Außergerichtliche Einigung mit Erben im Fall des umstrittenen Schiele-Bildes: Wally kehrt nach mehr als zwölf Jahren nach Wien zurück - "Die Gerechtigkeit hat gesiegt" - Mit Video
New York - Die Stiftung Leopold und die Erben nach Lea Bondi-Jaray haben sich doch noch außergerichtlich geeinigt: Die Stiftung zahlt 19 Millionen Dollar, das Bildnis Wally von Egon Schiele wird nach Wien zurückkehren. Dies erfuhr der STANDARD Dienstag Abend von den Anwälten der beteiligten Parteien.
Das Porträt war im Jänner 1998 in New York sichergestellt worden, weil es im Geruch stand, NS-Raubkunst zu sein. Es hatte einst der Kunsthändlerin Lea Bondi-Jaray gehört. Am 26. Juli sollte in New York der Hauptprozess um das Bildnis beginnen.
Ausstellung in New York
Seitens der Stiftung Leopold wurde für Mittwoch eine offizielle Erklärung angekündigt. Zu erwarten ist, dass die Stiftung das Geld durch
Verkäufe von Kunstwerken aufbringen wird. Ehe das Gemälde in einigen
Wochen nach Wien transportiert wird, soll es jedoch noch im Jewish
Museum New York ausgestellt werden, war hinter den Kulissen in
Erfahrung zu bringen. Für Österreich hatte der Fall "Wally" den
Anstoß für eine große "Raubkunst"-Debatte geliefert, die zu dem heute
gültigen Restitutionsgesetz und spektakulären Rückgabe-Fällen aus
öffentlichen Museen führte.
Sieg der Gerechtigkeit
"Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Nach über 70
Jahren wird das an Lea Bondi-Jaray begangene Unrecht endlich
anerkannt und wenigstens teilweise wiedergutgemacht." So kommentieren
die Erben nach Lea Bondi-Jaray laut einem Blog der "New York Times"
die in der Nacht bekanntgewordene Einigung mit dem Leopold Museum
betreffend des Schiele-Gemäldes "Bildnis Wally". Laut "New York
Times" soll das Bild im New Yorker "Museum of Jewish Heritage"
ausgestellt werden, ehe es nach Wien zurückkehrt.
Am Vormittag will nicht nur die Leopold Museum-Privatstiftung zu
dem Fall Stellung nehmen, sondern auch der Provenienzforscher des
Museums, Robert Holzbauer, Dokumente und Recherche-Ergebnisse zur
Entstehungsgeschichte des "Bildnis Wally" präsentieren. So beweise
ein gefundener Taufbuch-Eintrag, dass die abgebildete Lebensgefährtin
Schieles nicht Valerie (oder Walerie) Neuzil geheißen habe, wie in
praktisch der gesamten Schiele-Forschung angegeben, sondern auf den
Namen Walburga getauft worden sei. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 21.7.2010/APA)