Zeitbombe

Fettsucht bei Kindern

20. Juli 2010 12:57
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    Foto: sigrid roßmann/pixelio.de

    Falsche Ernährung und mangelnde Bewegung sind die wesentlichen Ursachen der Fettsucht-Epidemie

Übergewicht entwickelt sich zu einer regelrechten Epidemie - Sechs Prozent der Kinder und Jugendliche haben Normalgewicht

Regensburg - Die Zahlen sind schockierend: „Nur etwa sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen haben heute Normalgewicht", berichtet der deutsche Reportagedienst obx-medizindirekt über das Ergebnis einer Studie, die unter mehr als 20.000 Kindern und Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemacht wurde. 18 Prozent waren übergewichtig, 47 Prozent jedoch krankhaft übergewichtig. Sie leiden an Adipositas - Fettsucht. „Eine Zeitbombe", klagen Experten wie Ulrich Oltersdorf von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe. Folgeerkrankungen dieser Übergewichtslawine seien Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schäden an den überlasteten Gelenken und Verdauungsstörungen. Und diese Entwicklung betrifft schon lange auch die Erwachsenen.

Zwei Faktoren sind nachweislich die Ursachen der Fettsucht-Epidemie: Falsche Ernährungsweise und mangelnde Bewegung. „Wir essen zu viel Fett, zu viel Zucker und zu viel Fleisch". Das ist das Fazit des ersten Europäischen Ernährungs- und Gesundheitsberichtes, der die Ernährungsgewohnheiten in 14 europäischen Ländern untersuchte. Erfreulicherweise hat nach dieser Studie der Verzehr empfehlenswerter Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse, Fisch und gesunder Pflanzenöle zugenommen. Bedauerlicherweise aber auch der Verbrauch von Zucker, Bier, tierischen Fetten, Fleisch und Geflügel. Das heißt im Klartext: Wir essen immer mehr, und zwar von allem.

Heißhungerattacke

Werden viel Zucker und leicht verwertbare Kohlenhydrate aufgenommen, setzt die Bauchspeicheldrüse übermäßig große Mengen an Insulin frei. Das aber stoppt den Fettabbau im Körper und löst gleichzeitig Heißhunger aus. Wenn dann erneut etwas Süßes oder leicht verwertbare Kohlenhydrate gegessen werden, mündet das in einen Teufelskreis: Es entsteht wieder Hunger, das Übergewicht wächst unaufhaltsam, der Blutzuckerspiegel steigt. Allmählich entsteht eine Unempfindlichkeit der Körperzellen für Insulin, die Zuckerverwertung wird dadurch verschlechtert. In den Blutgefäßen bilden sich Ablagerungen, die zu Verengungen und als schlimmste Folge zur Thrombose bzw. zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Da Fett mit 9 Kalorien pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie liefert wie Kohlenhydrate und Eiweiß, muss der Fettverzehr auf ein vernünftiges Maß verringert werden. Vor allem die gesunden Fette (mehrfach ungesättigte Fettsäuren), die in Pflanzenölen wie Rapsöl, Leinöl oder Walnussöl und in Seefischen wie Hering, Lachs, Makrele und Thunfisch, in Leinsamen, Nüssen und Sojaprodukten enthalten sind, sollten auf den Speiseplan gesetzt, dafür die eher krank machenden tierischen Fette von rotem Fleisch und Geflügel gemieden werden.

Hüten sollte man sich vor allen gesättigten versteckten Fetten, die sich in süßem Gebäck wie Blätterteig, Waffeln, Schokolade, in Fleischsalat, Leberwurst, Wiener Würstchen, Bratwurst, Kartoffelchips, Torten und Kuchen, in Käse wie Camembert, Mascarpone oder Emmentaler, in Pommes frites und Toast Hawaii, in Käsespätzle, Pizzas, Salami, Leberkäse und Frühlingsrollen verbergen. Stattdessen sollten Sie viel pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, also Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst, die uns mit basischen Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium und Magnesium, aber auch mit den wichtigen Ballaststoffen versorgen. Nüsse führen uns wertvolle Fettsäuren und ebenso wie Sojaprodukte pflanzliches Eiweiß zu. Achten Sie darauf, wenn sie Fleisch essen, dass Sie magere Stücke auswählen. 

Veränderte Ernährungsweise zeigt Wirkung

In Polen gibt es seit 1990 ein Regierungsprogramm, das körperliche Bewegung und den Verzehr von Früchten und ungesättigten Fetten statt gesättigter tierischer Fette fördert. Seither hat sich die Zahl der Herzinfarkte um rund 40 Prozent verringert. In Finnland wurde vor 35 Jahren neben konsequenter körperlicher Bewegung die Verwendung eines Speisesalzes propagiert, das nur noch zu 50 Prozent aus Kochsalz (Natriumchlorid) besteht und deshalb nur halb so viel Natrium enthält. Dieses Programm verringerte mittlerweile die Zahl der Herzinfarkte um 75 und die der Schlaganfälle um mehr als 60 Prozent. (red)

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Posting 1 bis 25 von 54
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Silvio Lackner
23.07.2010 13:00
Wiener Würstchen?

Kenn i ned

mandamanda
29.07.2010 11:07
artikel aus germany ... und dort

sind die frankfurter die wiener würstchen :-)

Karl Krammer
21.07.2010 13:06
wo sind die dicken Kinder?

Auf der Straße, im Bus, vor den Schulen sehe ich sie nicht, ja nicht mal beim McDonalds sehe ich sie. Klar, den Klassendicken gibt es heute so wie 1980 und dann und wann sieht man mal so einen richtigen Brummer für den aus 2 Hosen eine genäht werden muß, aber das ist heute nicht häufiger als vor 30 Jahren. Der Blick ins Freibad mag verzerrt sein, weil die wahrscheinlich öfter daheim vorm Computer sitzen, aber in die Schule müssen alle und weder da noch dort sind die angeblich 50% krankhaft (!) Übergewichtigen. Unter "krankhaft" verstehe ich behandlungsbedürftig, also nicht bloß Pausbacken oder Schwimmreifen und das werden nicht mal 5% sein, eher 1-2%. Daß nicht alles kleine Laufstegmodels rumlaufen, sollte dagegen nicht sorgen.

eze eze
 
25.07.2010 13:03

Einerseits begegnen mir auf der Straße sehr wohl wesentlich dickere Kinder als früher (die "Dicken" in unserer Klasse gabs auch, aber viele der heutigen Dicken, vor allem in der Pubertät, sind noch wesentlich dicker als jene), andererseits wird auch ordentlich übertrieben - ich erhielt z.B. bei der Gesundenuntersuchung mit einem BMI von ziemlich genau 26 (kein Zehntel drüber) bei der Gesundenuntersuchung vom Arzt den Vermerk "adipös" - und das, obwohl ich mit dem Gewicht seit Jahren gut leb, und nicht weiter zunehm.

xEurocent
24.07.2010 11:33

Sie meinen also mit ihrer bloßen stichprobenartigen Beobachtung und subjektiven Einschätzung, wie es denn vor 30 Jahren war, besser zu wissen wieviele dicke Kinder es gibt, als das hunderte wissenschaftliche Studien mit zigtausenden teilnehmenden Kindern belegen?

unbiased
24.07.2010 02:47

bewegen sie sich mal aus ihrem auto raus

Petzi Petz
23.07.2010 19:15
Sie wissen aber schon, dass Kinder auch nicht mit Schwimmreifen geboren werden?

Wenn ein Kind schon richtige Schwimmreifen hat, hats eh schon ordentlich Übergewicht. Und wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht die dicken Kinder sehr wohl.

Susanne_B
23.07.2010 09:52

Machen Sie einfach die Augen auf. Oder gehen Sie ins Bad.

wwg
20.07.2010 23:22

Also da wird ganz brav der Zusammenhang zwischen Kohlenhydratzufuhr, Insulinausschuettung und Fetteinlagerung umrissen, und dann wird empfohlen weniger Fett und Protein zu essen weil das Energie liefert.

Gehts noch daemlicher?

Die Leute sind fett weil sie Kohlenhydrate in rauhen Mengen essen, nicht wegen Fleisch oder Fett. Das sollte sich schoen langsam mal rumsprechen.

sy
22.07.2010 09:08

So oder so, Übergewicht entsteht durch zu große Energieaufnahme bei zu wenige Energieverbrauch- wovon sie zuviel essen ist fürs Übergewicht selbst unwesentlich.

xv22
21.07.2010 12:10

Und weil sie Fett in rauhen Mengen essen ... Kohlenhydrate sollen auch den größten Bestandteil der Nahrung ausmachen

werwolfi
20.07.2010 21:49

McD und konsorten sowie den ganzen "light"- und fertigfutterschwachsinn verbieten - oder zumindest mit den volkswirtschaftlichen folgekosten belasten, und fertig.

gleichzeitig müssen gesunde lebensmittel und bio leistbarer werden (am besten gleich gefördert mit den strafen auf junkfood) - ein gutteil der bevölkerung isst nämlich nur deshalb den ganzen dreck, weil einigermaßen gesunde ernährung ein privileg für besserverdiener geworden ist.

Petzi Petz
22.07.2010 12:28

Stimmt doch gar nicht, Lebensmittel kann man in Österreich vergleichsweise günstig kaufen sofern man bereit ist, selbst zu kochen. Fertigfraß ist hochgerechnet nämlich recht teuer.

Wenn man sich aber anschaut, was die Leute einkaufen, erklärt sich die Figur üblicherweise von selbst. Viele Limonaden, Fertigpizza, Weißbrot und Wurst, dazu noch Süßigkeiten. Und das ist keineswegs billiges Essen. Geht man zum Diskonter und achtet darauf, woher die Lebensmittel sind, kauft man Saisongemüse, ists gut und günstig zugleich. Man muß sich nur daheim hinstellen und a bisserl kochen.

werwolfi
23.07.2010 01:03

aber solange es billigen fertigfraß gibt (und den gibts zuhauf - auch wenn der preis relativ(!) nicht mal so günstig sein mag) tut sich das niemand an, der sich abends vom seinem mcjob um den mindestlohn heimschleppt...

du siehst das nur aus deiner perspektive, du weißt wie man sich gut ernährt und du kocht gern und hast zeit dazu - ich seh es grundsätzlich auch so, aber die tatsachen sehen im täglichen leben für die breite masse eben anders aus - und liegen durchaus im interesse der industrie.

A. Sieberer
23.07.2010 09:04

Da geht es nicht um billig oder teuer, da geht es um eine Lebenseinstellung. Selber kochen heißt sich die Mühe machen und sich ein wenig mit der Materie auseinandersetzen. Kartoffeln, Topfenaufstrich und ein grüner Salat machen kaum mehr Mühe als Nudeln kochen und Fertigsauce drüber, ist billiger und gesünder.

Ganz abgesehen von den Unsinnprodukten wie Kartoffelpürree aus der Packung oder sowas......

werwolfi
23.07.2010 11:29

nichts anderes habe ich gesagt - die crux ist aber genau, dass leute mit schlechterem einkommen weniger über ernährung wissen und sich eben lieber möglichst billigen convenience food reinziehen, als selbst (auch unaufwendig) zu kochen.

muhgeneral
21.07.2010 12:12

Oder einfach wieder Städte ermöglichen in denen Kindern zu Fuß od. mit dem Rad in die Schule fahren und am Nachmittag auf der Straße spielen können.

Ich esse MCD, Würstlstand, Fertigzeug, Haribo² und dank der vielen Bewegung hab ich 70kg bei 185cm.
Sovielkönnt ich gar nicht fressen wie ich durch Bewegung abbaue.

werwolfi
23.07.2010 01:04

es ist nicht ausschließlich eine gewichtsfrage - wenn du dich tatsächlich (außer sehr gelegentlich) so ernährst wie beschrieben, wirst du früher oder später trotzdeem folgewirkungen bemerken, auch wenn du nicht übergewwichtig bist.

wellenschreiber
20.07.2010 20:10
warum heißt das Fettsucht?

Süchtig ist man ja nach Kohlehydraten! Kohlenhydrate bewirken Insulinausschüttung. Das Insulin räumt den Blutzucker ab, bis man wieder leicht in den Unterzucker kommt. Daraus folgt der nächste Heißhunger. Insulin bewirkt die Einlagerung von Fett mit Hilfe der unverbrauchten Kohlenhydrate.

sy
22.07.2010 09:09

Adipositas ist definiert als übermäßige und ungesunde Vermehrung des Fettgewebes, wohl eher daher.

Sven Dirks
20.07.2010 17:32
Selbst kochen ist das A & O

Ich kann das nur bestätigen. Ich koche seit Jahr und Tag für die Familie. Keines der (inzwioschen längst erwachsenen) Kinder hat Übergewicht, Allergien oder bewegt sich zu wenig.

Wenn man es ein bissl gescheit anstellt, geht auch nicht allzu viel Zeit dabei drauf und schmecken tut es allemal besser als xy-Fix für irgendwas, das eh nur nach Salz und Glutamat schmeckt.

Frische Kräuter kann man am Fensterbankl oder am Balkon ziehen, alles andere gibt es heutzutage das ganze Jahr in bester Qualität in guten Supermärkten.

Das ganze Fertigfutter kann meinetwegen in den Regalen vergammeln, ich werde es nicht anrühren :-)

cara mia
21.07.2010 09:06

Könnten Sie bitte den Zusammenhang mit Allergien erklären? Wurde immer bekocht und koche, seit ich selbst für meine Ernährung zuständig bin, fast täglich. Trotzdem hab ich Allergien. Wie das? Ach ja - war oft auf dem großelterlichen Bauernhof und Schmutz wurde mir als Kind nicht verboten....

Sven Dirks
21.07.2010 17:48
Statistiken sind keine Absolutaussagen

Hi,

natürlich gibt es auch Bio-Bauernkinder mit Allergien und sagrotanisierte, vollsterile Stadtkinder ohne.

Nur ist die Wahrscheinlichkeit für Allergien deutlich geringer wenn die Kinder gesund bekocht werden, das Heim nicht von morgens bis abends desinfiziert wird und sie im Dreck wühlen dürfen.....

LG

Sven

cara mia
22.07.2010 12:53

Ich denke, dass der Zusammenhang zwischen Ernährung und Allergien noch kaum erforscht ist und traue mir deshalb nicht zu sagen: " Ich ernähre meine Kinder gesund, deshalb werden sie wahrscheinlich keine Allergie bekommen"

+DieMeinung+
20.07.2010 15:27
Wieso die Mama und die jungen Mütter

Was ist mit den Papas ?
Brauchen die gar nix tun ? Außer selbst immer blader wrden ?

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