"I will survive"

Holocaust-Überlebender drehte Musikvideo in Auschwitz

19. Juli 2010 15:35

Tanzeinlage im ehemaligen Konzentrationslager - Empörung und Verständnis im Internet

Warschau - Mit einer Tanzeinlage im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz hat ein Holocaust-Überlebender im Internet für Furore gesorgt und eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst. In dem Musikvideo, das auf dem Videoportal YouTube mehr als 500.000 Mal angeklickt wurde, tanzt der 89-jährige Adolek Kohn gemeinsam mit Familienangehörigen zwischen Viehwaggons und Gaskammern zu dem Disco-Hit "I Will Survive" von Gloria Gaynor. Manche Zuschauer empfinden das Video als Beleidigung für die Opfer des Holocausts, andere betrachten es als eine Ode an das Überleben.

Besonders in Deutschland sind die Meinungen über die Tanzaufführung geteilt. Das Video sei geschmacklos, sagte Michael Wolffsohn, ein deutsch-jüdischer Historiker an der Universität der Bundeswehr München. Es sei eine peinliche Selbstvermarktung.

"Pizza in Auschwitz"

Hingegen erklärte Wolfgang Wippermann, ein Geschichtsprofessor an der Freien Universität Berlin, dass der humorvolle Umgang mit dem Holocaust es der jüdischen Bevölkerung ermögliche, ihre Vergangenheit zu verarbeiten. Daher sei es akzeptabel, wenn Israelis und andere Juden sich über den Holocaust lustig machten.

Nach diesem Prinzip handelte vermutlich der Holocaust-Überlebende Daniel Chanoch in der Dokumentation "Pizza in Auschwitz" aus dem Jahr 2008. Darin macht Chanoch es sich auf seinem ehemaligen Schlafplatz in dem Konzentrationslager gemütlich und isst eine Pizza.

Der humorvolle Umgang mit dem jüdischen Leid scheint auch die Absicht hinter dem Video von Adolek Kohn zu sein. Darin trägt der 89-Jährige passend zum Song ein T-Shirt mit der Aufschrift "Survivor" (Überlebender). In einigen Videoszenen schaut Kohn aus dem kleinen Fenster eines Viehwaggons, in dem früher Juden zum Ort ihres Todes gebracht wurden. In anderen Szenen hebt Kohn seine Arme und führt eine Polonaise bestehend aus seiner Tochter und seinen Enkelkindern an. Die Regie des Videos übernahm Kohns Tochter Jane Korman, eine Künstlerin aus Australien. (APA/apn)

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Gehirnamputierter Volldillo
23.07.2010 13:16
Ich finde das Video ungemein stimmig

und verstehe die Fröhlichkeit darin.

Nina Gold
20.07.2010 20:52
Schön

einfach nur schön, das setzt dem Hass, Fröhlichkeit und Lebensfreude entgegen.

Timagoras
 
20.07.2010 18:38

„Wenn wir mit Gentleman-Methoden den Terrorismus bekämpfen wollen, werden wir scheitern. […] Als eines der Mittel gegen Terroristen halte ich Folter oder die Androhung von Folter für legitim.“
Michael Wolffsohn

mehr braucht man über diesen herrn wohl nicht zu sagen.

herr Kohn hat jedes recht, sein überleben auf seine eigene wunderbare art zu feiern.

und herrn Wolffsohn kann ich nur mit herrn Kohns worten fragen: "what you talking about? what you talking about?"

Wunderbare Welt
 
20.07.2010 18:35
nachdem ichs mir angesehen hab....

alle achtung, finde ich toll das er diesen lebensmut hat, diesen humor, das die kids mitmachten.

auch die sache mit der pizza ist genialst. jahrzehnte nach dem terror isst er etwas völlig normales wie eine pizza an einem ort an dem er hätte sterben sollen.....vergleicht man die kalorienmenge von pizza mit dem durchschnittlichen lagerfraß so sagt er schlichtweg "fuck off"......und das ist köstlichst. bravo

Wunderbare Welt
 
20.07.2010 18:26
ich denk mir....

wenns jemand darf dann sinds überlebende. der jüdische humor ist sowieso ein ganz eigener der den lustigen umgang mit dem grauen durchaus zuläßt, so sehr wie wir uns verständlicherweise nie trauen würden und auch gar nicht die legitimation dafür hätten.

ta tü
20.07.2010 18:14

also wenn das der kohn ist, dessen bruder in buchenwald bei der befreiung dabei war und der seinen bruder später über das rote kreuz gefunden hat, den einzigen überlebenden in seiner familie... egal, wer es ist, es ist seine sache und das gute recht eines überlebenden, nach seiner art und weise vergangenheitsbewältigung zu machen. makaber wird sowieso alles an so einem ort sein, also sollen sich die aufgeregten gemüter wieder beruhigen.

dies und jenes
20.07.2010 17:18

Ich finds sehr schön, das Leben feiern, die Familie, das eigene Überleben.

Es hat etwas Berührendes.

Deus Ex Coquina
 
20.07.2010 16:38

Das sollte man Honsik und den anderen FPÖlern Tag und Nacht vorspielen!

Calimero22
20.07.2010 16:21

jeder, der das schlimm oder pietätlos findet (und das hab ich in einer ersten reaktion auch), soll sich einfach das video anschauen. ich find's keinesfalls geschmacklos und eigentlich toll, daß ein opfer am ort des verbrechens wieder tanzen und fröhlich sein kann.

von einem youtube-poster: "Kohn has a Victory? Dance with his Grand Children. I hope all Jews and the civilized world see this Video for what it truly is. The Celebration of Life."

wie kohn auch selbst meint, hätte ihm damals jemand gesagt, er würde über 60 jahre später das tun können, er hätte es als unsinn abgetan. allein die tatsache, daß das nun wirklich möglich ist, sollte alle zweifel beseitigen.

Sybil
20.07.2010 16:52
seh ich genauso

für mich ist das video nur das "ätsch! ich bin immer noch da!" eines Überlebenden. ich kann nichts verwerfliches daran finden, dass jemand sich die lebenslust erhalten hat und sich offensichtlich darüber freut, überlebt zu haben.

Marie Luxemburg
20.07.2010 16:37

ich bin auch Ihrer meinung. ich bin aber auch der ansicht, dass andere anderer meinung zu diesem video sein können. es ist letztlich schon eine gratwanderung

ta tü
20.07.2010 18:20

wenn das ein nichtbetroffener gemacht hätte, wäre es bedenklich, aber ein betroffener kann gar nicht geschmackvoll sein, wenn sie verstehen, was ich meine. wer das kz durchgemacht hat, dem ist überhaupt kein umgang mit seiner vergangenheit vorzuwerfen oder vorzuschreiben. nicht, was er tut oder unterlässt in so einem lagermuseum ist eine gradwanderung oder verwerflich, sondern wenn ein nichtopfer sich anmaßt, den opfern pietätsvorschriften zu machen.

Marie Luxemburg
21.07.2010 13:11

diskutieren ist nicht vorschriften machen, vorschriften machen Sie hier herinnen (sehr unpassenderweise)

Marie Luxemburg
21.07.2010 11:01

es ist nicht nur sein lager, zudem ist es eine sache dort zu tanzen, eine andere ein video darüber zu veröffentlichen. es dürfen zumindest andere überlebende etwas dagegen haben, meinen Sie nicht?

Marie Luxemburg
20.07.2010 16:03

ich finde es sehr berührend

His Dudeness, El Duderino
20.07.2010 15:57
Ich finde es ehrlich gestanden nicht gut. Für Herrn Kohn mag es Ausdruck von Trotz oder Freude oder Lebenswille sein, und dass sei ihm natürlich alles gegönnt

aber für viele andere Überlebende ist ein solcher Anblick oder die Vorstellung davon an dem Ort, an dem sie selbst Schreckliches erleiden mussten und vielleicht Angehörige und Freunde verloren haben unerträglich. Die Rücksichtnahme auf die Gefühle der Überlebenden, die eben diesen Ort nur als Gendenkstätte die mit pietätvoller Trauer zu behandeln ist, sehen wollen, ist mE vor allem anderen zu respektieren.

Herr Kohn ist selbst Überlebender und ich befürworte sehr, dass er auf jede ihm genehme oder für ihn richtien Weise mit seiner eigenen Geschichte und dem Überleben im KZ umgehen soll, dabei darf aber einfach nicht außer Acht gelassen werden, dass seine Aktion von vielen anderen Überlebenden als falsch oder gar beleidigend gesehen wird

ta tü
20.07.2010 18:22

sind sie auch ein KZ-überlebender? ich denke nein, denn kein opfer wird einem anderen opfer wegen sowas böse sein. die gegner sind andere, lassen sie sich das sagen.

His Dudeness, El Duderino
23.07.2010 10:21

Mein Vater, meine Großmutter, viele andere Familienmitglieder und Freunde sind KZ Überlebende. Und die haben das nicht gut aufgenommen

GreyPaladin
20.07.2010 16:27

1. Welcher andere Überlebende hat sich bisher negativ darüber geäussert?

2. Ist es nicht grausamer und menschenverachtender diese Überlebenden in der Angst vor diesen Ort allein zu lassen (Das ist zumindest was du vorschlägst: "alles soll so bleiben wie es ist, also auch in den köpfen der Überlebenden, sie sollen nicht loskommen von Schmerz und Trauer die dieser Ort in ihren Rrinnerungen auslöst")? Ich finde da den ansatz das ihnen jemand zeigt das dieser Ort jetzt eine Ruine ist, sie selbst aber noch da um einiges besser, aber und da kann ich dir zustimmen, jeder muss auf seine Art damit fertig werden.

Marie Luxemburg
20.07.2010 16:38

ad 1: laut zeitungsberichten hat es überlebendenkritik in israel und australien gegeben (ich glaube, die tochter lebt in australien), aber es hat auch dort zustimmung gegeben

ta tü
20.07.2010 18:24

na und? selbst wenn es kritik von opfern gegeben hat, lassen sie den alten mann doch mit seiner geschichte umgehen wie ER es für richtig hält.

Marie Luxemburg
21.07.2010 11:03

ich referiere lediglich die zeitungsberichte, Sie brauchen mich nicht anpflaumen. wenn Sie nur einem einzigen überlebenden empathie entgegenbringen, vergessen Sie übrigens die anderen

kktg9437
20.07.2010 15:55
Ergriffenheit

Ich bin praktizierender Jude, meine Eltern waren Holocaust-Ueberlebende. Der Grossteil meiner Familie wurde in den Jahren 43-45 umgebracht, die meisten in Auschwitz.
Selten habe ich so eine Mischung von Gefuehlen erlebt wie gerade eben als ich dieses Video sah. Ich freue mich fuer Herrn Kohn, denke und fuehle (zugegebenermaszen) 'ja, zeig's ihnen, wir sind noch immer da und tanzen', und gleichzeitig dreht es mir den Magen um wenn ich denke dass meine Groszeltern, Onkeln, Tanten, Cousins (stellvertretend fuer alle anderen) womoeglich in diesem Zug und in diesem Ofen ihr Ende fanden...
Ich bin, entgegen meiner Natur, tief ergriffen.
Das ist Kunst.

Marie Luxemburg
20.07.2010 16:13

und die ewige ambivalenz der befreiung und der überlebenden

(13-1)te fee
20.07.2010 15:17
Triumph des Lebens

dort, wo sein Leben, seine Existenz zu Ende gehen sollte (ausgelöscht) da tanzt er jetzt mit seinen Kindeskindern.

Keine Auslöschung sondern Kinder und Kindeskinder.

Er hat sich sein Leben und seine Zukunft nicht nehmen lassen und dies auch weitergegeben.

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