Uno warnt

Mittelamerika im Visier der Drogenkartelle

19. Juli 2010, 17:16

Polizeierfolge in Kolumbien und Mexiko lassen Mafia in andere Länder ziehen

Wenn sich die Präsidenten Mittelamerikas am Dienstag in San Salvador versammeln, steht ein Thema ganz oben auf der Tagesordnung: die Bekämpfung des Drogenhandels. Zwar richtet sich die Aufmerksamkeit eher auf Mexiko und Kolumbien, doch um Zentralamerika steht es nach Auffassung der Uno schlimmer: "Mittelamerika hat weniger Kapazität bei der Kriminalitätsbekämpfung", erklärte der Vertreter des UN-Büros gegen Drogen (UNODC), Antonio Luigi Mazzitelli. "Es ist in aller Interesse, dass es keinen Staat gibt, in dem Kartelle freie Hand haben."

Klare Worte fand auch Costa Ricas Außenminister René Castro: "Der Erfolg von Mexiko und Kolumbien bei der Bekämpfung der Kartelle hat dazu geführt, dass sie ihr Geschäft nach Mittelamerika verlagern." Die Kartelle seien "eine latente Bedrohung für unsere Sicherheit"

Daher wollen die Länder einen gemeinsamen Aktionsplan erarbeiten, um Kartelle zu bekämpfen, die ihr Territorium "verlegen" . Prioritär soll dabei eine bessere Zusammenarbeit der Geheimdienste und Fortbildung der Polizeikräfte sein. Mexiko und Kolumbien wollen Schützenhilfe leisten.

Auch die USA unterstützen die mittelamerikanischen Länder finanziell und militärisch: Washington beunruhigt das Destabilisierungspotenzial des Drogenhandels in den kleinen Ländern Mittelamerikas und der Karibik.

So kam es jüngst in Jamaika zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, als die Regierung einen Drogenboss festnehmen ließ und an die USA auslieferte. In Guatemala ist nach Aussagen des zurückgetretenen UN-Chefermittlers Carlos Castresana die Justiz bis in höchste Sphären vom organisierten Verbrechen infiltriert. Exekutive und Legislative unternähmen wenig gegen Kriminelle. In Honduras starten und landen täglich Kleinflugzeuge mit Kokain. In Nicaragua wurden jüngst Drogenlabors ausgehoben.

Und der salvadorianische Sicherheitsexperte Joaquín Villalobos fasst das Risikopotenzial wie folgt zusammen: schwache Staaten, ein hohes Gewalt- und Armutsniveau, Mobilität durch Migration, kleine Volkswirtschaften mit wenig Widerstandskraft gegenüber den Drogenmillionen - und der Tourismus mit dem damit verbundenen Drogenkonsum. (Sandra Weiss aus Puebla /DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2010)

Kommentar posten
14 Postings
vagabundodelmundo
01
29.7.2010, 13:06
Legalize it.....

einziger weg wird früher oder später sowieso die legalisierung bzw. kontrollierte abgabe aller substanzen sein.
dafür sprechen sich mittlerweile wie schon unten gesagt große kreise der im gescheiterten "war on drugs" tätigen personen aus. Dies wird zwar anfangs zu vielleicht chaotischen zuständen führen, auf lange sicht gesehen, wird es aber sicher eine verbesserung bringen. Kalifornien wird diesen November mit der Legalisierung von Marijuana hoffentlich die Vorreiterrolle auf diesem Gebiet übernehmen...
Wer ein sehr interessanten buch zu diesem thema lesen möchte, kann ich nur "The Candy Machine - How Cocaine Took Over The World von Tom Feiling" empfehlen, wirklich sehr lesenswert!!!!!

edson arantes do nascimento
01
21.7.2010, 19:56
nukularteilchen
00
20.7.2010, 12:14

Drogen sind doch politisch gewollt damit die depperten nicht aufbegehrten gegen ein ungerechtes System.
Hierzulande Zigaretten und Alkohol (in Verbindung mit dem Hirnzellen tötendem Musikantenstadl), dort Kokain...

42left
02
20.7.2010, 11:26
ah ha

Die UNO warnt vor einem zustand, den die selber verursacht haben mit ihrer Single Convention on Narcotic Drugs!

Ist ja wie wenn BP vor Öl im Golf von Mexiko warnen würde

http://de.wikipedia.org/wiki/Prohibition

Dr. Schland
01
20.7.2010, 10:13

Jetzt mal weitgehend ohne Polemik: Eine kontrollierte Legalisierung auch harter Drogen wird von vielen Experten schon lange gefordert - und ist auch sinnvoll. Dafür ist die Gesellschaft aber wohl nicht reif genug. Stattdessen wird die Problematik wie immer unter die sichtbare Grenze gedrückt und alle tun es den drei kleinen Äffchen nach.

Raptor Jesus
01
20.7.2010, 00:45
Was wär den die alternative damit die Kartelle nicht wegziehen?

Sie nicht zu bekämpfen?

Mike Müller
 
00
Den Abnehmern wie den Arbeitern der Drogenkartelle

die Lebensbedingungen und Perspektiven zu geben. Den Umgang in den Abnehmerländern so zu regeln das die Nachfrage und die Profite sinken. Dazu müssten sie aber erst mal akzeptieren das die Abnehmer und nicht die Produzenten das Problem sind. Dann müsste man realismus walten lassen. Das Volk bzw. Teile daraus wollen das zeug scheinbar na warum sollen sie es dann nicht haben? Die Kosten für die Schäden sollen sie aber auch tragen. Im Vergleich heute verpestet rauchen die Umwelt ein Kokser nicht wenigstens nicht direkt. Ein Hanf raucher verpestet die Umwelt wie ein Raucher zahlt er aber keine zus. Steuern. Das ist irgentwie verdreht oder? Ein Kokser belastet irgentwan das gesundheitssystem zahlt aber auch keine zus. Steuern.

Dirty Sanchez
 
00
21.7.2010, 10:51
Einführung der Gruppenbesteuerung.

Michail Bakunin
01
20.7.2010, 10:44

Den Dreck legalisieren und ihnen so die enormen Profite abzugraben? Was hat der "war on drugs" denn außer zehntausenden Toten, schwerbewaffneten Drogenkartellen als gesellschaftlichem Machtfaktor und Milliarden für die Kartelle gebracht? Ein Rückgang der KonsumentInnen? Mehr Sicherheit auf Amerikas Straßen?

In der Organisation LEAP haben sich amerikanische DrogenfahnderInnen, Pollizeichefs, RichterInnen etc. zusammengeschlossen, die jahrzehntelang im "war on drugs" aktiv waren und diese Politik inzwischen für völlig gescheitert halten. Hier finden sich viele interessante Stellungnahmen zum Thema.

http://www.leap.cc

FranzKpunkt
02
19.7.2010, 23:09

Den ganzen scheiss legalisieren und das hört von heute auf morgen auf. Aber man hat lieber tausende Tote in anderen Ländern und stigmatisierte Bürger im eigenen Land, als mhm was verliert man nochmal schnell? Steuereinahmen, ach nein die fliesen erst dann. Heroinsüchtige die arbeiten gehen können. Mhm wer will schon Junkies wieder in die Gesellschaft holen? Ja ich sehe die Nachtteile!

Dirty Sanchez
 
00
21.7.2010, 10:54
Sie wissen aber schon,

daß es Jahrtausende gedauert hat, bis der Mensch den Alkohol halbwegs (!) im Griff hatte, oder? Und ebensolange wird es bei einer eventuellen kompletten Freigabe von harten Drogen dauern. Bis dahin haben Sie tausende Tote und zehntausende Schwerkranke jährlich (alleine in Ö).

d3m3t3r
 
00
20.7.2010, 10:25

von was für Nachtteilen reden sie *g*

Geronimo 02
00
20.7.2010, 10:19
hallo

das wichtigste haben sie aber "übersehen".
;-(
oder?
"....die Justiz (und auch politik, gell) bis in höchste Sphären vom organisierten Verbrechen infiltriert. Exekutive und Legislative unternähmen wenig gegen Kriminelle..."
das ist das eigentliche problem.

Lemonshark
 
00
20.7.2010, 10:11
Drogenkrieg?

Mit dem ganzen Krieg gegen die Drogenmafia macht man alles nur noch schlimmer!

Auch im Amerika der dreissiger Jahre hat die Prohibition, die Mafia so richtig groß gemacht!

Auserdem wird eine von Drogenkartellen durchsetzte UNO, einer Drogenlegalisierung niemals zustimmen, man vernichtet doch nicht sein Geschäft.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.