Zahl der Neuinfektionen soll durch Beschneidungen um 80 Prozent gesenkt werden - 1,3 Millionen Männer sollen Vorhaut lassen
Wien - Das Fehlen der Vorhaut senkt das Risiko einer HIV-Infektion um 60 Prozent. Dieser Zusammenhang ist seit einigen Jahren bekannt, weshalb die Gesundheitsorganisation Population Service International (PSI) auf der Aids-Konferenz in Wien ihr Pilotprojekt Simbabwe vorgestellt hat. Bis 2015 sollen sich hier 80 Prozent der 15- bis 29-Jährigen von ihrer Vorhaut trennen. 750.000 HIV-Neuinfektionen könnten verhindert werden, wenn insgesamt 80 Prozent aller Männer in Simbabwe beschnitten wären.
In einer ersten Testphase wurden in dem traditioneller Weise nicht der Zirkumzision zugeneigten Land innerhalb von zwölf Monaten 6.500 Männer um ihre Vorhaut erleichtert. In den kommenden fünf Jahren sollen nun 1,3 Millionen Männer zwischen 15 und 29 Jahren unters Messer. Zugleich soll auch die Beschneidung bei Säuglingen intensiviert werden, die unkomplizierter ist. Simbabwe hat eine HIV-Infektionsrate von 13,7 Prozent der Bevölkerung.
Verstärkte Aufklärung
Laut Erhebung vom Oktober unter 2.746 Simbabwesen würden immerhin 60 Prozent ihren Sohn beschneiden lassen, wenn ihn dies besser gegen HIV schütze. Zugleich habe sich gezeigt, dass das Wissen um Beschneidung in der Bevölkerung noch sehr gering sei, weshalb die Aufklärungsarbeit verstärkt werden müsse, heißt es.
Bezüglich des effizienten Mitteleinsatzes habe sich gezeigt, dass die Operationszeit bei einer Beschneidung dann deutlich reduziert werden könne, wenn Teams aus zwei Ärzten und drei Krankenschwestern vier Patienten gleichzeitig operierten. So könne die OP-Zeit von durchschnittlich 25 bis 30 auf sieben bis zehn Minuten gesenkt werden.
Risiko sinkt
Dass eine Beschneidung das Risiko, sich eine HIV-Infektion zuzuziehen, senkt, ist unter Medizinern unumstritten. Der Grund dafür ist allerdings noch nicht restlos geklärt. Zum einen ist die Vorhaut als dünnes Deckgewebe beim Geschlechtsverkehr verletzlich und kann so dem HI-Virus mit mikroskopisch feinen Rissen als Einfallstor dienen.
Eine Theorie besagt, dass HIV an den Langerhans-Zellen anbindet, die in der Vorhaut vorkommen. Und letztlich bringt die Beschneidung im Bakterienhaushalt der Eichel eine Verschiebung von anaeroben zu aeroben Bakterien mit sich. Da die anaeroben Mikroben häufig jene sind, die für Entzündungen verantwortlich zeichnen, nimmt diese Gefahr für die Schleimhaut ab, was es dem HI-Virus schwerer macht, in den Körper einzudringen. (APA)