Finanzfirmen sollen Kampf gegen Aids mitfinanzieren - "Keine Diskriminierung, keine Aids-Toten mehr!"
Wien - Der Chef des Uno-Aids-Programmes, Michel Sidibe (UNAids), hat zur Eröffnung des Internationalen Aids-Kongresses am Sonntagabend in Wien eine weltweite Steuer für Finanzunternehmen gefordert, um mehr Mittel für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zu generieren. "Die Zeit ist gekommen für eine Robin Hood Tax, damit auch der Finanzsektor einen gerechten Anteil leistet" , sagte der UN-Diplomat zu Beginn der fünftägigen Großveranstaltung, zu der mehr als 26.000 Teilnehmer aus aller Welt in die Bundeshauptstadt kommen.
Besonders Afrika leidet unter der Seuche. Im Interview mit dem Standard erklärte der südafrika-nische Vizepräsident Kgalema Motlanthe, die Neuinfektionen in seinem Land - Südafrika hat die weltweit höchste Rate HIV-positiver Menschen - seien rückläufig.
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"Wir wollen nicht weniger als das: keine neuen HIV-Infektionen mehr! Keine Diskriminierung! Keine Aids-Toten mehr!" - Unter dieses Motto stellte der Chef des Uno-Aids-Programmes (UNAids), Michel Sidibe, Sonntagabend seine Begrüßungsansprache bei der Internationalen Aids-Konferenz in Wien mit erwarteten rund 25.000 Teilnehmern. Er forderte unter anderem eine "Robin Hood Tax" , die auch dem Finanzsektor einen Beitrag auferlege. "Aids 2010" in Wien sei der entscheidende Moment für die Bekämpfung von HIV/Aids.
Sidibe überbrachte auch die Grüße von Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon. Der UNAids-Generaldirektor über bereits erzielte Erfolge: "Die Verschwörung des Schweigens wurde beendet. Fünf Millionen Menschen sind am Leben, weil sie eine Behandlung bekommen. Die Neuinfektionsraten mit HIV sind seit 2001 um 17 Prozent zurückgegangen. Aber ich bin schockiert, bei dem, was ich heute sehe. Prävention kommt zu kurz. Manche Regierungen bekämpfen vulnerable Bevölkerungsgruppen. Die Behandlung kann nicht aufrechterhalten werden. Die Kosten steigen."
Die Situation sei schwierig: "In machen Ländern verlieren sogar Menschen, die schon eine antiretrovirale Therapie bekommen, wieder den Anschluss. Wien ist der entscheidende Moment. Millionen werden sterben, wenn wir nur einen chaotischen Mix aus unkoordinierten, zu gering finanzierten und unterbenutzten Diensten anbieten. Es ist nicht die Zeit, Dinge beim Alten sein zu lassen. Das ist die Zeit, die Aufwendungen zu erhöhen."
Eine Änderung könnte nur eine neue Strategie gegen HIV/Aids bringen:
Prävention Sidibe: "Im Jahr 2008 hatten wir noch immer 1,4 Millionen Neuinfektionen mehr, als wir Menschen in Therapie brachten. Dieser Verlauf muss bald unterbrochen werden - oder die Welt wird das Geld für weitere zwei Millionen Menschen in der Therapie pro Jahr nicht aufwenden können."
Behandlung Eine neue Ära der Behandlungsmodalitäten mit einfach einzunehmenden, wirksamen und nebenwirkungsärmeren Arzneimitteln. "Das wird auch Geld einsparen helfen. Die Nachkommenschaft wird uns aber nur an der Zahl der geretteten Menschenleben messen" , so UNAids-Chef Sidibe.
Ein Ende der Diskriminierung für Prostituierte, Homo- und Bisexuelle, Drogenabhängige und HIV-Positive.
Gleichberechtigung der Geschlechter Sidibe: "Frauen müssen bessere Mittel erhalten, um sich tatsächlich effektiv vor HIV schützen zu können - wie zum Beispiel Mikrobiozide und Kondome für Frauen." (red/DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2010)