Afghanistans Armee/Polizei

Korrupt, zugekifft und mangelhaft ausgebildet

21. Juli 2010, 15:07
  • SIGAR-Bericht über die afghanischen Sicherheitskräfte (Juni 2010)

  • CNN-Video über die Probleme bei der Ausbildung der afghanischen Polizei.

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    foto: ap photo/anja niedringhaus,

    Abstimmungsprobleme: Ein deutscher Soldat beim Training mit afghanischen Polizisten.

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    foto: ap photo/kevin frayer

    Treffen unter Bekannten: Ein afghanischer Polizist im Einsatz in Helmand.

     

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    foto: ap photo/dar yasin

    Police Academy auf afghanisch.

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    foto: reuters/denis sinyakov

    Pause am Rande des Marijuana-Feldes.

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    foto: epa/tiago petinga

    Ein afghanischer Polizeibeamter bei der Kontrolle seiner Waffe durch das US-Militär.

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    foto: eupol

    "Stop Corruption": Eine Kampagne von EUPOL und dem afghanischen Innenministerium

Die afghanischen Sicherheitskräfte sollen bis 2014 die Verant­wortung übernehmen - Im aktuellen Zustand wäre das ein Desaster

Am Dienstag wurde auf der Afghanistan-Konferenz verkündet, dass bis 2014 die afghanischen Sicherheitskräfte die Verantwortung für die Sicherheit im Land vollständig übernehmen sollen. Am Mittwoch wurden sechs afghanischen Polizisten im Norden des Landes von Aufständischen der Kopf abgetrennt. Nicht nur dieser Vorfall zeigt, dass die afghanischen Armee- und Polizeieinheiten noch nicht wirklich fit genug sind, um bei der andauernden instabilen Lage die Sicherheit im Land auch nur ansatzweise zu gewährleisten. Auch ein kürzlich vom US-Büro des Sondergeneralinspekteurs für den Aufbau in Afghanistan (SIGAR) präsentierter Bericht (siehe Download links) stellt den afghanischen Sicherheitskräften kein gutes Zeugnis aus.

Eigentlich sollte die afghanische Armee bis Oktober 2010 über 134.000 Soldaten verfügen, bis Oktober 2011 sollten 171.000 Soldaten bereitstehen. Die Zielstärken für die Polizei sind 109.000 für 2010 und 134.000 für 2011. Insgesamt 27 Milliarden Dollar wurden für den Aufbau von Polizei und Armee bisher ausgegeben. Alle Bemühungen würden jedoch durch die weit verbreitete Korruption und den Drogenmissbrauch bei den Sicherheitskräften behindert, schrieben die SIGAR-Prüfer. Es gebe zu wenige Ausbilder, die manchmal selbst schlecht ausgebildet seien.

Truppenstärke wird übertrieben

"Wir wissen mit heutigem Stand nicht, was die afghanischen Sicherheitskräfte wirklich können", so Arnold Fields von SIGAR gegenüber Reuters. Die Truppenstärke werde bei offiziellen Statistiken oft übertrieben und die Abwesenheit von Soldaten ignoriert. Nur 74 Prozent des aktuellen Armeepersonals seien einsatzfähig, bei der Polizei noch weit weniger. Die afghanischen Sicherheitskräfte ließen ihre Aufgaben häufig auch dann im Stich, wenn sie von ihren Ausbildern ausgezeichnete Noten erhalten hätten. "Die afghanische Polizei stellte oft einfach die Arbeit ein, sobald wir die Gegend verlassen hatten", beschwerte sich eine Gruppe von Ausbildern laut Bericht.

Ein Fallbeispiel aus dem Bericht: In Bati Kot, einer Polizeistation, die ursprünglich Bestnoten erhielt, hatte man laut Polizeiangaben zehn Einsatzfahrzeuge zur Verfügung, eine Kontrolle ergab jedoch, dass nur drei afghanische Beamte fähig waren mit diesen zu fahren.

Taliban zahlen besser

Mitverantwortlich für die hohen Desertationsraten ist auch die vergleichsweise schlechte Bezahlung der Sicherheitskräfte: Die Angaben schwanken zwischen 150 und 240 Dollar, die Taliban sollen 300 Dollar bezahlen, private Sicherheitskräfte noch mehr.

Wer dennoch Soldat oder Polizist werden will, stößt bei der Ausbildung auf sprachliche Barrieren. Übersetzer müssen engagiert werden, die selbst keinerlei Erfahrung in Sachen Polizei- bzw. Militärbereich haben. Einige Gegenden seien laut SIGAR-Bericht zudem so gefährlich, dass die Ausbildung per Funk stattfinden müsse. Was dann bei den Rekruten am Ende der Kommunikationskette ankommt, kann oft nicht mehr als Ausbildung bezeichnet werden. Dazu kommt auch noch die mangelnde Bildung der angehenden Sicherheitskräfte: Laut einem Bericht der ARD sind 70 Prozent der Bewerber für die Armee Analphabeten. 

Korruption Hauptgegner

Die schwierigste Herausforderung, um funktionierende afghanische Sicherheitskräfte zu installieren ist der hohe Grad an Korruption. Laut dem SIGAR-Bericht existieren zahlreiche Berichte über Polizisten, die Benzin oder Waffen abzweigten und Reisenden an Kontrollpunkten Geld abknöpften. Es gibt auch Meldungen über "Geister"-Polizisten, die entweder gar keine sind, oder behaupten, einen höheren Rang zu haben, um an mehr Geld ranzukommen.

Laut einem Bericht des ZDF seien früher die Gehälter oft gar nicht bei Beamten angekommen, weswegen man ein neues System installierte: Die Polizisten bekommen eine SMS mit einer Geheimnummer auf ihr Handy geschickt und können ihr Geld dann in einem Telefonladen abholen. EUPOL-Sprecher Harald Händel berichtete allerdings von einem Fall, bei dem ein Polizei-Kommandeur die Handys seiner 53 Untergebenen einsammelte, um das Geld selbst zu kassieren. Als der Telefonladen-Besitzer die Auszahlung verweigerte, drohte der Kommandeur, das Geschäft in Brand zu stecken. Händel sagte, zwar bemühe sich die Anti-Korruptionseinheit von EUPOL darum, dass der Mann festgesetzt werde - jedoch ohne Erfolg, da es wegen des Personalnotstands keinen Ersatz für ihn gibt.

Drogenmissbrauch

Einer afghanischen Erhebung zufolge seien 17 Prozent der Polizisten drogensüchtig. Die Nato hält diese Quote allerdings für zu niedrig gegriffen. Im SIGAR-Bericht ist von mindestens 50 Prozent die Rede und es wird ein Extremfall von einer ANCOP-Polizeieinheit in der Provinz Nangarhar geschildert: Laut Aussagen von US-Militärs hat hier das Sicherheitspersonal - ein Team von rund 100 Polizisten - ganz offen Marijuana geraucht und wollte weder Einsätze durchführen noch den Wachposten verlassen. Die Reaktion des afghanischen Innenministeriums auf die drogensüchtige Exekutive: Wer nicht innerhalb von drei Monaten nachweisen kann, dass er nicht mehr abhängig ist, fliegt aus dem Polizeidienst.

Übrig bleibt eine Hand voll Unbestechlicher und Drogenverweigerer voller Idealismus, die ab 2014 jenen Frieden im Land am Hindukusch garantieren sollen, den fremde Militärmächte mit enormem Personal- und Materialeinsatz nicht bringen konnten. (rasch, derStandard.at, 22.7.2010)

Kommentar posten
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Raptor Jesus
00
5.10.2010, 17:32
Die Frage ist, was motiviert diese Menschen zur Polizei zu gehen?

Jeenyus
00
30.9.2010, 14:50

Von welchen Drogensüchtigen ist da die Rede? Von der Polizeistation die sich ständig einraucht oder wie? XD

Observer96
00
30.9.2010, 14:12

Die Überschrift ist gut!...und "recyclebar" - die kann man locker wiederverwerten.

Mir würden schon spontan ein paar Berufsgruppen einfallen, auf die das ebenfalls zutrifft.

Josef Mutzenbacherin
00
27.9.2010, 00:40
LOL

Und das wo die Amerikaner doch alles erdenkliche tun, um den Drogenanbau zu verhindern...

Ritter von Duchov
01
14.9.2010, 17:02
kann man so ein plakat

auch für österreich machen, mit khg drauf?

stj911.org physics911.net
00
Stilblüte

>>Am Mittwoch wurden sechs afghanischen Polizisten
>>im Norden des Landes von Aufständischen der Kopf
>>abgetrennt. Nicht nur dieser Vorfall zeigt, dass die
>>afghanischen Armee- und Polizeieinheiten noch nicht
>>wirklich fit genug sind ...

SchneeFee
00

Wenn die sich nicht ausbilden lassen wollen, und die Taliban eh besser zahlen dann nichts wie raus aus diesem Land.

zwielichtige halbkriminelle
 
03
Korrupt, zugekifft und mangelhaft ausgebildet

bin ich auch

sonne-licht
 
00
24.9.2010, 19:32
und

traumatisiert!

system1
00
das letzte bild oben: LOL

eher gemeint mit offener hand zum empfang von geldern.... lolololol

Andi van west
01
29.8.2010, 21:31
LOL

welcome to the world of desasters created by the USA - LOL

kritfisch
04
11.8.2010, 18:18
Schon einmal in einem politisch instabilen Land gewesen?

Wenn ich mir die Kritik an der österreichischen Polizei ansehe, frage ich mich: Waren die Poster jemals in einem Land, wo die Polizei wirklich nicht funktioniert? Ich befinde mich derzeit in Guatemala und weiß, wovon ich rede! Ich will nicht behaupten, dass es nichts Kritikwürdiges an der österreichischen Polizei gibt, aber sie mit den Ordnungshütern in Ländern wie Afghanistan zu vergleichen ist wohl völlig daneben!

Zala Manda
00
30.7.2010, 22:56
Das Stop-Corruption-Plakat ..

echt gelungen, wirklich beeindruckend diese Kampagne. -> dieser entschlossene Kampf wird mit der TOTALEN AUSMERZUNG der Korruption in Afghanistan enden;

Wie sich der ganze klasse "Krieg gegen den Terror" als Erfolgsstory sondergleichen erwiesen hat.

DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
03
26.7.2010, 12:49

ich bin mir sicher die westlichen soldis haben sich dort den einheimischen was zugekifft angeht schon längst angepasst.

Dr. Schland
00
27.7.2010, 11:23

Würde ich persönlich nicht machen. Zugekifft ist man ohenhin schon paranoid genug. Höchstens zum Einschlafen.

Claus_W
02
23.7.2010, 12:34
Die Überschrift...

...könnte meine kurzbeschreibung sein.
Wenn es um demotivation bei einer beschissenen Arbeit geht :D (Stagehand Arbeit, etc.)

präsi
 
02
23.7.2010, 12:09
die überschrift

hört sich nach einer jobbeschreibung für mich an-wo kann ich mich bewerben?

c1at
26
23.7.2010, 12:07
mei red'

wer kifft führt keine kriege :-)

lothar.matthäus
82
23.7.2010, 14:57
Er hilft nur dabei,

die Waffen dafür zu finanzieren!

u7b
00
24.9.2010, 11:54

dann helfen Sie doch auch mit das der Staat endlich das Zeug wie Tabak besteuert - denn der Satz stimmt !

Wappen hea
00
naja

schon ein bissl die Relation betrachten:
wenn in Afghanistan am Wegesrand ein Grasfeld steht, wird keine böse, waffenschiebende Mafia unterstützt, wenn man sich ein (2, 3, ...) Knosperl abzweigt.

In unseren Breiten vielleicht, aber dort ???
(und bei uns auch nicht, wenn man selbst Bauer wird und die Düngemittel dadurch auch noch kontrolliert - bio or bust).

gladio
00
30.8.2010, 23:33

Die Illegalität führt dazu.

mightyjust
00

Das das hier gerauchte marihuana aus afghanistan kommt glauben sie aber nicht wirklich, oder? Wozu meinen sie gibt es Growshops?

t.
01
28.7.2010, 11:51

dafür gibts hier natürlich rot, weil: kiffen ist gut. so ganz prinzipiell. verblöden tut man damit gar net. nana. eben.

Mr. Spock
00
23.7.2010, 12:07

make love, no war ... ;)

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