Kriegsherren und Zahlmeister schwören einander auf ihr Engagement für eine Sache ein, die viele schon für verloren halten - von Gudrun Harrer
In Kabul ist immerhin etwas möglich, was in Bagdad während der schlimmeren Zeiten nie und nimmer gegangen wäre: dort eine internationale Konferenz abzuhalten. Aber die Begeisterung der Einwohner der afghanischen Hauptstadt darüber hält sich, euphemistisch gesagt, in Grenzen. Denn die Kabul-Konferenz, zu der heute hochrangige Delegationen aus 70 Ländern erwartet werden, ist für sie nicht nur mit den üblichen Belästigungen verbunden, sondern mit einem enormen Sicherheitsrisiko. Die Anschläge der Taliban erwischen in der Regel nicht die drinnen, sondern jene, die draußen vor der Türe stehen.
Das war bei der sogenannten Friedens-Jirga, die Kabul im Juni gesehen hat, nicht anders. Die Versammlung verschiedener afghanischer Interessenvertreter - nicht alle wichtigen waren dabei - war eine Inszenierung des guten Willens von Präsident Hamid Karsai, ohne konkrete Ergebnisse, wobei manche Beobachter sogar befürchten, dass neue Gräben aufgerissen wurden. So schlimm wird es heute nicht werden, aber auch die Kabul-Konferenz ist vor allem eine Show: Hier schwören Kriegsherren und Zahlmeister einander auf ihr Engagement für eine Sache ein, die viele schon für verloren halten.
Neben den - alten - Zusagen werden die Ankündigungen nicht fehlen, dass in Kürze die Afghanen die Verantwortung selbst in die Hand nehmen müssen. Und keiner weiß genau, was das heißt und was dann passiert. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2010)