Kopf des Tages

Ein Playboy, der wollte, dass der Humor siegt

19. Juli 2010, 18:42

Ali Zafar, Pakistans "Prince of Pop", wurde zum Opfer der Zensur

Er zeigt sich gerne mit möglichst vielen Mädels, denen er zwischendurch schnell mal das Herz bricht. Manche der Kumpaninnen, die in seinen Videoclips auftauchen, machen sich aber auch über ihn lustig. Ali Zafar tut so, als sei er ein fürchterlicher Playboy, aber einer mit Humor - mit pakistanischem.

Der Musiker aus Lahore besingt gerne, dass ihm das Schicksal übel mitspielt. Zafar bleibt dabei aber ein Popmusiker, die Volksmusik ist im Hintergrund. Er ist auch keiner der verschmachtenden Bollywood-Stars, die sülzen, statt zu leben. Zafar hat Selbstironie und ist offensichtlich nicht verklemmt. Nach den kulturellen Codes, die er verwendet, könnte er auch in den USA leben. Zafar ist eine Erscheinung der Globalisierung. Und das ist auch sein Thema.

In dem Film Tere Bin Laden ("Ohne dich, Laden") spielt er einen westlich orientierten Journalisten, der nur eines möchte: nach Amerika. Weil er kein Visum bekommt, macht er mit einem Double Osama Bin Ladens ein Video, das er als echte Terrordrohung an den Mann bringen möchte, um ein Ticket in die USA zu bekommen. Die Comedy nimmt nicht nur die amerikanische Bin-Laden-Obsession aufs Korn, sie zeigt auch die Unerreichbarkeit des Westens aus der Perspektive einer Jugend, die aber mit den Idealen des Westens stark verbunden ist.

Dass der pakistanische Star Zafar in Indien nun viel Geld einspielt, der Film aber in Pakistan verboten wurde, passt eigentlich zu diesem Thema. Nur im echten Leben wird leider der Humor besiegt. Die pakistanische Zensur befürchtete Anschläge, weil Bin Laden in dem Film als "feig und lächerlich" dargestellt werde. Zafar, der mithilfe der Popkultur dem Terror-Klischee entschlüpfen wollte, sagte in einem Interview, dass sogar Bin Laden den Film genießen würde, wenn er ihn mit "Mitgefühl" anschauen würde.

Es ist der erste Film des 30-jährigen pakistanischen "Prince of Pop" , der auch malt und modelt. Zafar wurde als Sohn eines Kunstprofessors und einer Bibliothekarin geboren und studierte selbst Kunst. Er verdiente Geld, indem er in Hotels Porträts von Gästen anfertigte. Mit seinem Hit Channo, der in der ersten Woche fünf Millionen Mal verkauft wurde, wurde er 2003 über Nacht zum Star. Sein Album Huqa Pani wurde mehrfach ausgezeichnet. Zafar heiratete vor einem Jahr seine Freundin Ayesha Fazli. Im März kam ihr gemeinsamer Sohn Azaan Zafar zur Welt. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2010)

Olivio Tasso
00
20.7.2010, 12:42
Solange

Zafar nicht ins Visier dieser Terrorbanden gerät, sollte nix schiefgehen - trotzdem wär's gut für ihn - für eine Weile - aus Pakistan zu verschwinden

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