Brigitte Schmied, Präsidentin der Aids-Gesellschaft
HIV und Aids werden medial gerne mit Hysterie und Hoffnungslosigkeit verbunden. Doch Brigitte Schmied braucht keine Panikmache, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Auch so mancher Arzt könnte sich die ruhige Art, mit der die Präsidentin der österreichischen Aids-Gesellschaft über die Krankheit spricht und über Details aufklärt, zum Vorbild nehmen. Derzeit fungiert sie als Co-Präsidentin der internationalen Aids-Konferenz in Wien (AIDS 2010), an der 25.000 Experten aus aller Welt teilnehmen.
Die 47-jährige Pulmologin hat einen Großteil der Geschichte der Pandemie an vorderster medizinischer Front am Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe erlebt. Ende 1989 wurde sie von Primar Norbert Vetter gefragt, ob sie sich für HIV interessieren würde. 1990 begann sie dort zu arbeiten. Heute ist sie Oberärztin an der II. Internen Abteilung und leitet die Immunambulanz im Otto Wagner Spital.
Anfang der 90er-Jahre existierten wenig Behandlungsmöglichkeiten, die ersten antiretroviralen Medikamente hatten, weil in Monotherapien eingesetzt, eine sehr beschränkte Wirkung, aber viele und starke Nebenwirkungen, erinnert sie sich in einem Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Die Lungenspezialisten hatten die Aids-Patienten vor allem wegen der damals grassierenden Pneumocystis carinii-Infektionen "geerbt" .
Doch es war mehr als bloß Lungenheilkunde gefragt. Schmied: "Wir waren mit Augenerkrankungen, aufgrund des Cytomegalie-Virus und anderer Infektionen konfrontiert. Es gab verheerende Pilzinfektionen, an denen die Patienten litten. Viele der diagnostischen Untersuchungen haben wir selbst durchgeführt."
Viele Betroffene kamen schwer krank in medizinische Betreuung - und die Therapiechancen waren gering. "Die Patienten waren jung, es gab kaum Hoffnung."
Doch die medizinische Entwicklung war doch relativ schnell. Im Herbst 1994 gab es dann die ersten klinischen Studien mit den neuen Kombinationstherapien. Binnen weniger Monate gab es enorme Fortschritte. Schmied: "Mit den Kombinationstherapien bekamen wir die Möglichkeit, die Patienten effizient zu behandeln. Manche betreue ich seit damals - bis zum heutigen Tag."
Beim Life Ball am Samstag war die engagierte Ärztin natürlich auch: "Leben mit Aids ist nicht einfach, es bedeutet Stigmatisierung und Diskriminierung. Deswegen ist der Life Ball so wichtig." (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2010)