Gesundheitsminister räumt Versäumnisse der Vergangenheit ein - "Haben unsere Pflichten verletzt"
Wien - Südafrikas Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi hat am Dienstag bei der Internationalen Aids-Konferenz in Wien (AIDS 2010) bekräftigt, dass sein Land den Kampf gegen die HIV-Epidemie entschieden fortsetzen will. Im Rahmen eines speziellen Gesundheitsprogramms sollen 15 Millionen Menschen auf HIV getestet werden, erläuterte Motsoaledi. Präsident Jacob Zuma sowie er selbst und andere Spitzenpolitiker seien dabei die ersten gewesen. "Wir haben uns den Tests unterzogen, um das auf ihnen lastende Stigma wegzubekommen."
In Schulen, Universitäten oder Dörfern seien die jeweiligen Führungspersönlichkeiten aufgefordert worden, als Vorbildwirkung einen HIV-Test zu machen. Es werde erwartet, dass sich nun rund 1,65 Millionen neue HIV-Infektionen finden werden, sagte Motsoaledi. Derzeit sind 5,7 Millionen der rund 50 Millionen Südafrikaner als HIV-positiv bekannt. Diese auf jeden Fall enorm hohe Aids-Rate habe das südafrikanische Gesundheitssystems kollabieren lassen, räumte der Minister ein. "Außerdem führt es zu Armut und Verelendung."
Alarmierende Mortalitätsrate
Die Sterblichkeitsrate wegen Aids sei nach wie vor alarmierend, sagte Motsoaledi. So sei über die Hälfte der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren auf HIV-Infektionen zurückzuführen. In der Vergangenheit habe es in Südafrika bei der Aids-Bekämpfung große Versäumnisse gegeben. gab der Minister zu. "Wir haben unsere verfassungsmäßigen Pflichten verletzt, auch die Demokratie und Menschenrechte."
Lange Zeit war die Immunschwächekrankheit in Südafrika offiziell verharmlost worden. Unrühmliche Rollen spielten dabei vor allem Manto Tshabalala-Msimang, eine Vorgängerin von Motsoaledi im Gesundheitsministerium, und Ex-Präsident Thabo Mbeki. Aber auch von Präsident Jacob Zuma, der nun an der Spitze des Aids-Programm steht, sind aus früheren Tagen durchaus zweifelhafte Zitate überliefert. Zum Beispiel dass er sich nach ungeschütztem Sex zwecks "Prävention" lediglich "geduscht" habe. Nun wird er mit Worten zitiert, die den Kampf gegen Aids mit jenem gegen die Apartheid vergleichen: "Wir hatten die Wahl uns zu unterwerfen oder zu kämpfen. Wir haben uns für den Kampf entschieden."
Investitionen in Aids-Programme
Jetzt gelte es trotz infrastruktureller und finanzieller Probleme "schnell zu handeln", schlug Motsoaledi aber andere Töne an. Grundsätzlich müsse jeder südafrikanische Bürger Zugang zum Gesundheitssystem haben, und in Sachen Aids werde versucht, immerhin 80 Prozent der Betroffenen für eine Behandlung zu erreichen. Ein Punkt sei klar, meinte Motsoaledi: "In Aids-Programme zu investieren, heißt in Gesundheit zu investieren. In Gesundheit zu investieren, heißt in Entwicklung zu investieren."
Die USA hatten im Vorjahr angekündigt, Südafrika bis 2011 für Medikamente 120 Millionen Dollar (79,6 Mio. Euro) für Aids-Programme zur Verfügung zu stellen. Längerfristig müsse das Land aber unabhängiger vom internationalen Geldstrom werden, forderte der Minister am Dienstag in Wien. "Wir müssen eigenständiger und effizienter werden". Diesbezüglich müsse auch das Problem "Korruption" in den Griff bekommen werden. (APA)