1912 von Schiele gemalt - Über Lea Bondi-Jaray, Friedrich Welz und Erben nach Heinrich Rieger an Österreichische Galerie und Rudolf Leopold - Anstoß für das Restitutionsgesetz
Wien - Das 1912 entstandene "Bildnis Wally" zeigt Egon
Schieles Geliebte Valerie ("Wally") Neuzil. In den Mittelpunkt des
öffentlichen Interesses rückte das Ölgemälde, als es im Zuge einer
großen Schiele-Ausstellung im Museum of Modern Art (MoM) Anfang 1998
in New York beschlagnahmt wurde. Die daran anschließende Diskussion
führte dazu, dass die damalige Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer
(V) Bundesmuseen und Sammlungen anwies, ihre Archive für Recherchen
über die Herkunft der Bilder zu öffnen. Die Debatte um "Raubkunst",
die zu spektakulären Fällen wie der Rückgabe von Gustav Klimts
"Goldener Adele" führte, war damit eröffnet, der Anstoß für das heute
gültige Restitutionsgesetz gegeben.
Über die Biografie von Valerie Neuzil (1894-1917) gibt es nur
wenige gesicherte Angaben: Ursprünglich soll "Wally" ein Modell
Gustav Klimts gewesen sein, der sie Schiele weiterempfohlen hat.
Zwischen 1911 und 1915 war sie auch die Lebensgefährtin Schieles, die
er schließlich für seine spätere Frau Edith verließ. "Wally" starb
1917 als Krankenschwester im Ersten Weltkrieg an Scharlach.
Ihr Bildnis gelangte über Emil Toepfer und den Verleger Richard
Lanyi um 1920 an die Besitzerin der Galerie Würthle, Lea Bondi-Jaray.
Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Galerie Würthle von Friedrich
Welz "arisiert", die "Wally" presste er Bondi-Jaray aus ihrem
Privatbesitz unter noch heute strittigen Umständen ab. 1945 erhielt
Bondi-Jaray zwar ihre Galerie zurück - die "Wally" fehlte aber.
Die Behörden hatten das Bild versehentlich an die Erben des in
Theresienstadt ermordeten jüdischen Kunstsammlers und Zahnarztes
Heinrich Rieger restituiert, die es wiederum 1950 an die
Österreichische Galerie Belvedere verkauften. 1954 kam die "Wally"
schließlich in den Besitz des Augenarztes Rudolf Leopold. Er erwarb
das Gemälde im Tausch gegen Schieles "Rainerbub".
1994 wurde die Sammlung Leopold in die Leopold
Museum-Privatstiftung eingebracht, die das Bild für die Ausstellung
nach New York verlieh. Seit der Beschlagnahme 1998 befindet es sich
in den USA. Gegenstand des dortigen Verfahrens war vor allem, welche
Kenntnisse Leopold im Zeitpunkt der Einfuhr der "Wally" in die USA
von deren Vorgeschichte hatte. Der Kunstsammler hatte erbittert um
die Rückkehr der "Wally" gestritten und auch hohe Anwaltskosten dafür
in Kauf genommen. Bis zuletzt hoffte er auf einen Vergleich. Dieser
ist nun erst nach seinem Tod erzielt worden - kurz vor dem
anberaumten nächsten Gerichtstermin. (APA)