MP3-Erfinder feiern 25. Geburtstag

19. Juli 2010 15:58

Jubiläum für Erlanger Fraunhofer-Institute

Sie haben mit der Entwicklung der mp3-Software das Musikhören revolutioniert, Handys sowie Computer leichter und leistungsfähiger gemacht, und jetzt tüfteln sie am Autoantrieb der Zukunft: Die Forscher der Erlanger Fraunhofer-Institute prägen die Technik von heute entscheidend mit. Am (morgigen) Dienstag feiern die Institute für Integrierte Schaltungen (IIS) sowie für Integrierte Systeme und Bauelementtechnologie (IISB) ihr 25-jähriges Bestehen. "Es war ein sehr mühsamer Entwicklungsprozess", sagt Professor Heinz Gerhäuser über das mp3-Format. Seit Mitte der 1980er Jahre tüftelten bis zu 50 Wissenschaftler des Instituts an der neuen Software, kämpften sich durch lange Durststrecken und standen immer wieder kurz davor, alles hinzuschmeißen. "Doch dann hat immer wieder einer gesagt: Jetzt erst recht, das ist so gut, das muss ein Erfolg werden", sagt der Institutsleiter und freut sich noch heute über den schwer errungenen Sieg, der 1992 die Musikindustrie revolutionierte.

MP3, Chips und Magnetfelder

Obwohl das mit über 750 Mitarbeitern bei weitem größte Fraunhofer-Institut bis heute vor allem für seine mp3-Software bekannt ist, haben seine Wissenschaftler in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten noch ganz andere technische Neuheiten entwickelt, die unser tägliches Leben prägen. Dazu gehören Chips, die Magnetfelder messen und beispielsweise in modernen Waschmaschinen dafür sorgen, dass die Maschine beim Schleudern nicht durch das Zimmer hüpft. Mehr als zwei Millionen solcher Chips seien inzwischen weltweit im Einsatz, sagt Gerhäuser. So manchem Elektrogerät, wie zum Beispiel dem iPod, würde ein Aufkleber mit der Aufschrift "Fraunhofer Inside" daher gut zu Gesichte stehen, spaßt er.

"Wie Sechser im Lotto"

Auch im Nachbarinstitut IISB sind die Ingenieure nicht untätig gewesen, wenngleich sie dort keine so populäre Neuheit wie mp3 vorweisen können. "mp3 ist so was wie ein Sechser im Lotto", sagt IISB-Leiter Professor Lothar Frey lachend. Die Entwicklungen seines Institutes seien für Verbraucher indes weniger nachvollziehbar, weil sie direkt in die Produktion eingingen. Frey, der das IISB seit September 2008 führt, nennt hier etwa die Nanotechnologie, also die Entwicklung immer kleinerer Chips, von deren hoher Leistungsfähigkeit und geringem Gewicht heutzutage jeder Handy- oder Computerbesitzer profitiert und deren Potenziale noch lange nicht erschöpft sind. "Wenn wir alle diese Netzteile von PCs und Laptops oder Handys nur zehn Prozent effizienter werden lassen, können wir ein Großkraftwerk in Europa einsparen", erklärt er.

Hybridautos

Vorstellbar sei auch, dass elektrische Geräte künftig völlig auf lästige Kabel oder Netzstecker verzichten können - auf "Technik von gestern", wie Frey sie nennt. Die Energie könnte über Sensoren übertragen, Steckdosen überflüssig werden. "Wir arbeiten daran, dass künftig auf diese Teile verzichtet werden kann", sagt der 52-Jährige. Als weiteren wichtigen Forschungszweig des IISB nennt Frey die Weiterentwicklung von Hybrid- und Elektroautos, wenngleich er hier für die nächsten 20 Jahre keine vollständige Abkehr von Verbrennungsmotoren sieht. "Es wird vielmehr eine buntere Fahrzeugflotte auf den Straßen zu sehen sein, ein Nebeneinander verschiedener Antriebsformen."

Thema alternde Gesellschaft

Auch am IIS tüfteln die Forscher daran, wie das Leben in der Zukunft noch angenehmer gestaltet werden kann. Ein wichtiger Punkt dabei seien Technologien für die alternde Gesellschaft, heißt es. "Wir fragen uns, was wir tun müssen, damit Menschen länger am Arbeitsplatz, länger mobil und möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben können", erklärt IIS-Leiter Gerhäuser. Seine Wissenschaftler arbeiten an Roboter-Systemen, die alten Menschen dabei helfen könnten, ihren Alltag selbstständig zu meistern. "Diese Technik darf die Menschen aber nicht ersetzen, sondern soll ihn unterstützen, ihm Freizügigkeit und Freiheit bieten". Als Beispiele nennt er Fenster und Türen, die sich via Sprachbefehl öffnen und schließen lassen oder Kühlschränke, die zu ihrem Besitzer kommen können. (apn)

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