, stellte er klar. "Er ist eben ökologisch sehr bewusst", sagt Stoss, die nicht lange überlegen musste, um sich zu entscheiden: Auto weg, neue Wohnung und Fahrrad her. Das einzige, was jetzt noch fehlte, war "ein Gefühl dafür, wie man sich in der Stadt richtig bewegt".

Linksabbiegen macht Sorgen

Straßenbahnschienen, plötzlich endende Radstreifen, nervöse AutofahrerInnen und jäh aufgehende Autotüren seien Risikofaktoren, gibt Sonja Debenjak von der IG Fahrrad zu: "Aber man kann lernen, wie man damit umgeht." Debenjak leitet die "Fahr sicher Rad"-Kurse der IG Fahrrad in Wien, und Kornelia Stoss ist ihre Kundin. In drei Einheiten besprechen sie die Problemzonen im Radverkehr durch, in ausgiebigen Praxisstunden trainieren sie, wie man sie sicher durchfährt. "Besonders das Linksabbiegen auf stark befahrenen Kreuzungen macht vielen Probleme", sagt Debenjak. Beim Trockentraining in der Wohnstraße wird es geübt , erst in der dritten Einheit geht es in dichteren Verkehr. Dann sollten alle schon in der Lage sein, das Handzeichen vor dem Abbiegen noch beim Einfahren in die Kurve beizubehalten. Zum rechten Straßenrand wird konstant ein Meter Abstand gehalten, "so wird man besser gesehen und kann Autotüren ausweichen". 

Überhaupt sei das Wichtigste, "nach außen hin offensiv, innerlich defensiv" zu fahren, sagt Debenjak. Anders gesagt: Sich nicht einschüchtern zu lassen, sich den Platz zu nehmen, den man braucht, um sich sicher zu fühlen, aber innerlich zurückhaltend und bremsbereit zu sein, werde im Kurs trainiert.

Schwere Unfälle

Als Stationsleiterin einer geriatrischen Einrichtung weiß Kornelia Stoss, dass es mit zunehmendem Alter schwerer fällt, sich neue Techniken anzutrainieren, und baut vor. Gleichzeitig bemerkt sie schon jetzt, "dass ich weniger Kraft und Ausdauer habe, als mit 40". 

Verkehrssicherheits-ExpertInnen empfehlen vor allem älteren Menschen, sich im Stadtradeln von Profis schulen zu lassen: In 62 Prozent aller tödlichen Radunfälle im Jahr 2009 waren die Opfer älter als 60 Jahre. "Senioren sind nicht unbedingt häufiger in Unfälle verwickelt, aber die Unfallfolgen sind oft schwerer", sagt Elisabeth Gerstendorfer vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Die geringere Knochendichte, Herzkrankheiten und ein allgemein schlechterer Gesundheitszustand lassen harmlose Unfälle bei älteren Menschen fatal enden lassen. Paradox daran: Genau diese Leiden sind es, zu deren Vorbeugung MedizinerInnen regelmäßiges Radfahren empfehlen: Da der größte Teil des Gewichts nicht die Gelenke, sondern den Sattel belastet, gilt Radfahren besonders schonender Sport, der sich , wenn damit Einkäufe oder Besuche erledigt werden, zudem unkompliziert, weil nebenbei, betreiben lässt.

Ältere Menschen zählen schon jetzt zu den aktivsten AlltagsradlerInnen. Laut Statistik Austria fahren 15 Prozent der ÖsterreicherInnen regelmäßig Rad - bei den 60- bis 70-Jährigen ist der Anteil doppelt so hoch. Für eine alternde Gesellschaft bedeutet das: Auch ohne verkehrsplanerische Innovation wird der Radverkehr weiter zunehmen. Dies wiederum erhöht die Verkehrssicherheit: So hat in der Stadt Salzburg zwischen 1992 und 2004 der Radverkehrsanteil zwar um 40 Prozent zugenommen, das Verletzungsrisiko pro Radkilometer sank im selben Zeitraum aber um 40 Prozent. Der Grund leuchtet ein: Je präsenter RadfahrerInnen sind, desto eher werden sie von den AutofahrerInnen mitbedacht, wenn sie Autotüren öffnen oder scharf in Einbahnstraßen mit Radspur einbiegen, ohne auf entgegenkommende RadlerInnen zu achten.

Auch am Land mobil

Vor allem in ländlichen Gebieten ist das Radfahren für ältere Menschen oft die einzige Möglichkeit, selbständig mobil zu bleiben, da lokale Busverbindungen in den letzten Jahrzehnten zunehmend eingespart worden sind. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert deshalb einen Ausbau der Radwege entlang Freilandstraßen. "In ländlichen Regionen gibt es auf den Freilandstraßen viel Verkehr, vor allem der Lkw-Verkehr hat zugenommen", so VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Auch im Ortsgebiet brauche es mehr verkehrsberuhigte Zonen, um älteren RadlerInnen das Fahren zu erleichtern. 

Kornelia Stoss ist noch nicht lange im Stadtverkehr mit ihrem Rad unterwegs, doch mit dem Klischeebild, das über RadlerInnen herumgeistert, hat sie schon Bekanntschaft gemacht. "Ein Fiaker bei der Hofburg hat mich beschimpft, weil ich ihn überholt habe", erzählt sie. Zorn verspürt sie keinen, ihre Lektion in Sachen Wien-Verkehr hat sie längst gelernt: "Radfahrer schimpfen über Fußgänger, Autofahrer schimpfen über Radfahrer, eigentlich schimpfen alle über alle, und schwarze Schafe gibt es überall." (Maria Sterkl, derStandard.at, 21.7.2010)

Infos

"Fahr Sicher Rad"-Kurse der IG Fahrrad

Der Verein ARGUS bietet eigene Radfahrkurse für SeniorInnen an

Auch beim Verkehrsclub ARBOE gibt es Radkurse

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 328
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Pete Bronski
00
11.8.2010, 18:18
letzten Montag

war bei uns in Liesing ein schrecklicher Unfall mit einem 75- jährigen Radfahrer, wo der gelbe Hubschrauber kommen musste.

Schuld war wie meistens ein junger unreifer Autler, der in einer 30er Zone in die Kurve reingeschnitten hat und den alten Mann "übersehen" hat. Aber das interessiert in der "Motor-City" Liesing ja niemanden, schon gar nicht den unfähigen Bezirksvorsteher Wurm!

kor-del
11
25.7.2010, 10:45
Helm

Bitte nennen Sie die Quellen für diese Studien oder Statistiken.

BTW war bei oa. Veranstaltung sehr wohl Helmpflicht, die Teilnehmerin hat sich durch ihre Selbstverantwortung als Erwachsene aus dieser Pflicht entbunden.

Soph Isticus
18
24.7.2010, 13:17
jedes auto zerrt irgendwann mal gewaltig am nervenkostüm...

daher rad.

die stadt sollte endlich MASSIVST in ein radwegenetz investieren.

das muss leichter befahrbar als das jetzige, zusätzliche maßnahmen wie das abtrennen von fahrstreifen zb vom gürtel oder ring zu gewissen zeiten, zb sommer.

ausbau des wiental radwegs mit hochdruck... bis rein in die stadt.

Ludovico Settembrini
22
24.7.2010, 08:05

viele aeltere damen haben ein problem mit dem haltemanoever. anstatt das rad zu stoppen, und dann die fuesse auf den boden zu bringen und dadurch das rad zu stabilisieren, springen sie bei langsamer fahrt ab und laufen 2-3 schritte mit dem rad. abgesprungen wird natuerlich in richtung strassenseite.

Proconsul
91
23.7.2010, 23:29
Fr. Debenjak,

trainieren sie mit ihren Schützlingen auch das Helm-aufsetzen, sonst sind solche "Kurse" unseriös!

Proconsul
20
24.7.2010, 19:50

Danke sehr, aber wo habe ich mich FÜR eine Helmpflicht eingesetzt??

amber103
02
31.7.2010, 18:07
Fahrradhelme sind in Summe völlig wirkungslos! Helmverkauf ist bloß ein gutes Geschäft für Sportfachhändler.

Neben der Rechtlichen Helmpflicht gibt es auch noch eine soziale Helmpflicht, die dann gegeben ist, wenn auf Radfahrer ohne Helm enormer gesellschaftlicher Druck ausgeübt wird, doch einen Helm zu tragen.

So eine gesellschaftliche Helmpflicht findet man beispielsweise in Neuseeland. Dort gibt es praktisch niemanden mehr, der ohne Helm Rad fährt. Gleichzeitig mit dem Druck Helme tragen zu müssen, gingen die mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege zurück, und zwar schneller als die Zahl der durch Unfälle verletzen Radfahrer. Auch die Schwäre der Kopfverletzungen hat sich nicht verändert. Durch die gesellschaftliche Helmpflicht hat sich die Gefährlichkeit des Radfahren zugenommen. (Radfahren ist trotzdem immer noch das sicherste Verkehrsmittel.)

kor-del
00
24.7.2010, 01:23
Warum

sollte das unseriös sein?

maxbz
23
24.7.2010, 09:48
Unfallvermeidung

Weil die Unfallvermeidung wesentlich wichtiger ist, als eine Schutzausrüstung, die nach aktuellen Erkenntnissen nur bei einem kleinen Teil der Unfälle hilfreich sein kann.
Viele Menschen denken mit einem Helm hätten sie das Wesentliche für ihren Schutz getan und diverse Kampagnen unterstützen sie dabei. Das ist jedoch falsch, das Training wie man sich im Verkehr richtig und sicher bewegt sowie das Fahrtraining (richtig Bremsen z.B.) ist der entscheidende Punkt.

kor-del
00
24.7.2010, 11:15
@maxbz

das ist mir klar, die Frage war an "Proconsul" gerichtet, was er mit "sonst sind solche "Kurse" unseriös!" meint.

Proconsul
31
24.7.2010, 19:47

Gerne: vielleicht leuchtet es ein, dass Helmtragen bei Radrennen (Amateure und Profis) verpflichtend ist, und diese Leute beherrschen ihre Räder.

Dass das Tragen eines Helmes hier sehr unpopulär ist verwundert ein wenig, vor allem wenn man sich die Verletzungshäufigkeiten bei Alltagsradlern (Info: Böhler KH) ansieht.

Aber jeder wie er glaubt...

maxbz
14
24.7.2010, 19:59

Wenn man sich die Verletzungshäufigkeit ansieht wird klar, dass man beim Radeln keinen Helm braucht.

Ihr Beispiel euchtet nicht ein: Profis beherrschen zwar ihre Räder, sie gehen aber meist volles Risiko ein, denn sie wollen natürlich gewinnen. Das unterscheidet sie von den meisten Alltagsradfahrern.

Für Autofahrer aber folgender Typ:
www.autohelm.ch

Proconsul
20
25.7.2010, 08:55

Da spricht die Verletzungsstatistik halt eine andere Sprache.

Bin selbst Alltagsradler, da ca. die Hälfte der Kollegen sich kein Licht am Abend/Nacht leisten kann, steigt natürlich auch die Unfallgefahr. Abgesehen davon lenkt das Handyfonieren natürlich auch ein wenig ab, so gesehen ist ein Helm bei DENEN auch schon egal...

Majestix
 
131
23.7.2010, 16:55
Man achte auf dasin Großbuchstaben Geschriebene:

§ 7. Allgemeine Fahrordnung.

(1) Der Lenker eines Fahrzeuges hat, sofern sich aus diesem Bundesgesetz nichts anderes ergibt, so weit rechts zu fahren, wie ihm dies unter Bedachtnahme auf die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs zumutbar und dies OHNE GEFÄHRDUNG, BEHINDERUNG oder BELÄSTIGUNG anderer Straßenbenützer, ohne eigene Gefährdung und ohne Beschädigung von Sachen möglich ist.

Dies bedeutet, dass Radfahrer nichts auf Straßen zu suchen haben da sie sowohl Fußgänger als auch Autofahrer behindern, ganz sicher belästigen und mitunter gefährden.

Also liebe Radfahrer: Haltet euch an die gesetzliche "Allgemeine Fahrordnung" - Danke schön.

trollvottel
12
24.7.2010, 13:45

Zur "eigenen Gefährdung" zählen u.a. rücksichtslose Autofahrer, die ohne zu schauen die linke Tür aufreißen; gereizte Autofahrer, die so knapp als möglich überholen, so dass ein noch so kleines Ausweichmanöver zwangsläufig zum Unfall wird; blinde Autofahrer, die aus Seitenstraßen schießen und halb über die Fahrbahn stehen, usw.

ravenna
02
24.7.2010, 12:15

Das Einzige, was bei Ihrem Posting "eindeutig" ist, ist, dass Sie nicht lesen können. Also lassen Sie lieber zukünftig, das Eigeninterpretieren von Gesetzestexten.

rote Lola
12
24.7.2010, 09:30

wenn es danach ginge hätten wir ja auch überhaupt keine probleme mit den autofahrern. da müßten ja ca 90% zuhause bleiben...

Herr Reinsch
01
23.7.2010, 22:26

hahahahaha

maxbz
11
23.7.2010, 21:41
Ich interpretiere das Fette so:

Radfahrer werden oft rechts zu weit in den Randbereich, sprich Gehsteig gedrängt. Dort gefährden, behindern und belästigen sie die Fußgänger, weshalb Radfahrer zwingend auf der Straße fahren müssen, selbst wenn der Gehweg eigentlich für Radfahrer freigegeben ist (gemeinsamer Geh- und Radweg)

Also liebe Radfahrer: haltet euch an die gesetzliche Allgemeine Fahranordnung und fahrt auf der Straße.

irgendein/e posterIn
 
05
23.7.2010, 19:11
hitze und alkohol können auch andere gefährden!

bedenken sie das bitte das nächste mal bevor sie zu posten beginnen.

Majestix
 
41
23.7.2010, 23:22
Hab nicht ich erfunden.

Ist geltendes Recht....

sylvia29
01
28.7.2010, 10:18
ihre interpretation

haben sehr wohl sie erfunden. eigentlich kann man da sogar nur mehr von erfindung und nicht mehr von interpretation sprechen.

Linkslinke Atheistenhippiegruftiehobbitpunkemanze
24
23.7.2010, 17:40

zum gefährden: Wieviele Menschen werden im Jahr von Autos verletzt, wieviele von Rädern? darfst du auch gerne durch die gefahrenen Kilometer runterrechnen, trotzdem sind Autofahrer 100x gefährlicher, mindestens.

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