Temperaturen von bis zu 36 Grad erwartet
Wien - 94,2 Liter auf einem Quadratmeter, und das in nur wenigen Stunden: In dem kleinen obersteirischen Ort Kalwang ist in der Nacht auf Sonntag so viel Regen gefallen wie schon seit 45 Jahren nicht mehr. Nach der enormen Hitze mit Spitzenwerten bis 37 Grad wurde Österreich durch nahezu flächendeckende Gewitter kräftig abgekühlt. Am Brenner zum Beispiel fiel die Temperatur von 32,7 auf 8,1 Grad - Differenz: 24,6 Grad. Absolut rekordverdächtig waren die 53.425 Blitze - allein am Samstag. Doch die nächste Hitzewelle ist schon im Anmarsch.
Zuerst stöhnten die Österreicher unter der enormen Hitze, dann flüchteten sie sich vor den heftigen Gewittern. Die vergangenen Tage waren aus meteorologischer Sicht ziemlich aufregend. Mit 36,9 Grad lieferte Ferlach (Kärnten) den absoluten Temperaturhöchstwert, gefolgt von einigen Ortschaften, die es ebenfalls locker über die 35-Grad-Marke schafften. Während am Samstag im Westen bereits Unwetter tobten und Hagel-Schauer unter anderem die Innsbrucker Altstadt verwüsteten, heizte sich der Osten Österreichs noch einmal so richtig auf, bevor auch dort der Himmel seine Schleusen öffnete.
94,2 Liter pro Quadratmeter in der Nacht auf Sonntag bescherte Kalwang den ersten Platz in der Niederschlagsstatistik. Aber auch Puchberg am Schneeberg mit 82,9 Litern oder Linz mit 75 Litern brauchen sich nicht zu verstecken. Nach Analysen der Klimatologen von der ZAMG auf der Hohen Warte in Wien lag der Schwerpunkt der Niederschläge aber in Tirol. Zwischen Paznaun und Pitztal oder in den Kitzbüheler Alpen fielen stellenweise über 100 Liter pro Quadratmeter.
Die nächtlichen Gewitter waren jedenfalls gut zu beobachten, denn sie wurden von insgesamt 53.425 Blitzen hell erleuchtet. Zum Vergleich: Im Schnitt werden in Österreich jährlich rund 170.000 Blitze registriert. Das "Epizentrum" lag südlich des Wechsels in der Oststeiermark sowie im benachbarten Burgenland. Allein dort zählte man deutlich über 10.000 Entladungen.
Was folgte, war eine kräftige Abkühlung. Spitzenreiter dabei war der Brenner, wo die Temperaturen von 32,7 auf 8,1 Grad fielen - Differenz: stolze 24,6 Grad. In Imst sackten die Quecksilbersäulen durch die Unwetter von 33,7 auf 10,2 Grad ab. Und auch in Klagenfurt wurde es um exakt 22 Grad kühler. Nicht ganz so drastisch purzelten die Temperaturen im Osten, was auf die Bewölkung zurückzuführen war, so Klimatologe Gerhard Hohenwarter.
Die Prognose für die kommenden Tage sei recht einfach, muss Hohenwarter nicht lange überlegen: "Es wird wieder heiß." Mit 34 bis 36 Grad müsse stellenweise schon gerechnet werden - zuerst im Westen und Süden, dann auch im Osten des Landes. Ein meteorologisches Deja-vu kündigt sich dann am Samstag an: nämlich Gewitter.
Landwirtschaftskammer fordert finanzielle Hilfe
Die wochenlange Hitze und Trockenheit wirkt sich in Kärnten indessen bereits massiv auf die Landwirtschaft aus. Mais- und Sojakulturen haben vor allem in Unterkärnten teilweise bereits irreparable Schäden erlitten. Besonders schlimm sieht es aber auf den Grünflächen aus. Landwirtschaftskammerpräsident Walfried Wutscher forderte am Montag daher bereits Unterstützung aus dem Katastrophenfonds.
"Die zweite Heuernte hat nur noch 20 Prozent des Normalergebnisses gebracht, der dritte Schnitt, der jetzt bald fällig wird, fällt total aus", sagte Wutscher. Schäden am Grünland seien zudem nicht versicherbar, daher müsse den Bauern unter die Arme gegriffen werden. "Das Futter wird auf jeden Fall knapp werden", prognostizierte Wutscher.
Vor allem im Klagenfurter Becken und in Südkärnten hat es seit Wochen nicht geregnet, dafür gibt es fast ständig Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke, und Niederschlag ist weiterhin nicht in Sicht. Neben Mais und Soja haben jene Landwirte, die etwa Sonnenblumen anbauen, ebenfalls mit Ernteausfällen zu rechnen.
Auch die Obstbauern sind bereits stark betroffen. Apfel- und Birnbäume lassen die unreifen Früchte haufenweise fallen. Sogar die Milchbauern würden, so Wutscher, durch die Trockenheit und Hitze Einbußen hinnehmen müssen. Die Zahl der Keime in der Milch steige, die Kühe bekämen Krankheiten wie Euter-Entzündungen. "Die Lage ist ernst, wenn es nicht bald regnet, wird sie katastrophal", meinte der Landwirtschaftskammerpräsident. (APA)