Holocaust-Leugner Gerd Honsik (68), wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung bereits verurteilt, ist ein weiteres Mal angeklagt
Wien - Bei den meisten Zuhörern im Saal ist schnell klar, wes Geistes
Kind sie sind. "Der Richter ist derselbe. Der Satan in Person. So eine
Sau", wird in der zweiten Reihe gemurmelt. Der Vorsitzende Andreas Böhm
hatte bereits 2009 einen Prozess gegen Gerd Honsik geleitet. Die
langjährige Tätigkeit des Angeklagten beschreibt Staatsanwalt Stefan
Apostol: Honsik sei "Goebbels' letzter Mann" .
Angeklagt sind
diesmal nicht mehr die Veröffentlichungen in Honsiks Hetzschrift Halt!,
wegen derer er bereits wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu
vier Jahren Haft verurteilt wurde. Diesmal geht es um zwei Bücher, die
Honsik während seiner Flucht vor der Justiz in Spanien veröffentlichte:
eine Hetzschrift gegen Simon Wiesenthal. Und ein Buch, in dem er Thesen
einer jüdischenWeltverschwörung vertritt.
Doch es dauert gute zwei
Stunden, bevor der Angeklagte befragt werden kann - da sein Verteidiger
Herbert Schaller sein Eingangsplädoyer in "eine Gegendarstellung"
umfunktioniert. Schaller parliert über das Verbotsgesetz, darüber, dass
in den Paragrafen 3g und 3h das Wort "Gaskammern" nicht vorkomme,
sondern "nationalsozialistischer Völkermord" drinstehe - und "erst als
Engländer und Franzosen Gaskammern geleugnet haben, gab es
Strafbarkeitsversuche" .
Richter Böhm fordert den Verteidiger
immer wieder auf, endlich zu den angeklagten Sachverhalten zu kommen.
Und als Schaller wieder davon spricht, dass man in Belgien diskutiert
habe, dass die Gaskammer-Frage heikel sei, weil man dafür Sachbeweise
bräuchte, fragt Böhm Schaller direkt: "Bezweifeln Sie die Gaskammern? Ja
oder nein?" Da fährt Schallers zweiter Verteidiger Herbert Orlich
dazwischen: "Wollen Sie ihn zum Rechtsbruch verleiten? Wenn er Ja sagt,
begeht er eine strafbare Handlung."
Der Richtersenat beendet
schließlich Schallers "Gegendarstellung" - und da der zweite
Verteidiger immer wieder die Befragung des Angeklagten durch den
Vorsitzenden unterbricht, entzieht der Senat Orlich das Wort - für den
Rest der Verhandlung.
Dann Gerd Honsik, der in den Büchern die
Worte "Gaskammern" und "Holocaust" stets mit Anführungszeichen
geschrieben hatte: "Es hat im großdeutschen Reich keine einzige
Gaskammer oder Gaswagen gegeben. Nur im Osten. Die in Mauthausen wurde
nachträglich eingebaut, um Österreich zu belasten." Und Honsik, der vom
"Heldenkampf des deutschen Volkes" in den Jahren 1914 bis 1945
schrieb: "Es wurden von der SS keine individuellen Verbrechen begangen.
Nur Verbrechen auf Befehl." Und: "Die oberste Führung" habe in den KZs
"auf ärztliche und ordentliche Behandlung der Häftlinge bestanden,
nicht auf ihrer Vernichtung."
Der Prozess wird im September fortgesetzt. (Roman David-Freihsl,
DER STANDARD, Printausgabe, 21.7.2010)