Aids-Konferenz

Hoffnungen für afrikanische Frauen

20. Juli 2010, 18:49

Neue Strategien im Kampf gegen Aids in Afrika - Erstmals dürfte ein Vaginalgel die HIV-Neuinfektionsrate bei Frauen senken

Der Kampf gegen Aids ist eine lange Geschichte von medizinischen Erfolgsmeldungen, die sich dann doch wieder als nicht so toll herausstellen. Erst im September 2009 jubelten die Weltgesundheitsorganisation WHO und viele Medien nach einer hunderte Millionen Dollar teuren Studie in Thailand, dass eine Impfung das Risiko einer HIV-Ansteckung um 31,2 Prozent gesenkt habe.

Das Ergebnis erwies sich, genauer betrachtet, als wenig sensationell. Erstens war es statistisch nicht besonders signifikant, und zweitens wusste man nicht wirklich, wie das Medikament eigentlich wirken sollte. Bei der laufenden Konferenz "Aids 2010" in Wien wurden die Hoffnung auf eine HIV-Impfungen in absehbarer Zeit indes wieder gedämpft.

Gestern berichteten Forscher in Wien und quasi zeitgleich im US-Fachjournal Science vom nächsten möglichen Erfolg bei der Vorbeugung gegen Aids: Ein Vaginal-Gel, das zu einem Prozent aus Anti-HIV-Wirkstoff Tenofovir besteht, könne die HIV-Übertragung bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr um 39 Prozent senken.

HIV-Prävention für Frauen

Auch diesmal zeigte sich die WHO erfreut. Der Unaids-Generaldirektor Michel Sidibe begrüßte die Ergebnisse ebenfalls: "Wir geben Frauen Hoffnung. Zum ersten Mal sehen wir Resultate für eine HIV-Prävention, die von der Frau durchgeführt werden kann."

Angesichts der nun wieder geschürten Hoffnungen ist auch die Euphorie über die neue Studie aus Südafrika, wo 5,7 Millionen Menschen HIV-positiv sind, wieder etwas zu relativieren - auch wenn nach vielen gescheiterten Anläufen nun erstmals eine chemische Vorbeugung mit einem sogenannten Mikrobiozid zu helfen scheint.

Zunächst ein Blick auf die Fakten: An der neuen Studie nahmen 889 südafrikanische Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren teil, die HIV-negativ waren. 444 Frauen erhielten ein Placebo-Gel ohne Wirkstoff, 445 das echte Gel. Nach einem Beobachtungszeitraum von 30 Monaten zeigte sich, dass es bei den Frauen, die das Placebo-Gel anwendeten, zu 60 HIV-Infektionen kam. In der Gruppe mit dem echten Gel waren es nur 38, also minus 39 Prozent. Zudem senkte es die Genital-Herpes-Infektionen um 51 Prozent.

Abgesehen von den (eher geringen) Nebenwirkungen ist die Anwendung des Gels recht aufwändig: Es sollte bis zu zwölf Stunden vor und zwölf Stunden nach dem Geschlechtsverkehr angewendet werden. Zudem müssen die Zahlen, die auf wenige Probanden zurückgehen, erst noch durch größere Studien erhärtet werden. Schließlich ist die Schutzrate dieses "chemischen Kondoms" von rund 40 Prozent im Vergleich zu einem aus Gummi wenig perfekt.

Immerhin scheint das Konzept richtig zu sein, wie US-Forscher Anthony Fauci in seinem Plenarvortrag bei der Aids-Konferenz indirekt bestätigte: Da das HI-Virus eigentlich ineffizient bei der Infektion von Menschen und ganz am Beginn extrem verwundbar sei, seien Vaginalgels dem Prinzip nach ein brauchbarer Ansatz.

Ein Erfolg ist die Studie, die rund 15 Mio. Euro gekostet hat, jedenfalls für die Pharmafirma Gilead Sciences, die das Gel entwickelt. Deren zuletzt unter Druck geratene Aktienkurse sind nach Bekanntgabe der Studie stark gestiegen - obwohl die Firma das Gel, das pro Anwendung rund 20 Cent kostet, gratis abgeben will.

Geld hilft noch mehr

Erfolgreicher als die Mikrobizid-Studie in Südafrika war eine Untersuchung in Malawi, für die 3800 Mädchen und Frauen zwischen 13 und 22 in zwei Gruppen eingeteilt wurden: Die Teilnehmerinnen der einen Gruppe erhielten ein bis fünf Dollar, wenn sie regelmäßig die Schule besuchten, und ihre Eltern vier bis zehn Dollar monatlich. Die anderen jungen Frauen bekamen kein Geld.

Das Ergebnis: Die Neuinfektionsrate bei den Frauen ohne Geldspenden betrug drei Prozent, jene der Frauen mit Geld, nur 1,2 Prozent. Macht eine Erfolgsquote von über 60 Prozent. Die einfache Erklärung: Frauen mit etwas mehr Geld kamen weniger oft in Versuchung, sich mit riskantem Sex Geld zu verdienen.

Diese Studie kostete übrigens bloß 400.000 Dollar. (Klaus Taschwer, DER STANDARD Printausgabe, 21.7.2010)

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Posting 1 bis 25 von 72
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Gockel Hahn
 
12
21.7.2010, 09:10
Zwei Gedanken

1. Wie kann man bei einer medizinischen Studie die Infektion mit dem HI Virus ins Auge fassen?????

2. Jetzt kann man sich als südafrikanische Frau nur noch bei jedem 3. erzwungenen Geschlechtsverkehr anstecken.

Großartig. Anstatt in gesellschaftliche Strukturen einzugreifen (denn diese - neben der schlechten wirtchaftlichen Situation mancher Regionen - tragen die Hauptschuld an HIV - Neuinfektionen), geben wir Frauen ein Mittel, um sich zu "schützen", das heißt, nicht vor gesellschaftlich erzwungenem Geschlechtsverkehr, sonder nur zu einem geringen Grad vor seinen Folgen... Naja, was soll's, in Simbabwe läßt man ja auch Männer beschneiden um sie vor dem HIV zu schützen - arrrrghhhhhhhh!!!!!!!

metall81
22
21.7.2010, 09:18
1. Wie kann man bei einer medizinischen Studie die Infektion mit dem HI Virus ins Auge fassen?????

Auch für Sie gilt: Lesen'S die Originalstudie!

xxxx1xx1xx11x1x
 
01
20.7.2010, 23:26
Warum die afrikanischen Frauen diese Hoffnung brauchen:

Leidersind die afrikanischen Männer noch viel ärgere Machos als die hiesigen

haben mir zumindest Menschen gesagt, die sich viel in diesen Kulturen aufgehalten naben
Auch das meiste, was ich diesbezüglich gelesen habe, läuft auf z.t. sehr brutale patriarchale Strukturen und eine eklatante Ungleichverteilung der Pflichten und Rechte zwischen den Geschlechtern hinaus- ein Ausdruck davon sind die brutalen unmenschlichen Genitalverstümmelungen an Frauen

R. Lexer
02
21.7.2010, 12:36

Dass FGM eine Folge des Patriarchats wäre, ist aber eine ziemlich eurozentrische, feministische Vorstellung, denn es ist die Mehrheit der Frauen (!), die will, dass die Tradition so weitergeführt wird.

Die Völker, die das durchführen, sehen das auch nicht als Verstümmelung, sodern eher als eine selbstverständliche Notwendigkeit. Sei es aus Zeichen der Zivilisiertheit, aus Ästhetik und fürs "Frauwerden".

Gallo Way
00
20.7.2010, 23:25

DAS ist die große Headline bei derstandard??? Vaginalgel? Echt? Hmmm...

John Bello
00
21.7.2010, 19:50
Nein,

die große Headline ist was über Kopf (ÖVP) und Steuern.

dozentusmaximus
33
20.7.2010, 22:53

unglaublich so eine studie durch die ethik zu bringen und dann auch noch in science akzeptiert zu bekommen!
shame on you editors of science!

Ava Tar
50
20.7.2010, 22:40
Nur für afrikanische Frauen ?

Vertragen das unsere nicht ? Nanu ?

Timagoras
 
00
23.7.2010, 22:45

herrje, die dummheit stirbt nicht aus ....

Wienbär
01
21.7.2010, 11:19
Sie wissen aber schon, dass ein Kondom ein besserer Schutz vor Ansteckung ist als ein Gel?

Das Gel als Argument zu verwenden, Männer aus der Pflicht zu nehmen, sich oder die Partnerin nicht anzustecken, ist ein wenig ignorant.

Das Gel soll den Frauen helfen, deren Männer zu rücksichtslos sind, selbst für den Schutz zu sorgen. Und da hofft man natürlich, dass Frauen in Österreich doch recht gleichberechtigt beim Geschlechtsverkehr sind, so dass sie dem Mann klar machen können, dass er hier für den Schutz verantwortlich ist.

Anders in Afrika und Asien, wo sich der Mann in vielen Regionen noch immer dadurch identifiziert und auch im Recht sieht, dass er seine Frau mehr oder weniger regelmäßig vergewaltigt, weil das zur Rolle eines echten Mannes gehört. Sagen Sie mal einem Vergewaltiger, dass er ein Kondom benutzen soll....

Dan Scratch
14
20.7.2010, 22:52

Es dürfte wohl für afrikanische Frauen etwas schwieriger sein, auf ein Kondom zu bestehen. Dieses Gel macht sie auf jeden Fall unabhängiger.

xxxx1xx1xx11x1x
 
00
20.7.2010, 23:20
Oder deutlicher ausgedrückt:

Die Frauen in Afrika haben nichts zu melden. Männer haben dort nichts dazu gelernt und unterdrücken die Frauen nach wie vor in jeder Hinsicht.

Austrianer was sonst.....
00
20.7.2010, 22:26
Vaginalgel soll HIV-Neuinfektionsrate bei Frauen senken

Na wer´s glaubt, selbst schuld! Viel Spaß!
Mein Tipp, man lebt nur einmal! (Nicht als Motivation zu verstehen!)

bröhan
22
20.7.2010, 22:24

bloss 400.000 dollar ? was beweist diese studie ? ich krieg wahrscheinlich keinen schnupfen wenn ich mich nicht verkühl ? das präparat gibt es sit den achtzigern.mir wird schlecht....

John Bello
43
20.7.2010, 21:47
Toll,

für diesen äußerst wichtigen Test wieder 68 Menschenleben wahrscheinlich zerstört,zumindest aber nachhaltig zum schlechten verändert.

metall81
03
21.7.2010, 07:17
Originalstudienleser....

...wissen mehr.

Dan Scratch
13
20.7.2010, 23:08

Andererseits wären aber ohne diesen Test noch mehr Frauen erkrankt, oder?

John Bello
00
20.7.2010, 23:48

jetzt stellt sich die frage:

werden durch die durchführung dieses tests weniger frauen erkranken?
immerhin handelt es sich um einen test,der nur eine statistik ergibt,keine verbesserungen der behandlung.

Dan Scratch
01
21.7.2010, 08:53

Korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre: Hätte man diesen Test nicht gemacht, wäre die Infektionsrate der Frauen mit Gel so hoch gewesen, wie die der Frauen mit Plascebo, oder? So gesehen, wurden doch zumindest einige Frauen gerettet. Hätte man allen Frauen dieses Gel gegeben, wüßte man nicht, ob es wirkt. Oder mache ich da irgendwo einen Denkfehler?
Natürlich wären Kondome auf jeden Fall besser, dabei sind die afrikanischen Frauen jedoch auf den good will der Männer angewiesen. Und dann ist da noch das Kondomverbot der Kirche (gehört für mich zu den finstersten Seiten dieser Sekte).

John Bello
00
21.7.2010, 14:20

meiner meinung nach hatte der test,weil (wie jeder test dieser art eigentlich) eine zu geringe teilnehmerzahl , war nur "representativ" ,d.h. kann dadurch kein genauer schutzfaktor errechnet werded => ungenau, und mir wär eine annäherung nicht genug um 68 leben zu zerstören.

aber ja,alternativen gibt es leider keine.

metall81
00
21.7.2010, 14:25
Was soll der Schwachsinn?

Wer hat 68 Leben zerstört?

John Bello
00
21.7.2010, 14:29

der test bzw die auftraggeber des tests,indem sie die probanden nur mit diesem gel verhüten ließen.
kann mir nicht vorstellen,dass diese kondome zum einsatz bringen durften,da sonst das ergebnis verfälscht werden würde.

metall81
00
21.7.2010, 14:33
Nochmal:

Lesen's die Originalstudie: http://www.sciencemag.org/cgi/rapid... 193748.pdf

John Bello
10
21.7.2010, 19:40

geh,schreibens mir bitte das wesentliche heraus, ich habe jetzt, bei dieser hitze und dem schönen wetter, weder zeit noch lust, einen ellenlangen artikel in einer fremdsprache durchzuarbeiten.

metall81
00
22.7.2010, 06:39
Sonst noch Wünsche?

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