Finanzierung

UNAids fordert "Robin Hood Tax"

18. Juli 2010, 19:20
  • Artikelbild
    foto: ap/hoshiko

    Der Chef des Uno-Aids-Programmes, Michel Sidibe.

Finanzfirmen sollen Kampf gegen Aids mitfinanzieren - "Keine Diskriminierung, keine Aids-Toten mehr!"

Wien - Der Chef des Uno-Aids-Programmes, Michel Sidibe (UNAids), hat zur Eröffnung des Internationalen Aids-Kongresses am Sonntagabend in Wien eine weltweite Steuer für Finanzunternehmen gefordert, um mehr Mittel für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zu generieren. "Die Zeit ist gekommen für eine Robin Hood Tax, damit auch der Finanzsektor einen gerechten Anteil leistet" , sagte der UN-Diplomat zu Beginn der fünftägigen Großveranstaltung, zu der mehr als 26.000 Teilnehmer aus aller Welt in die Bundeshauptstadt kommen.

Besonders Afrika leidet unter der Seuche. Im Interview mit dem Standard erklärte der südafrika-nische Vizepräsident Kgalema Motlanthe, die Neuinfektionen in seinem Land - Südafrika hat die weltweit höchste Rate HIV-positiver Menschen - seien rückläufig.

*****

"Wir wollen nicht weniger als das: keine neuen HIV-Infektionen mehr! Keine Diskriminierung! Keine Aids-Toten mehr!" - Unter dieses Motto stellte der Chef des Uno-Aids-Programmes (UNAids), Michel Sidibe, Sonntagabend seine Begrüßungsansprache bei der Internationalen Aids-Konferenz in Wien mit erwarteten rund 25.000 Teilnehmern. Er forderte unter anderem eine "Robin Hood Tax" , die auch dem Finanzsektor einen Beitrag auferlege. "Aids 2010" in Wien sei der entscheidende Moment für die Bekämpfung von HIV/Aids.

Sidibe überbrachte auch die Grüße von Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon. Der UNAids-Generaldirektor über bereits erzielte Erfolge: "Die Verschwörung des Schweigens wurde beendet. Fünf Millionen Menschen sind am Leben, weil sie eine Behandlung bekommen. Die Neuinfektionsraten mit HIV sind seit 2001 um 17 Prozent zurückgegangen. Aber ich bin schockiert, bei dem, was ich heute sehe. Prävention kommt zu kurz. Manche Regierungen bekämpfen vulnerable Bevölkerungsgruppen. Die Behandlung kann nicht aufrechterhalten werden. Die Kosten steigen."

Die Situation sei schwierig: "In machen Ländern verlieren sogar Menschen, die schon eine antiretrovirale Therapie bekommen, wieder den Anschluss. Wien ist der entscheidende Moment. Millionen werden sterben, wenn wir nur einen chaotischen Mix aus unkoordinierten, zu gering finanzierten und unterbenutzten Diensten anbieten. Es ist nicht die Zeit, Dinge beim Alten sein zu lassen. Das ist die Zeit, die Aufwendungen zu erhöhen."

Eine Änderung könnte nur eine neue Strategie gegen HIV/Aids bringen:

  • Prävention Sidibe: "Im Jahr 2008 hatten wir noch immer 1,4 Millionen Neuinfektionen mehr, als wir Menschen in Therapie brachten. Dieser Verlauf muss bald unterbrochen werden - oder die Welt wird das Geld für weitere zwei Millionen Menschen in der Therapie pro Jahr nicht aufwenden können."
  • Behandlung Eine neue Ära der Behandlungsmodalitäten mit einfach einzunehmenden, wirksamen und nebenwirkungsärmeren Arzneimitteln. "Das wird auch Geld einsparen helfen. Die Nachkommenschaft wird uns aber nur an der Zahl der geretteten Menschenleben messen" , so UNAids-Chef Sidibe.
  • Ein Ende der Diskriminierung für Prostituierte, Homo- und Bisexuelle, Drogenabhängige und HIV-Positive.
  • Gleichberechtigung der Geschlechter Sidibe: "Frauen müssen bessere Mittel erhalten, um sich tatsächlich effektiv vor HIV schützen zu können - wie zum Beispiel Mikrobiozide und Kondome für Frauen." (red/DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2010)
  • Siehe

    Interview: Kgalema Motlanthe: "Die Neuinfektionen sind rückläufig"

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 44
    1 2
    ITD
    00
    20.7.2010, 10:08
    Ein Kongress mit über 20.000 (!) Experten....

    1. Wir brauchen mehr Geld
    2. Wir brauchen mehr Kondome
    3. Wir brauchen bessere Impfstoffe
    4. Prävention

    DAFÜR BRAUCHTS DANN 20.000 EXPERTEN?

    Man könnte es anders sehen.....eine Ankurbelung der Österreichischen Wirtschaft. insbesonders der Übernachtungs und Gastrobranche.

    UND WAS TUT DIE WHO?
    Außer blöd reden und Grippepandemien erfinden?

    Godesberg
    00
    20.7.2010, 16:38
    Ferdinand Berger
    10
    19.7.2010, 15:32
    schön langsam...

    ...ist es aber genug mit der hochpuscherei von hiv. mit kondom oder neuen spritzen bei den süchtlern wären schon mal 90% der infektionen vermeidbar, währed krebs ohne vorwarnung jeden treffen kann und auch hier gibt es weder ein vorbeugendes medikament, noch ausgiebige heilungschancen. aber das interessiert ja nicht so sehr, sind ja keine randgruppen betroffen...

    Godesberg
    00
    19.7.2010, 17:40

    Lungenkrebs ist ebenfalls zu 90% vermeidbar. Viele andere Krebsarten ebenfalls.
    Und im Gegensatz zu AIDS sind viele Krebsformen inzwischen mit einer guten Wahrscheinlichkeit heilbar.

    Ferdinand Berger
    00
    19.7.2010, 17:49
    leider nicht...

    ...denn lungenkrebs trifft (leider) nicht nur raucher. und in ö wird man leider noch immer an jeder ecke angeraucht, wenn man also nicht in einer höhle im wald wohnt, kommt man nicht darum herum. jedoch kann ich mir aussuchen ob ich ohne kondom sex habe oder nicht - außer man wird vergewaltigt... und die wahrscheinlichkeit an krebs zu sterben, wenn man mal betroffen ist, ist immer noch weit höher als die wahrscheinlichkeit sich mit aids anzustecken... krebs ist nach wie vor großteils nicht heilbar, sondern man siecht (schlimmstenfalls) jahrelang elendig dahin...

    Godesberg
    00
    19.7.2010, 22:07

    Etwa 50% aller Krebserkrankungen werden derzeit geheilt, Tendenz steigend.

    90% der Lungenkrebspatienten sind Raucher oder Ex-Raucher. Unter den letzten 10% sind die meisten die Partner von Rauchern oder Angestellte im Gastgewerbe. Das ist vermeidbar. Ich glaube wir sind uns da auch einig.

    Illicit Trafficking Database
    00
    20.7.2010, 13:27
    Etwa 50% aller Krebserkrankungen werden derzeit geheilt?????

    Bitte????

    Godesberg
    00
    20.7.2010, 16:36

    Danke!

    Hängt natürlich extrem von der Art der Krebserkrankung ab. Sie als Raucher haben eine zehnprozentige Chance auf Lungenkrebs und an dem würden Sie dann nach heutigem Stand auch sterben.
    Bei anderen Krebsarten sieht es aber viel besser aus. Hautkrebs wird zu über 90% geheilt.

    Ferdinand Berger
    00
    19.7.2010, 22:56
    dann...

    ...sind in meinem bzw. dem bekanntenkreis meiner eltern wohl nur die restlichen 50% vertreten gewesen, bislang sind nämlich 100% der an krebs erkrankten auch daran gestorben - und kein einziger war raucher!
    an hiv zu erkranken hat man jedoch zu 90% (eigentlich denke ich es sind sogar 99%) selbst in der hand - lediglich menschen die vergewaltigt werden oder denen eine infizierte spritze, oder die durch unachtsames krankenhaus personal infiziert werden nicht selbst schuld und da befinden wir uns bei vermutlich 1% aller hiv erkrankten...

    es gäbe Alternativen
    00
    19.7.2010, 17:20
    schon mal was von Rauchen gehört?

    und wie schwierig es ist Prävention wirksam zu machen?

    Ferdinand Berger
    00
    19.7.2010, 17:33
    ja, stimmt,...

    ...dass wir hier in ö mit unserem steinzeit raucherschutzgesetz noch immer nicht genug schutz vor den rauchern haben, jedoch hat das mit krebs wenig zu tun, da es x-arten von krebs gibt und es nicht nur raucher trifft. mein onkel hat in seinem leben nicht eine zigarette geraucht und ist mit 45 jahren an lungenkrebs gestorben. natürlich kann man hier in ö (leider) nicht jeder rauchschwade entgehen, da man dies nicht in der hand hat. jedoch ein kondom zu nehmen oder sich nicht mit alten nadeln heroin zu spritzen liegt sehr wohl in der eigenverantwortung, sofern nicht ein gestörter kommt und einem vergewaltigt oder die spritze reinrammt...

    freiheitdermeinung
    00
    19.7.2010, 15:31
    26000

    Teilnehmer. Rechnen wir mal: im Durchnitt 1000 Euro fuers Flugticket und nochmal 800 fuers Hotel, dazu 400 Tagespauschalen fuers Essen etc.. Macht etwa 2200 x 26 000 Macht muede 56,7 Millionen Euro die hier vergeigt werden. Stadt Wien und die Hotellerie freut es. Es waere besser gewesen dieses Geld waere z.B. in die Betreuung von Aid Kranken gegangen. Stattdessen wird die ca. 1-2 Millionen die der Live Ball zusammenbringt als tolle Leistung hochstilisiert. Die Pharisaer und Spesenritter sind ueberall - auch auf der AIDS Konferenz.

    wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
    00
    20.7.2010, 01:38
    Menschen müssen auch "menscheln"

    dürfen um sich gemeinsam weiterentwickeln zu können.

    es gäbe Alternativen
    00
    19.7.2010, 17:23
    sicher richtig, obwohl

    es weniger Teilnehmer sind (20 000) sind), stimmte prinzipiell. Gilt das auch für andere Kongresse oder nur für AIDS?

    NONE
    14
    19.7.2010, 14:07

    Offensichtlich wird AIDS zur Geldmaschinerie hochstilisiert.

    Und da stimme ich dem Vorposter zu - eine neue Idiotensteuer. AIDS als endlose Therapiemassnahme die nur Geld verschlingt und primär arme Länder als Geissel haben soll. Ein Bild das durch die Medien suggeriert wird.

    Wann hingegen gibt es ENDLICH Massnahmen gegen Banken, Konzerne und mafiöse Netzwerke?

    wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
    00
    20.7.2010, 01:41
    Ausreichend Geld, Unterstützung für Menschen

    statt für Banken&Co.

    NotUsed
    14
    19.7.2010, 13:53

    eine idiotensteuer eben. big pharma hat nach etlichen fehlschlägen das alte phantom wieder ausgegraben, und rührt jetzt kräftig die werbetrommel.

    Ernesto Chavez
    11
    19.7.2010, 13:46
    Tschuldigung, aber ROBIN HOOD gab den ARMEN, nicht den KRANKEN !!!

    und so soll's auch bleiben: Ich bin für Robin Hood, der die Armut bekämpft, nicht AIDS...dafür gibt's eh den Gerry Keszler!

    Ernesto Chavez
    11
    19.7.2010, 13:45
    Der Papst und die Afrikaner

    Hier wird immer der Papst angefeindet, weil er Kondome verbietet. Das ist schon korrekt, aber man sollte schon das ganze Bild sehen wollen:
    In Afrika gilt es beim Sex uncool, unmännlich, unsexuell - was auch immer, Kondome zu verwenden. Ja, bei den Afrikanern zählt nur der Sex Ohne.
    Dieses kleine Detail sollte man mal auch erwähnen, wenn man dauernd den Papst anfäut.

    wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
    00
    20.7.2010, 01:46
    ZUERST

    war da der papst, der den afrikaner seine problematische art von sex aufschwatzen wollte.

    freiheitdermeinung
    01
    19.7.2010, 15:38
    Man koennte auch

    den oest. Staat verurteilen, weil er weiterhin das Rauchen gestattet und so dem Lungenkrebs Vorschub leistet. Tatsache ist, dass sich die Mehrzahl der Katholiken ueberhaupt nicht an das Dogma Roms haelt d.h. deren Verbote werden sehr stark ueberbewertet. Und nochwas: der Einfluss der kath. Kirche z.B. in Russland, Suedafrika, Thailand, China, Korea, Malaysia ist nichtexistent. Und trotzdem gibt es dort eine grosse Zahl von Neuinfektionen. Man sollte so ehrlich sein zuzugeben, dass ungeschuetzter Sex zwischen Maennern und mit wechselnden Partnern (auch Huren z.B.), Drogenkonsum per Nadel hoch und undiszipliniert ist. Vielleicht liegt das in der Natur der Sache. In vielen Faellen duerfte durchaus mal der jeweilige lifestyle hinterfragt werden

    wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
    10
    20.7.2010, 01:44
    Das Virus verursacht die Krankheit

    u. natürlich kein lifestyle o. sonst wer o. was.

    Eris
     
    00
    19.7.2010, 14:32

    Der Papst hat singemäß gesagt: Der Kontinent Afrika hat so viele Probleme, daß es keine einfache Lösung - z.B. Anwendung von Kondomen, und alles wird gut - für sie gibt. Eine grundlegende Änderung des Sexualverhaltens und der Einstellung zu Frauen, zur Partnerschaft und zur Familie wäre wünschenswert.

    In Südafrika werden Kondome verteilt und auch angewendet; es gibt dort nur 10% Katholiken, für die der Papst eventuell maßgeblich wäre; allen anderen ist der Papst ohnehin egal.
    Wieviele Leute tatsächlich HIV haben, weiß man dort nicht. Es gibt nur Schätzungen. Die Bangui-Definition von Aids fällt die Diagnose ohne Test. Das größte Problem in Südafrika ist Tb, eine Krankheit, die mit Armut einherzugehen pflegt.

    mad as hell
    32
    19.7.2010, 12:58

    Und in Afrika taumeln fanatische Christen herum, geben den hungernden und durstigen Leuten Holzkreuze und Bibeln - und sagen ihnen, dass sie in die Hölle kommen, wenn sie Kondomte verwenden.

    Der Vatikan sollte seine Kunstschätze an öffentliche Museen versteigern und wenn nötig auch allen Landbesitz verscherbeln, um den Leuten dort die nötigen Medikamente und reichlich Kondome zukommen zu lassen - das wäre Nächstenliebe.

    Eris
     
    00
    19.7.2010, 14:33
    Und in Afrika taumeln fanatische Christen herum, geben den hungernden und durstigen Leuten Holzkreuze und Bibeln

    Wo haben Sie die gesehen?

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 44
    1 2

    Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.