Jubiläum für Erlanger Fraunhofer-Institute
Sie haben mit der Entwicklung der mp3-Software
das Musikhören revolutioniert, Handys sowie Computer
leichter und
leistungsfähiger gemacht, und jetzt tüfteln sie am Autoantrieb der
Zukunft: Die Forscher der Erlanger Fraunhofer-Institute prägen die
Technik von heute entscheidend mit. Am (morgigen) Dienstag feiern die
Institute für Integrierte Schaltungen (IIS) sowie für Integrierte
Systeme und Bauelementtechnologie (IISB) ihr 25-jähriges Bestehen. "Es war ein sehr mühsamer Entwicklungsprozess", sagt Professor
Heinz Gerhäuser über das mp3-Format. Seit Mitte der 1980er Jahre
tüftelten bis zu 50 Wissenschaftler des Instituts an der neuen
Software, kämpften sich durch lange Durststrecken und standen immer
wieder kurz davor, alles hinzuschmeißen. "Doch dann hat immer wieder
einer gesagt: Jetzt erst recht, das ist so gut, das muss ein Erfolg
werden", sagt der Institutsleiter und freut sich noch heute über den
schwer errungenen Sieg, der 1992 die Musikindustrie revolutionierte.
MP3, Chips und Magnetfelder
Obwohl das mit über 750 Mitarbeitern bei weitem größte
Fraunhofer-Institut bis heute vor allem für seine mp3-Software
bekannt ist, haben seine Wissenschaftler in den vergangenen
zweieinhalb Jahrzehnten noch ganz andere technische Neuheiten
entwickelt, die unser tägliches Leben prägen. Dazu gehören Chips, die
Magnetfelder messen und beispielsweise in modernen Waschmaschinen
dafür sorgen, dass die Maschine beim Schleudern nicht durch das
Zimmer hüpft. Mehr als zwei Millionen solcher Chips seien inzwischen weltweit
im
Einsatz, sagt Gerhäuser. So manchem Elektrogerät, wie zum Beispiel
dem iPod, würde ein Aufkleber mit der Aufschrift "Fraunhofer Inside"
daher gut zu Gesichte stehen, spaßt er.
"Wie Sechser im Lotto"
Auch im Nachbarinstitut IISB sind die Ingenieure nicht untätig
gewesen, wenngleich sie dort keine so populäre Neuheit wie mp3
vorweisen können. "mp3 ist so was wie ein Sechser im Lotto", sagt
IISB-Leiter Professor Lothar Frey lachend. Die Entwicklungen seines
Institutes seien für Verbraucher indes weniger nachvollziehbar, weil
sie direkt in die Produktion eingingen. Frey, der das IISB seit
September 2008 führt, nennt hier etwa die Nanotechnologie, also die
Entwicklung immer kleinerer Chips, von deren hoher Leistungsfähigkeit
und geringem Gewicht heutzutage jeder Handy- oder Computerbesitzer
profitiert und deren Potenziale noch lange nicht erschöpft sind.
"Wenn wir alle diese Netzteile von PCs und Laptops oder Handys nur
zehn Prozent effizienter werden lassen, können wir ein Großkraftwerk
in Europa einsparen", erklärt er.
Hybridautos
Vorstellbar sei auch, dass elektrische Geräte künftig völlig
auf
lästige Kabel oder Netzstecker verzichten können - auf "Technik von
gestern", wie Frey sie nennt. Die Energie könnte über Sensoren
übertragen, Steckdosen überflüssig werden. "Wir arbeiten daran, dass
künftig auf diese Teile verzichtet werden kann", sagt der 52-Jährige. Als weiteren wichtigen Forschungszweig des IISB nennt Frey die
Weiterentwicklung von Hybrid- und Elektroautos, wenngleich er hier
für die nächsten 20 Jahre keine vollständige Abkehr von
Verbrennungsmotoren sieht. "Es wird vielmehr eine buntere
Fahrzeugflotte auf den Straßen zu sehen sein, ein Nebeneinander
verschiedener Antriebsformen."
Thema alternde Gesellschaft
Auch am IIS tüfteln die Forscher daran, wie das Leben in der
Zukunft noch angenehmer gestaltet werden kann. Ein wichtiger Punkt
dabei seien Technologien für die alternde Gesellschaft, heißt es.
"Wir fragen uns, was wir tun müssen, damit Menschen länger am
Arbeitsplatz, länger mobil und möglichst lange in ihren eigenen vier
Wänden bleiben können", erklärt IIS-Leiter Gerhäuser. Seine
Wissenschaftler arbeiten an Roboter-Systemen, die alten Menschen
dabei helfen könnten, ihren Alltag selbstständig zu meistern. "Diese Technik darf die Menschen aber nicht ersetzen, sondern
soll
ihn unterstützen, ihm Freizügigkeit und Freiheit bieten". Als
Beispiele nennt er Fenster und Türen, die sich via Sprachbefehl
öffnen und schließen lassen oder Kühlschränke, die zu ihrem Besitzer
kommen können. (apn)