"Human Rights March" als Begleitprogramm der Aids-Konferenz
Wien - Zwischen 9.000 und 25.000 Menschen haben am
Dienstagabend in der Wiener Innenstadt für die Menschenrechte
demonstriert - je nachdem, ob man die Polizei- oder die
Veranstalterschätzungen heranzieht. Organisiert wurde das Großevent
von der Aidshilfe, der Hosi und der International Aids Society, dem
Veranstalter der derzeit in der Wiener Messe stattfindenden 18.
Internationalen Aids Konferenz. Als Zugpferd fungierte Sängerin Annie
Lennox, jüngst zur "UNAIDS-Botschafterin des guten Willens" ernannt,
die die Veranstaltung mit einem Solo-Piano-Konzert beendete.
Zuvor hatte sich das bunt gemischte Volk der Demonstranten ab
18.30 Uhr auf dem für den Verkehr gesperrten Schottenring gesammelt.
Um 20.00 Uhr waren die Aktivisten - mehrheitlich ausgerüstet mit
orangefarbenem T-Shirt und Tröte oder HIV-Vuvuzela - schließlich zum
Heldenplatz marschiert.
Menschenrechte als Grundvoraussetzung
Dort riefen Rednern aus aller Welt zur Einhaltung der
Menschenrechte auf - eine Grundvoraussetzung, den Zugang zu adäquater
Therapie und Prävention zu gewährleisten. Unter den Sprechern fand
sich auch österreichische Prominenz wie Gesundheitsminister Alois
Stöger (SP), der allerdings von einem Teil der Menge ausgebuht wurde.
Hintergrund war die am dritten Konferenztag im Messezentrum
ausgebrochenen Diskussion um die Finanzierung des Globalen Fonds zur
Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (Global Fund).
Dort hatte Annie Lennox bereits am Vormittag die
österreichische
Bundesregierung attackiert, die es zwar hinnehme, dass die
Aids-Konferenz 45 Mio. Euro an Umwegrentabilität erbringe, jedoch nur
ein einziges Mal, 2002, 1 Mio. Euro in den Fonds eingezahlt zu haben.
Dies müsse sie schleunigst ändern. "Es ist peinlich für das
Gastgeberland", stimmte auch Hosi-Aktivist Kurt Krickler in die
Kritik ein.
Reduzierte Fonds-Beiträge
Nach Gerüchten will auch das deutsche
Entwicklungshilfeministerium
nach 2012 seinen Beitrag zum Fonds, der zwischen 2001 und 2010 rund
1,2 Mrd. Dollar betrug, um zwei Drittel reduzieren. Deutsche NGOs
nahmen dies zum Anlass, um im Rahmen des Menschenrechtsmarsches gegen
die Pläne zu demonstrieren. "Für die Rettung der Banken sind
Milliarden Euro übrig, aber bei der Rettung von Millionen von
Menschen wird der Rotstift angesetzt", zeigte sich Christiane
Fischer, Sprecherin des Aktionsbündnisses, erbost.
Abseits finanzieller Debatten haben am Dienstag zwei
HIV-Präventionsmethoden den Konferenztag beherrscht. Zum einen war
dies bei den Hilfsmitteln für Frauen die Nachricht des
US-Wissenschaftsmagazins "Science", wonach ein neues Vaginalgel laut
einer südafrikanischen Studie die HIV-Übertragung bei heterosexuellem
Geschlechtsverkehr um 39 Prozent reduziert - wenn zwölf Stunden vor
und zwölf Stunden nach dem Verkehr angewendet.
Eine weit höhere Schutzrate erreicht man hingegen bei Männern -
wenn zum Messer gegriffen wird. Die Gesundheitsorganisation
Population Service International (PSI) stellte ihren Plan vor, bis
2015 in Simbabwe 1,3 Millionen Männer zwischen 15 und 29 Jahren um
ihre Vorhaut zu erleichtern. Statistisch gesehen sinke das Risiko
einer HIV-Infektion nach einer Beschneidung um 60 Prozent. (APA)