Kgalema Motlanthe

"Die Neuinfektionen sind rückläufig"

18. Juli 2010, 19:17
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    reuters/denis balibouse

    Kgalema Motlanthe, Südafrikas Vizepräsident

Südafrika ist das Land mit den meisten HIV-Infizierten weltweit: Vizepräsident Kgalema Motlanthe erklärt, welche Maßnahmen Pretoria gegen die Seuche setzt

Standard: In Südafrika hat es in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Umschwung in der Aids-Bekämpfungspolitik gegeben. Präsident Thabo Mbeki bezweifelte noch den Zusammenhang zwischen HIV und der Immunschwächekrankheit, heute ist das ganz anders. Warum hat es so lange für eine neue Aids-Politik gebraucht?

Motlanthe: Die Aids-Politik der südafrikanischen Regierung an sich hat sich nicht geändert. Was sich verändert hat, ist, dass der Präsident (Jacob Zuma, Anm.) heute die Kampagne für Aids-Tests und -Beratung anführt. Es treten nicht nur die Betroffenen in Erscheinung, es wird ein nationaler Konsens darüber gesucht, wie diese Pandemie bekämpft werden soll. Und wir haben damit schon erste Ergebnisse erreicht.

Standard: Heißt das, dass es keine sogenannten "Aids denialists", Aids-Leugner, an wichtigen Verwaltungspositionen mehr gibt?

Motlanthe: Wie ich schon sagte, auch die vorhergehende Regierung stellte ihre Politik auf wissenschaftliche Fundamente. Die aktuelle Administration schaut daneben darauf, dass jeder, der eine Behandlung braucht, auch eine solche Behandlung bekommt. Und sie achtet darauf dass die Bemühungen, Neuinfektionen zu vermeiden, noch verstärkt werden.

Standard: Südafrika hat die höchste Zahl HIV-Infizierter weltweit. Haben Sie Anzeichen, dass die Seuche ihren Höhepunkt erreicht oder schon überschritten hat?

Motlanthe: Die Neuinfektionen sind rückläufig. Wir benutzen alle Instrumente, dies weiter voranzutreiben. Es hat sich etwa herausgestellt, dass die Beschneidung bei Männern das Risiko einer Neuinfektion um 60 Prozent verringern kann. Das ist ein Teil unserer Strategie. Dazu kommen bewusstseinsbildende Kampagnen, Beratungen und die Möglichkeitan, sich testen zu lassen.

Standard: Hilft die internationale Gemeinschaft Südafrika in aus- reichendem Ausmaß bei der HIV/Aids-Bekämpfung? Sind genügend antiretrovirale Medikamente zu einem bezahlbaren Preis für die Südafrikaner zu erhalten?

Motlanthe: Wir bekommen viel Hilfe von unseren internationalen Partner, vom Globalen Fonds zur Aids-Bekämpfung oder dem entsprechenden Programm des US-Präsidenten. Es ist wichtig, dass die entwickelte Welt die Hilfe jetzt nicht einstellt. Wir haben auch in unserem Land die Bemühungen verstärkt und etwa das Budget für die antiretrovirale Therapie um 33 Prozent erhöht. Der Preis für diese Medikamente macht uns in der Tat Sorgen. Wir kaufen weltweit am meisten davon, und wir sollten einen besseren Preis dafür bekommen. Das versuchen wir gegenwärtig durchzusetzen.

Standard: Wie hoch sind die Kosten, die der Staat Südafrika für den Kampf gegen Aids jedes Jahr aufwendet?

Motlanthe: Derzeit haben wir ein Budget von acht Milliarden Rand (814 Millionen Euro) für die kommenden drei Jahre

Standard: Es gibt an die drei Millionen Aids-Waisen in Südafrika, was wird für sie getan??

Motlanthe: Es gibt eine Vielfalt von Programmen für sie. Sie kommen zum Teil zu Pflegeeltern, und wir stellen sicher, dass alle zur Schule gehen. Sie sind nicht isoliert und in ein Ghetto gesperrt. Wir trachten danach, sie in einem möglichst normalen Umfeld aufwachsen zu lassen.

Standard: Nach der äußerst erfolgreichen Fußball-WM steht Südafrika vor der großen Aufgabe, die Kluft zwischen Reich und Arm im Land zu schließen. Viele Experten sehen darin die Nagelprobe, ob das Land nach dem Ende der Apartheid zu einem normalen Status findet. Was denken Sie?

Motlanthe: Wir setzen auf Bildung, Gesundheit, Arbeitsplätze, den Kampf gegen Korruption und Kriminalität sowie ländliche Entwicklung. Dieses Fünf-Punkte-Programm soll die Armut überwinden helfen. Es ist nicht genug, Einkommen umzuverteilen, es baucht einen integrierten Ansatz - wir wollen Fähigkeiten schaffen. In Apartheid-Zeiten wurde für die weißen Schulkinder dreizehnmal mehr Geld ausgegeben als für schwarze. Heute stehen für alle Kinder gleich viele Mittel zur Verfügung. Vor allem der Zugang zu Bildung wird helfen, den Teufelskreis der Armut zu brechen. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 19. Juli 2010)

KGALEMA PETRUS MOTLANTHE (61) ist Vizepräsident der Republik Südafrika. Zwischen September 2008 und Mai 2009 regierte er in Pretoria als Übergangspräsident zwischen dem Rücktritt Thabo Mbekis und der Wahl Jacob Zumas. Motlanthe, der als moderater Mann der Mitte gilt, ist auch Vizepräsident der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC). Nach Wien reiste er am Wochenende vor allem wegen seiner Teilnahme am Aids-Kongress. Daneben stattete Motlanthe allerdings auch Bundespräsident Heinz Fischer einen Besuch ab, um dabei vor allem um weitere Investitionen österreichischer Unternehmen in Südafrika zu werben.

WISSEN: Zwei Millionen Todesfälle

Weltweit gibt es knapp 34 Millionen HIV-infizierte Menschen. Ein Großteil davon lebt in Afrika:

Zwei Drittel, 67 Prozent (gut 22 Millionen) aller HIV/Aids-Fälle werden in Subsahara-Afrika gezählt; dort kam es zu 75 Prozent (zwei Millionen) aller HIV-bedingten Todesfälle. 2,3 Millionen im Jahr 2008 wurden neu infiziert. Heteros betroffen: Der heterosexuelle Geschlechtsverkehr ist in Afrika mit etwa 50 Prozent der HIV-Infektionen der weitaus häufigste Übertragungsweg. Kinder: Mehrere hunderttausend Kinder werden jährlich in Afrika im Mutterleib infiziert. (red)

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12 Postings
Desperate83
11
19.7.2010, 08:41
Beschneidung ist Verstümmelung

auch bei Männern. Punkt. Der gesundheitliche Nutzen für die Frauen (die mit beschnittenen Männern Sex haben) ist unumstritten, vor allem beim Cervix-Karzinom. Ich schätze mal, bei AIDS ist es rein sozialmedizinischer Effekt: beschnittene Männer sind weniger Orgasmusfähig -> weniger Spaß -> weniger Sex -> weniger promiskuös -> weniger AIDS. Conclusio: Wasser und Seife statt
Beschneidung und promiskuös sein ohne Gummi geht gar nicht.

John Bello
00
20.7.2010, 21:54

a grünes stricherl für die headline.

Bundesrat
00
19.7.2010, 09:50
promiskuös

Haben sie eben ein neues Fremdwort kennengelernt?

Servus Österreich1
00
18.7.2010, 22:55
Robin Hood Tax der Finanzindustrie

nicht unter den Teppich kehren.

Illicit Trafficking Database
13
18.7.2010, 20:02
Der Preis für diese Medikamente macht uns in der Tat Sorgen. Wir kaufen weltweit am meisten davon, und wir sollten einen besseren Preis dafür bekommen.

Warum wird wieder mal nicht die Phamamafia zur Hilfe verplichtet???? Die Medikamente MÜSSEN zum Selbstkostenpreis abgegeben werden! Gerade bei einer Pandemie müsste eigentlich die verdammte WHO dafür sorgen!
Warum müssen schon wieder andere dafür Geld spenden?
Das geholfen werden MUSS ist sonnenklar, aber läutet zuerst bei den Pharmabillionären an.

the academic cyber sense
21
19.7.2010, 06:47

wenn die Firmen nix verdienen stellen sie die Produktion ein.
so einfach ist das.

Illicit Trafficking Database
11
19.7.2010, 09:36
Bei einem Umsatz in Milliardenhöhe?

Anyuser
 
11
19.7.2010, 10:15

Der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn ist Ihnen offenbar nicht geläufig.

Illicit Trafficking Database
10
19.7.2010, 14:07
Wollen sie mich belehren?

ich bin seit 93 Selbstständig.........

Godesberg
10
19.7.2010, 18:45

Solange habt ihr in Österreich schon das Dosenpfand?

Illicit Trafficking Database
10
19.7.2010, 21:08
Da wäre ich ja bei ihnen in bester Gesellschaft, Herr Hartz 4 Empfänger.

Betreiben sie ihren Computer noch immer mit Strom vom Nachbarn?

Godesberg
10
20.7.2010, 09:43

Strom vom Nachbarn? Woher wissen Sie?
Haben Sie sich nicht gefragt wohin jeden Morgen ihre Zeitung verschwindet? Die brauche ich, um mich drunterzulegen...

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