Gates mahnte, der Reduzierung von HIV-Neuinfektionen wieder größere Bedeutung beizumessen - mit Video
Wien - In seiner heutigen Ansprache bei der 18. Internationalen AIDS Konferenz appellierte Bill Gates an alle Länder, den Kampf gegen HIV/AIDS weiter aufrecht zu erhalten. Die Welt habe eine historische Möglichkeit "das Gesicht von AIDS zu verändern", so Gates. Die Behandlung HIV-infizierter Menschen rette Millionen von Leben. Gates mahnte jedoch dazu, der Reduzierung von HIV-Neuinfektionen wieder größere Bedeutung beizumessen. Bis 2031 - dem Jahr, in dem die AIDS-Epidemie 50 Jahre bestehen wird - sollten bis zu 90 Prozent der jährlichen Neuinfizierungen vermieden werden.
"Die vergangenen Jahre erzählen eine Geschichte von bemerkenswertem Fortschritt im Bereich AIDS", sagte Gates in Wien. Derzeit würden mehr als fünf Millionen Menschen mit antiretroviralen Therapien behandelt, ein 12-facher Anstieg in nur sechs Jahren. "Indem wir die Aufmerksamkeit auf HIV gerichtet haben, haben wir die Welt auch bezüglich anderer Gesundheitsprobleme armer Menschen wachgerüttelt - zum Beispiel Malaria und Tuberkulose, wo wir phänomenale Erfolge sehen."
Gleichzeitig betonte Gates, Co-Vorsitzender der Bill & Melinda Gates Foundation, dass der zukünftige Kampf gegen AIDS maßgeblich von der offensiven Prävention neuer HIV-Infektionen abhänge: "Wir können die Zahl der HIV-Neuinfektionen drastisch senken und damit beginnen, die Geschichte über das Ende von AIDS zu schreiben." Während die Zahl der HIV-Neuinfektionen bereits zurückgeht - nach Angaben von UNAIDS sank die Zahl der jährlichen Neuinfektionen von 2001 bis 2008 um 17 Prozent - ist die Geschwindigkeit des Rückgangs nicht hoch genug, um einen signifikanten Einfluss auf den Verlauf der Krankheit zu haben, so Gates. Auf zwei HIV-infizierte Menschen, die Zugang zu einer Behandlung erhalten, kommen fünf andere, die sich neu infizieren.
"Das meiste aus jedem AIDS-Dollar zu machen"
Gates erklärte in seiner heutigen Ansprache, dass die Bereitstellung von Geldmitteln entscheidend sei, um weitere Fortschritte im Kampf gegen AIDS zu erreichen. Die Welt brauche jedoch auch "eine neue Fokussierung auf die Effizienz der AIDS-Bekämpfung - in Bezug auf Prävention und Behandlung".
"Wir müssen ehrlich mit uns selbst sein: Wir können die AIDS-Ressourcen zukünftig nicht in der gleichen Art und Weise einsetzen wie wir es heute tun", betonte Gates. "Während wir uns weiterhin für mehr Hilfsmittel einsetzen, müssen wir den größtmöglichen Nutzen aus jedem einzelnen AIDS-Dollar - und jeder noch so kleinen Anstrengung - sicherstellen."
In seiner Ansprache skizzierte Bill Gates zentrale Chancen für die Verbesserung von AIDS- Investitionen, um kosteneffektiver zu werden und grössere Wirkung zu erzielen.
Ausweitung der kosteneffektivsten Präventionsmaßnahmen
Gates drängte auf eine rasche Ausweitung von HIV-Präventionsmaßnahmen, die "günstig, wirkungsvoll und einfach anzuwenden" sind. Er betonte, dass einige Präventionsmaßnahmen - etwa die Beschneidung bei Männern oder die Prävention der Mutter-Kind-Übertragung - "so effektiv sind, dass es in betroffenen Ländern teurer ist, diese nicht zu verfolgen". Obgleich im subsaharischen Afrika mehr als 41 Millionen Männer von der Beschneidung profitieren könnten, wurde diese in den vergangenen Jahren bisher nur bei etwa 150.000 Männern durchgeführt.
Bessere Nutzung von Daten
Gates betonte die Notwendigkeit, Präventionsmaßnahmen auf Grundlage von Daten gezielt dort einzusetzen, wo die Übertragungsraten am höchsten sind. Er forderte Länder, die die Präventionsbemühungen bei Risikogruppen - zum Beispiel Drogen injizierenden Personen - verringert haben, dazu auf, die Mittel in effektive Programme zurückzuführen: "Wenn man davor Angst hat, seine Präventionsbemühungen auf die Bevölkerungsgruppen mit dem höchstem Risiko zuzuschneiden, dann verschwendet man Geld und das kostet Menschenleben."
Verringerung der Behandlungskosten
Mit Bezug auf neue Forschungsergebnisse, die zeigen, dass die Behandlung von HIV-infizierten Menschen die Übertragung auf andere reduziert, betonte Gates, dass es zwingend erforderlich sei, die Therapiekosten zu senken, sodass mehr Menschen behandelt werden können. Während die Kosten von HIV-Medikamenten bereits niedrig seien, wären die Lieferkosten teilweise um ein Vielfaches teurer. "Wenn wir es schaffen, dass die Lieferkosten nicht mehr als doppelt so hoch sind wie die Kosten der Medikamente selbst, könnten wir bereits mehr als doppelt so viele Menschen für das gleiche Geld behandeln", so Gates.
Höhere Investitionen für Impfstoffe
Gates fordert höhere Investitionen für erfolgversprechende Forschungsprojekte, die zum Durchbruch in der HIV-Prävention führen könnte - darunter ein HIV-Impfstoff, Präexpositionsprophylaxe (PrEP) und Mikrobizide. Obwohl Wissenschafter bereits ermutigende Fortschritte in Richtung eines HIV-Impfstoffes gemacht haben, sind bisher nur drei Impfkonzepte einem klinischen Effizienztest unterzogen worden. "Wir müssen den Entwicklungsprozess für neue Präventionsmaßnahmen beschleunigen. Und wenn wir Ergebnisse dieser Studien erhalten, sollten wir bereit sein, sie sofort umzusetzen."
In seiner Rede stellte Bill Gates neue Hochrechnungen vor, die Forscher am Imperial College London für die Gates Foundation erstellt haben. Sie zeigen die enormen Auswirkungen, die gezielte AIDS-Investitionen bis zum Jahr 2031 erreichen könnten. Die Hochrechnungen konzentrieren sich auf zwei Regionen in Afrika, die von verschiedenen Arten der HIV-Epidemie betroffen sind.
Das ländliche Simbabwe
Im ländlichen Simbabwe, wo HIV unter großen Teilen der Bevölkerung verbreitet ist, werden in den nächsten 20 Jahren 700.000 Neuinfektionen prognostiziert. Eine Auswertung der vorhandenen Präventionsmaßnahmen - darunter die Beschneidung bei Männern und antiretrovirale Behandlungen - könnten die jährlichen HIV-Neuinfektionen bis 2031 um 38 Prozent reduzieren. Die zusätzliche Verbreitung eines wirksamen Impfstoffes sowie von PrEP und Mikrobiziden könnten die jährlichen Neuinfektionen im gleichen Zeitraum um bis zu 90 Prozent senken.
Das städtische Benin
Im städtischen Benin sind überwiegend Prostituierte und ihre Kunden mit dem HIV-Virus infiziert. In den nächsten 20 Jahren werden über 100.000 Neuinfektionen erwartet. Das Aufstocken von schon vorhandenen Präventionsmaßnahmen, die sich an die Zielgruppe der Prostituierten richten - wie das Werben für Kondome oder Behandlungsangebote - könnte die Rate an jährlichen Neuinfektionen bis 2031 um 46 Prozent senken. Würde man parallel einen Impfstoff, PrEP und Mikrobizide unter den Prostituierten verbreiten, könnte die Rate der jährlichen Neuinfektionen in Benin um bis zu 90% reduziert werden. (red)