Ansteckung mit HIV

WHO-Leitlinien sollen Babys vor Infektion retten

21. Juli 2010, 10:07

HIV-Tests und Behandlung ab vier Wochen nach der Geburt vorgesehen

Wien - 400.000 Babys infizieren sich jährlich durch Mutter-Kind-Übertragung während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen mit dem HI-Virus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich bei ihren neuen Leitlinien ehrgeizige Ziele zur Verringerung der Ansteckungsrate und bei der Behandlung betroffener Säuglinge gesetzt. Bereits vier bis sechs Wochen nach der Geburt sollen Babys künftig auf das Virus getestet und wenn nötig behandelt werden, fasste Gottfried Hirnschall, WHO-Direktor der HIV/Aids-Abteilung, die Neuerungen bei einer Pressekonferenz im Rahmen der 18. Internationalen Aids Konferenz (AIDS 2010) in Wien zusammen.

Equipment für Tests nicht verfügbar

Noch werden sehr wenige Babys unter einem Jahr auf HIV getestet, was laut WHO dazu führt, dass derzeit schätzungsweise ein Drittel der infizierten Säuglinge vor dem ersten Geburtstag stirbt und die weitere Hälfte vor Vollendung des zweiten Lebensjahres. Bisher sei das für frühe Testungen nötige Equipment vielerorts nicht verfügbar, hieß es bei der Pressekonferenz. Ziel der WHO ist es, diesen Mangel zu beseitigen und so die Mutter-Kind-Übertragung bis 2015 auf unter fünf Prozent zu bringen.

Gefahrloses Stillen

Um dies zu Erreichen enthalten die WHO-Leitlinien weitere Maßnahmen: Die Gabe von Medikamenten an die infizierte Mutter oder das Kind sollen ein gefahrlose Stillen ermöglichen, erläuterte Hirnschall, gebürtiger Österreicher und Tropenmediziner. Der Vorteil: In vielen ärmeren Ländern stellt die Verfügbarkeit von Babynahrung ein Problem dar. Neue Behandlungsvorgaben für die Mütter sind ebenfalls vorgesehen: Diese sollen früher getestet und behandelt werden. Auch wenn es für das Immunsystem der Frauen nicht notwendig ist und Tests weniger als 350 CD4-positive Zellen nachweisen, will die WHO eine prophylaktische Behandlung.

Maßgeblich für die Umsetzung der Leitlinien, die laut UNAIDS jährlich mehr als 400.000 Babys retten würde, ist das liebe Geld. Laut Paul de Lay, stellvertretender UNAIDS-Generaldirektor, dürfte die Verwirklichung der Ziele einer ersten Annahme zufolge jährlich knapp 1,3 Mrd. Euro kosten. "Das ist im Vergleich zu anderen Ausgaben keine astronomische Summe", betonte de Lay. Bisher werde halb so viel für die simplere und nicht so wirkungsvolle Strategie zum Schutz von Babys aus dem Jahr 2006 ausgegeben.

Wenig Geld aus Österreich

Bei der Umsetzung der Richtlinie will der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (Global Fund) als erstes Ziel 60 Prozent der Frauen erreichen, wie Global Fund-Vertreter Christoph Benn erklärte. "Der Schlüssel dazu ist die Wiederbefüllung des Global Fund." Über diese wird im Herbst bei der Konferenz der Geberländer in New York entschieden. Viele Länder schrauben derzeit ihre Beiträge zurück. Österreich muss sich Kritik gefallen lassen, da es bisher nur eine Mio. Dollar zur Verfügung gestellt hat. (APA)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.