Streit um Moscheebau in Manhattan

20. Juli 2010, 18:38
  • Artikelbild
    foto: standard/herrmann

    Sally Regenhard mit einem Bild ihres Sohnes.

Die Emotionen gehen hoch: Beim Ground Zero in Manhattan soll ein islamisches Zentrum errichtet werden - Reportage

Lange hat Sally Regenhard keine Regung erkennen lassen, ist nur still dagesessen in ihrem Klappstuhl im großen Hörsaal des Hunter College, in den Händen ein Bild von Christian, ihrem Sohn. Es zeigt den 28-Jährigen in der Montur eines Feuerwehrmanns. Es ist das letzte Bild, das es von ihm gibt, bevor die Zwillingstürme des World Trade Center einstürzten und er unter den Trümmern begraben wurde.

Christians Mutter hat schweigend zugehört, wie die Denkmalschützer auf dem Podium Pro und Kontra auf die Waagschale legten. Abriss, ja oder nein? Ist ein 152 Jahre altes lädiertes Haus im Finanzbezirk Manhattans erhaltenswert? Irgendwann springt sie auf. "Denkmalschutz, schön und gut. Ground Zero ist heiliger Grund. Dort eine Moschee zu bauen, das wäre ein Sakrileg." Es sei schon hart genug, hinunterzusteigen in diese Grube des Todes. "Meinetwegen können sie überall bauen, nur nicht am Ground Zero" , ruft Sally Regenhard.

Genau genommen sind es zwei Häuserblöcke, die die potenzielle Baugrube von der Stelle trennen, an der Terroristen am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die Twin Tower krachen ließen. 45-47 Park Place heißt die Adresse. Früher wurden hier, in einem Ableger der Burlington Coat Factory, Mäntel genäht und verkauft. Heute ist es ein verlassenes Gebäude in einer schmalen Straße.

Ein Bauunternehmer namens Sharif El-Gamal hat die Ruine bereits gekauft. An ihrer Stelle will er ein islamisches Zentrum errichten, 13 Etagen hoch, mit Schwimmbad, Kunsthalle, Kochschule, Fitnesscenter, Restaurants und Moschee. Faisal Abdul Rauf, der Imam, der dort das Gebet leiten soll, hat einen schönen Namen beigesteuert: Cordoba House. Pate steht die historische Stadt in Andalusien, in der Christen, Juden und Muslime über Jahrhunderte friedlich zusammenlebten.

"Wir sind die Antiterroristen" , sagt der Imam, der seit 1983 ein paar Straßen weiter Gottesdienste zelebriert. "Wir sind die gemäßigten Stimmen des Islam." Die Bürgerversammlung im Süden Manhattans sieht es genauso und unterstützt das Projekt mit 29 Stimmen gegen eine. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg spricht von einem Symbol der Toleranz und mahnt die Kritiker, bitte nicht zu vergessen, was die Stärke der Stadt ausmache: schrankenlose Weltoffenheit. "Der Staat sollte den Leuten niemals - niemals! - vorschreiben, wo sie beten dürfen und wo nicht. Wenn jemand ein Gotteshaus bauen will, soll er es tun."

Unter den Hinterbliebenen der 9/11-Opfer schlagen die Wellen der Emotion hoch bei der Anhörung im Hunter College, einer Traditionsuniversität in der Upper East Side. Die einen halten es mit Bloomberg, andere mit Sally Regenhard. "Wir sind auch New Yorker" , wirft Dania Darwish ein, eine junge Muslimin, die bei dem Angriff eine Tante verlor. "Alle, die hier rumschreien, wissen doch gar nichts über uns. Wenn die Moschee steht, lernen sie vielleicht etwas über den wahren Islam."

Jemand schlägt vor, alles beim Alten zu lassen und das Streitobjekt kurzerhand zum Kriegsdenkmal zu erklären. Andere finden das zu martialisch, pochen aber sehr wohl auf die Denkmalpflege - eine Hürde, an der die Moschee noch scheitern kann. 1858 eingeweiht, wurde die Mantelfabrik einem italienischen Palazzo der Renaissance nachempfunden. Italienische Palazzi seien heute eine Seltenheit in Manhattan, argumentiert die Fraktion der Denkmalschützer, daher müsse man alles retten, was noch stehe. "Wieso kommt ihr erst jetzt darauf?", schallt es aus dem Saal. Ein Mann mit Bauhelm kontert mit einem Plakat: "Kein Kamikaze-Denkmal in Pearl Harbor, also auch keine Moschee am Ground Zero!" Das lässt einen Rentner sein eigenes Spruchband entrollen: "Hört auf, alle Muslime zu Sündenböcken zu stempeln!" (Frank Herrmann aus New York/DER STANDARD, Printausgabe, 21.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5
Franz Kohlegger
00
16.8.2010, 04:04
Die doppelte Zunge der Indianermoerder

Die Amis sind die groessten Luegner, Heuchler und Halsabschneider der Geschichte. Wenn es ihnen gefaellt dann fordern sie Redefreiheit, Religionsfreiheit und Menschenrechte ... sogar als Grund einen Krieg anfangen zu duerfen.

Wenn aber andere dasselbe fordern dann ist das nicht erlaubt; es ist sogar eine Kriegserklaerung. Diese "nicht-Amerikaner" muss man dann bekaempfen, notfalls mit Krieg.

Die Amis (nicht alle, aber viele) fordern auch das Recht dass jeder eine Waffensammlung zuhause haben darf. Wozu wohl? Fuer den Krieg?

MajorMax
1211
22.7.2010, 09:25
Offene Beleidigung der Opfer des Islam

Diese Muslime könnten gleich auf die Gräber der
Opfer des 9.11 spucken.

Denn entweder fehlt diesen Leuten jedes Gefühl für Anstand (es gibt keinen einzigen Grund für einen Moscheebau am Ground Zero)
oder sie benutzen es als Machtdemonstration.
(letzteres ist m.M. nach offensichtlich)

Ein "guter" Wille oder Anstrengungen für ein
positives Miteinander ist im Islam nirgends zu erkennen.

Es regiert Intoleranz, Unterdrückung und Gewalt
der Islam ist eine der gefährlichsten Sekten -
er gehört verboten.

blickwinkel101
 
00
14.8.2010, 12:51
ich kann dich beruhigen..

..es gibt keine Verschwörung der Muslime. Es ist ja nicht so, dass es einen Verein bzw Kirche gibt, der diese organisiert und vereint. Also Verschwörungstheorien ala Vatikan sind im Prinzip nicht haltbar. `Natürlich könnte es trotzdem sein, dass über Moscheenlautsprecher beim Gebetsgesang geheime Signale geschickt werden, damit alle Muslime in eine Verschwärung einbezogen werden, wer weiß? Es könnte natürlich sein, dass die Pilgerfahrt nach Mekka in Wharheit die große Versammlung der Muslime, um die aktuellen PLäne zu besprechen. Müsste man alles überrpüfen...

durazell
44
24.7.2010, 08:22
Diese zufällig aneinander gereihten Buchstaben sind so fern jeglichen Sinns...

... dass für den Verfasser zwei Optionen in Frage kommen:

1. Akute intellektuelle Insuffizienz
2. Trollalarm

the_suck
12

genau und es wäre auch nichts falsches daran wenn die NPD ein Jugendzentrum direkt neben Bergen-Belsen anbaut, oder etwa doch?

Des is so - und nicht anders..
 
32
21.7.2010, 20:40
???

WIESO ein religiöses Zeichen setzen? ... egal ob Kirche, Moschee oder sonstwas ... KEIN mit Religion verbundenes Gebäude !!!

nanananananana
 
35
21.7.2010, 20:43
WIESO ein religiöses Zeichen setzen?

Naja, zuerst wurde der Platz dem Boden gleich gemacht und jetzt will man das dazugehörige Symbol des Sieges hinpflanzen. So einfach ist das zu erklären.

xxxx1xx1xx11x1x
 
27
21.7.2010, 20:23
Cordoba House. Pate steht die historische Stadt in Andalusien, in der Christen, Juden und Muslime über Jahrhunderte friedlich zusammenlebten.

Das ist einfach nicht wahr!
Als Mxslime in Al-Andalus herrschten war es so:

"Die erste größere Verfolgung gab es am 30. Dezember 1066 mit der Vertreibung der Juden aus Granada, bei der 1500 Familien getötet wurden, die die Stadt nicht verließen. Unter den Almoraviden und den Almohaden mag es zwischenzeitliche Verfolgung der Juden gegeben haben, aber die Quellenlage ergibt kein klares Bild. Jedenfalls scheint sich die Lage der Nichtmuslime nach 1160 verschlechtert zu haben. So werden Pogrome gegen
Die
Juden in Córdoba im Jahr 1011 und in Granada im Jahr 1066 berichtet.
Viele Juden wanderten auch in das relativ tolerante Toledo aus, das 1085 von den Christen erobert wurde.

Vom Dhimmitum und der Kopfsteuer wollen wir gar nicht erst reden

NaWostNetSogst
32
23.7.2010, 05:01

Warum erzählen sie nur einen kleinen Teil der Geschichte und kehren dabei die ersten ca.300 Jahre unter den Tisch ?

NaWostNetSogst
34
23.7.2010, 04:12

und die 300 Jahre vorher (ab ca. 711) wo Muslime, Christen und Juden für damalige Zeiten recht harmonisch zusammenlebten?
Erst viel später haben Konflikte unter den Moslems (Fundamentalisten würde man heute sagen) wieder alles zunichte gemacht und Extreme Intolleranzler haben die Macht übernommen und andersgläubige vertrieben, getötet usw. (Wenn schon auf schlau machen dann auch die ganze Geschichte erzählen, net erst ab 1066)

the_suck
11

in Österreich hat man auch viele hundert Jahre friedlich und im Einklang mit den Juden gelebt, bis wir dann 8 Mio von ihnen ermordet haben

Annata
11
21.7.2010, 18:14
Ich feiere den Tag

Wenn wir nicht mehr darum streiten müssen welcher Wüstengott der richtige ist, und wie man am besten homosexuelle Sünder bestraft.

Ich bin kein Freund vom Islam und seinen Menschenverachtenden Gesetzen, aber wir und auch die Amerikaner leben nach den Universellen Menschenrechten, und das schließt auch jene mit ein die sich einen Dreck drum scheren.

Nieder mit der Sharia, baut die verdammte Moschee und geht nackert rein ;)

asinus
00
28.7.2010, 08:28

Und Guantanmo ist auch menschenrechtskonform?`

the_suck
10

sicher nicht schlimmer als ein türkisches Gefängnis

John McLanes Jünger
117
21.7.2010, 15:30
Also was man hier so zum lesen bekommt ist eine wahre Schande!! Bei einigen haben die Terroristen ihre wirkung erziehlt (Angst und Unsicherheit) Bei einigen (mehr) anderen hat die Anti-Islampropaganda voll durchgeschlagen. Ich Persönlich wäre ja

neugierig wenn man statt einer Moschee eine Kirche oder eine Synagoge dort hin Pflastern wollte. Ich bin sicher damit hätte keiner ein Problem. Aber weil es halt Moslems sind die auch leben wollen (aber bei uns nicht dürfen) macht man ihnen das Leben so schwer das man sich im Grunde nicht wundern darf wenn die Fanatischen der Religion enormen zulauf haben.
Wovor habt ihr eigentlich Angst? Wenn es um die Menschenrechte geht so kann ich euch beruhigen Frauen werden bei uns auch noch immer geschlagen, die Kirche hat auch noch keine Pfarrerinnen, und achja in für mich sind die jenigen die Terroristen die sich mit diversen Paragraphen, Überwachungsaktionen und TV-Sendungen etc. dem beugen und uns die Grundrechte abschneiden (Politik und Medien)

popokatepetl
37
21.7.2010, 15:17
Olivio Tasso
310
21.7.2010, 14:52
Ground Zero

ist der denkbar ungünstigste Ort für eine Moschee, ich hör' jetzt schon die Jubelschreie aus der islamischen Welt, wenn Allah die "Säulen" einer Wirtschaftsmacht hinwegfegt und ein Gotteshaus an jenem Ort errichtet - was für ein Triumph!

gedanken sind frei
92
21.7.2010, 15:14
triumph?

geht es hier etwa um einen kampf?

wie besessen und verkorxt muss einer sein, um so zu denken...

wehret den anfängen. aber ich befürchte, wir sind nicht mehr am anfang..

the_suck
00

ja, wird auch als Jihad bezeichnet

klomuscheltaucher mit spaghettiausrüstung
27
21.7.2010, 18:21
ein paar tausend t0te

und 2 darauffolgende, noch immer nicht beendete Krlege sieht mir schon ein bisschen nach kampf aus

gedanken sind frei
42
22.7.2010, 06:35
?

der krieg wird zwischen den usa und afghanistan ausgetragen, nicht zwischen katholiken und moslems. wenn sie das nicht auseinander halten können ...

Chien de Pique
00
28.7.2010, 20:36

Es wird garantiert kein Krieg zwischen den USA und Afghanistan ausgetragen, sondern es wurde und wird ein Krieg der USA und der aghanischen Regierung gegen die Taliban (und frühere illegitime Regierung) ausgetragen.

gedanken sind frei
10
29.7.2010, 06:22
das hat in der diskussion kaum relevanz

obwohl sie natürlich recht haben...

aber man kann halt nicht jedes detail korrekt niederschreiben, dafür sind foren nicht da

im grunde ändert ihre korrektur auch an der grundaussage nichts

the_suck
00

das sehe ich anders und wenn man sich anschaut wer und wo die Leute kommen die auf Taliban Seiten gegen die UNO und NATO Tuppen kämpfen ist es auch kein Kampf gegen Afghanen, genauso im Irak was machen tschteschenische Jihadisten dort? für die Freiheit Kämpfen um anschliessend eine Demokratie aufzubauen .. genau

obibiber
03
21.7.2010, 14:49

"Pate steht die historische Stadt in Andalusien, in der Christen, Juden und Muslime über Jahrhunderte friedlich zusammenlebten."

die symbolik hängt schon schräg, wenn sich ein zentrum auf das zusammenleben von mehreren religionen bezieht, dann aber nur ein zentrum für 1 religion baut, wieso nicht gleich ein gebetshaus, das für alle passt und von allen genützt werden kann...

also, ich find ja religionen grundsätzlich schon problematisch, aber ground zero hat eine geschichte, da muss schon noch mehr darauf geachtet werden, was daraus entsteht. ich wär für park, der von allen genutzt werden kann, wurscht ob religiös oder o.b.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 204
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.