Therapie

Ziele für neue Anti-HIV-Strategien

20. Juli 2010, 11:24

Aids-Virus ist ganz am Beginn extrem verwundbar - Behandlung sollte sofort starten

Wien - Das Aids-Virus ist ganz am Beginn einer HIV-Infektion extrem verwundbar. Gerade dort könnten zukünftige Strategien ansetzen. Eine Behandlung wäre ebenfalls möglichst früh zu starten, um das stille "Reservoir" an Viren, das derzeit von keiner Aids-Therapie beseitigt werden kann, möglichst klein zu halten. Dies erklärte heute vormittag US-Spitzenforscher Anthony Fauci in einem Plenarvortrag bei Internationalen Aids Konferenz (AIDS 2010) in Wien mit rund 25.000 erwarteten Teilnehmern.

Fauci, seit 1984 Chef des nationalen US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten: "HIV ist extrem ineffizient bei der Infektion von Menschen über sexuelle Kontakte. Das wissen wir aus Studien in Uganda. Dort beträgt die Infektionsrate von einem HIV-positiven Partner auf dessen Frau bei einer Ansteckung pro 1.000 bis 2.000 Mal Geschlechtsverkehr."

Die Gründe: Das Virus muss an die Schleimhaut andocken und diese Barriere überwinden. Fauci: "Allerdings, Verletzungen der Schleimhaut, zum Beispiel Geschwüre (durch andere sexuell übertragbare Erkrankungen, Anm.) erleichtern das."

Doch selbst dann ist das eingedrungene Virus noch kaum überlebensfähig. Der "US-Aids-Papst": "HIV muss von dendritischen Zellen (Immunzellen der Haut, Anm.) zu den CD4-positiven Helferzellen des Immunsystems gebracht werden. Diese wiederum müssen aktiviert sein. Findet das Virus keine aktivierten CD4-Zellen, tritt keine Infektion ein."

Genetischer Flaschenhals

Ob eine HIV-Infektion dann wirklich stattfindet, hängt auch noch von anderen Faktoren ab. Fauci: "Wir gehen davon aus, dass jede Ansteckung mit dem Aids-Virus auf der Infektion durch ein bestimmtes Virus erfolgt. Das ist das 'Gründer'-Virus einer Infektion. Dieser Mechanismus ist ein genetischer Flaschenhals. Dann entwickelt sich das Virus im Körper genetisch weiter."

Das Faszinierende daran, so der Experte: Das "Gründer"-Virus einer HIV-Infektion besitzt an seiner Oberfläche Eigenschaften, welche es vergleichsweise leicht durch die Schleimhaut eindringen lässt. Diese Eigenschaft geht den HI-Viren im Verlaufe der chronischen Infektion zunehmend verloren. Den US-Wissenschaftern gelang es sogar vergleichsweise weniger infektiöse Aids-Erreger durch Beseitigung der hinderlichen Merkmale an ihrer Oberfläche wieder zu ansteckenderen zu machen. Fauci: "Das könnte auch die Basis für wirksame Impfstoffe in der Zukunft sein."

Eine weitere Erkenntnis der neuesten Forschungen, so der US-Experte: "Reservoirs an HI-Viren entstehen im Rahmen einer Infektion schon sehr früh. Wir sollten also danach trachten, möglichst früh zu behandeln, weil wir damit diese Virus-Reservoirs möglichst klein halten können."

Die Konsequenzen

Alle Möglichkeiten sollten genutzt werden, das HI-Virus am Eindringen in den Körper zu hindern und eine chronische Infektion zu blockieren. Das könnten Mikrobiozide (Vaginal-Gels) sein, eine Behandlung von sexuell übertragbaren Erkrankungen (Ulcera), prophylaktische Behandlung nach Risikokontakten, Impfungen etc. Fauci: "Wir haben ein 'Fenster' an Verletzbarkeit des Virus, das wir für Interventionen nützen können."(APA)

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12 Postings
Dein schönster Traum
00
22.7.2010, 17:24
Hab gerne auch...

...meinen Beitrag geleistet und mich aus Anlaß der Konferenz auch wieder mal testen lassen.

Gestern Resultat bekommen: natürlich negativ.

Ich wünschte, es würden mehr Menschen zu den Tests gehen - dann würde vielleicht die Ausbreitung gestoppt?

Wer es weiß, der wird niemanden mehr fahrlässig gefährden UND zusätzlich noch, dank HAART, etwas weniger (wieviel ist halt strittig, aber ein bisserle solls angeblich helfen nach 6 Monaten) infektiös sein.

Darüberhinaus kann man dann ja, wenn eine Infektion vorliegt, sofort mit der Behandlung beginnen.

Wichtig wäre wohl, daß die Ausgrenzung HIV - positiver Menschen aufhört, dann wäre die Furcht vor den Tests nicht so hoch. Und vielleicht auch Schnelltestaktionen anbieten, alle paar Monate?

noexist
 
01
20.7.2010, 15:06
Der US-Vogelgrippe-Papst

Die Aussagen des Hr. Fauci sind zumindest mit Vorsicht zu genießen. Er war ja auch die treibende Kraft hinter der Forderung möglichst alle Menschen gegen Vogelgrippe zu impfen.

Sibylle Rosenstrauch
00
20.7.2010, 11:50

Diese Passage vertehe ich nicht: Eine weitere Erkenntnis der neuesten Forschungen, so der US-Experte: "Reservoirs an HI-Viren entstehen im Rahmen einer Infektion schon sehr früh. Wir sollten also danach trachten, möglichst früh zu behandeln, weil wir damit diese Virus-Reservoirs möglichst klein halten können."
Was ist damit gemeint?

Odo O`Connor
00
20.7.2010, 13:09

Der Virus kann in verschiedenen Geweben "untertauchen", da er dort nicht von der Therapie erfasst wird, viele der Medikamente werden etwa nicht ins Gehirn transportiert, auch im Magen-Darmtrakt kann er weiter existieren, weil sich das Virengenom in das menschliche einbaut. Deshalb schafft es die Therapie nur, die Virenlast im Blut (also wieviele Viren ich im Blut, aber auch anderen infektiösen Flüssigkeiten wie Sperma und Vaginalsekret habe) auf praktisch null zu senken. Stoppe ich allerdings die Therapie, kann der Virus auf Grund der Reservoirs sehr rasch wieder in hoher Konzentration im Blut sein.

Sibylle Rosenstrauch
00
21.7.2010, 11:35

Danke

4simo
00
20.7.2010, 13:07
soweit ich es verstanden habe

entsteht eine quote an (im moment) inaktiv seienden viren (reservoir) das dann aber jederzeit wieder aktiv werden kann. je geringer die anzahl der viren, desto leichter kann dann ein ausbruch verhindert werden.

Sibylle Rosenstrauch
11
20.7.2010, 11:42
Für mich fällt das eher unter 'Verbrechen im Dienst der Wissenschaft':

Dieses Vaginalgel wurde gerade getestet und dabei - im Zuge einer Doppelblindstudie an 3800 Frauen aus Malawi - die Ansteckung zahlreicher ProbandInnen bewußt in Kauf genommen. "Die Wirksamkeit des Gels muss nun allerdings noch in einer weiteren Testreihe mit mehr Probanden betätigt werden." (http://orf.at/stories/2... /2004491/) Schlage vor, dass diesmal MitarbeiterInnen der Pharmafirma - http://www.gilead.com/ - dafür bezahlt werden, das Risiko bewußt in Kauf zu nehmen. Die machen das sicher auch gerne für "ein bis vier Dollar pro Monat"!?!?

Odo O`Connor
00
20.7.2010, 13:15

Solche Doppelblindstudien müssen gemacht werden, um zu sehen, ob das Zeug wirklich wirkt. Aber in allen Studien von denen ich weiss, werden alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen über die Safer Sex Praktiken aufgeklärt, d.h. dass in solchen Studien die Zahl der Neuinfektionen prinzipiell niedriger sind, als wenn diese Personen nicht an der Studie teilnehmen würden.
Ob Biozide allerdings ein geeignetes Präventionsmittel sind, darüber liesse sich lange und ausführlich streiten, haben sie doch bestenfalls einen epidemiologischen Einfluss, weil sie das Risiko zwar senken, aber nicht auf null reduzieren, wie etwa der richtige Gebrauch von Kondomen.

Sibylle Rosenstrauch
10
20.7.2010, 13:54
Es tut mir leid, aber ich kann das nur zynisch finden:

"Für den Leiter des Aids-Programms der Weltbank, David Wilson, zeigt diese Untersuchung das Potenzial, Mädchen mit Hilfe von Bargeldzahlungen „vor unsicherem Sex zu schützen und sie in der Schule zu halten“". Die Frauen, die das Placebo erhalten haben, werden in keiner Weise vor unsicherem Sex geschützt, und die das Gel erhalten, sind schlechter geschützt als mit Kondomen! Und den Betrag halte ich für lächerlich gering im Vergleich zum Profit, den sich die Firmen im Gegenzug erhoffen! Ob die Geschädigten nicht klagen könnten?

Andreas Prucha
00
24.7.2010, 21:33
Falsch

Zitat aus dem Paper:

"At enrolment and monthly follow-up visits, participants were provided with comprehensive HIV prevention services (HIV pre- and post-test counseling, HIV risk reduction counseling, condoms, and STI treatment), reproductive health
services, and assigned study gel."

Die Studienteilnehmerinnen waren also auf jeden Fall besser dran als Nicht-Teilnehmerinnen, weil sie Kondome und Verhütungs-Infos bekommen haben. Die eine Gruppe hat *zusatäzlich* noch das Gel bekommen (die Andere Placebo). Kondom-Verwendung lag lt. Eigenangbaben der Studien-Teilnehmerinnen bei 80 %.

Sibylle Rosenstrauch
00

Wieder falsch? Die zusätzlich das Placebo erhalten haben - das sie für wirksam hielten - haben vielleicht auf das Kondom verzichtet, weil sie sich sicher gefühlt haben? Wenn wirklich 80% Kondome verwendet haben, wie sie angeben, sind die Ansteckungsraten nicht zu erklären!

Godesberg
00
22.7.2010, 08:37

Wenn die nicht in der Studie gewesen wären, hätten die genauso gehandelt und sich genauso angesteckt.

Die haben ihre Lebensgewohnheiten ja nicht verändert.

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