Basar im Aufruhr

18. Juli 2010 18:36

Ahmadi-Nejad verliert Teile des konservativen Lagers

Teheran - Zwanzig Minuten U-Bahn-Fahrt trennen den Norden Teherans vom traditionsreichen Basarviertel im Süden der iranischen Hauptstadt. Alle Versuche nach der Revolution, die traditionelle Rolle des Basars in der iranischen Wirtschaft zu beschneiden, sind im Laufe der Jahre fehlgeschlagen. Der Basar ist heute noch das pulsierende Herz der iranischen Wirtschaft - und ein Gradmesser der wirtschaftlichen Situation im Land.

Eine Protestwelle, die vor zwei Wochen im Basar begann, erschüttert den bereits wirtschaftlich angeschlagenen Iran. Und sie legt den Konflikt offen, der im konservativen Lager tobt: Denn die Basaris haben immer zum traditionalistischen Lager gehört.

Es begann mit einem Rundschreiben der Finanzbehörde, das eine Steuererhöhung um 70 Prozent für Geschäftsleute des Basars ankündigte. Obwohl die Regierung nach einer Krisensitzung mit Vertretern der Basare einen Rückzieher auf 15 Prozent machte, weiteten sich die Proteste auf andere Städte aus. Viele Geschäfte blieben geschlossen, woran auch die Drohungen der Sicherheitskräfte, die Kontrolle über den Basar zu übernehmen, nicht viel änderten.

Nach Protesten im Basar von Teheran folgten die Basare von Tabriz und Isfahan. Angesichts der Probleme, die das Regime mit dem zivilen Ungehorsam von Teilen der Bevölkerung hat, ist die Schließung des Basars eine unangenehme Zuspitzung.

Der Basar genießt traditionell die Unterstützung der konservativen Kräfte, die sich inzwischen immer weiter von Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad entfernen. Die Proteste der Basare spiegeln sich auch im Parlament wider, wo mit Parlamentspräsident Ali Larijani der gewichtigste konservative Widersacher Ahmadi-Nejads sitzt. Ein Teil der konservativen Abgeordneten kritisierte die Regierung in einer noch nie gehörten Art und Weise.

Absetzungsgelüste

Es war sogar von einer Absetzung des Regierungschefs wegen Unfähigkeit die Rede, wie beim ersten Präsidenten vor 28 Jahren, Abolhasan Banisadr. Ahmad Tavakoli, ein einflussreicher Konservativer, warf der Regierung nicht nur Fehler, sondern auch Gesetzesverstöße vor und merkte an, dass man mit einer Zweidrittelmehrheit ja sogar die ganze Regierung heimschicken könne.

Der Basar hat in den letzten hundert Jahren bei politischen Umwälzungen im Iran immer eine Rolle gespielt. Deswegen wurden ausländische Journalisten, die über die Proteste im Basar berichten wollten, diese Woche vom Kulturministerium angewiesen, das Land zu verlassen. (N. N. aus Teheran/DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2010)

*Der Name unseres Korrespondenten kann aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden

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21 Postings
puwit
21.07.2010 16:32

jö der achmadineschaxx greift sie aufs hirn hoffentlich verbrennt er sich net

Borg101 (Flip Mode)
19.07.2010 11:33
(1) Es geht gar nicht um Politik, sondern Geld, weil:

Die iraner haben in der Shah-Zeit verlernt Steuern zu zahlen. Das Wort "Steuer" war lange Zeit ein Fremdwort.
Der Grund: Die Monarchie, Verwaltung, Infrastruktur, Armee, etc. finanzierte sich allein durch das Export von Erdoel. Damals funktionierte es, weil Iran damals (bis Revolution von 1978/79) weniger als 40 Mio. Einwohner hatte.
Da die "Islamische Republik von Iran" bemueht war eine "Islamische Wirtschaft" zu betreiben (zB. verbot von Zinsen) kamen sie mit der Rest der Welt nicht zu recht da ihre Wirtschaft inkompatibel war.
Und weil Iran seit 1980 (Erster Golfkrieg) staendig unter wirtschaflich auferlegte Embargos/Sanktionen leidet, muss der Staat fuer importierte ware hoehere preise zahlen.

Borg101 (Flip Mode)
19.07.2010 11:47
(2) Fortsetzung....

Preis-Kontrollen, Buchfuehrung und besteuern von Umsatz/Gewinn haben lange Zeit (bis 1996) gar nicht existiert!

Nun tut die "Islamische Republik Iran" das was (fast) alle andere Staaten (zB. EU-Laender, USA,...) auch tun:
1. Regulierung von Preise
2. Buchfuehrung
3. Besteuerung von Umsatz (bei Multinationale Firmen) und Gewinn (bei nur in Iran ansaessige Firmen)

Und natuerlich tut das einem Geschaefsmann weh, na no ned! Die Geschaeftsleute ("Basar"-i-Leute) moechten am liebsten naturgemaess gar nicht zahlen und wehren sich.

Wie man sieht, geht es den Geschaeftsleuten um das Geld und nicht um Freiheit, Demokratie oder Frauenrechte wie es manche behaupten.

Mfg

Advaita0
19.07.2010 03:56
aber Geld für "Urananreicherung" (=Atomwaffen) ist da!

Der Kleine hat vergessen, dass im Süden von Teheran die Revolution begann.

puwit
21.07.2010 16:42

und was willst du un damit kundtun in den emiraten zahlns auch keine steuern und dem volk gehts weit besser als im gelobten iran erzählts euren stumpfsinn nicht uns in österreich wei so blöd sind wir nicht wie ihr nach eurer propaganda gibt es im iran keine armen ihr entlarft euch selbst na ja bei dem iq

xx Hour1
19.07.2010 12:57

ja im Süden von Tehran begann die Revoution.

Deswegen müßen die Reichen Bazaris für die armen leute zahlen.

Cello Swiss
19.07.2010 03:24
verdient

Die Basaris erhalten heute die Rechnung die sie verdienen. Sie waren massgeblich am Sturz des Shahs beteiligt. Nun muessen sie eben selbst die Suppe ausloeffeln, die sich sich und dem ganzen iranischen Volk eingebrockt haben.

Sie haben eine gutmuetige Diktatur mit einer verbrecherischen ausgetauscht. Den Preis musste leider das ganze iranische Volk bezahlen.

Die Verbrecherclique um Ahmadinedschad wird sich sowieso nicht mehr lange halten koennen.

shahabblack
19.07.2010 10:46

Du willst sagen das die Diktatur des Shahs gutmütig war? Also die Folter und der Mord war damals sehr iel mehr als jetzt.

setarkos
19.07.2010 09:50
Was bitte ist eine "gutmütige Diktatur"?

Jede Diktatur ist ein Verbrechen. Insofern hat der Iran nur eine gegen eine andere ausgetauscht. Aus westlicher Sicht war natürlich die Shah-Diktatur wesentlich weniger gefährlich, weil das beklopfte religiöse Moment fehlte. Und das ist es, was uns heute weltweit zu schaffen macht.

Ernst Guevara
19.07.2010 09:07
lol

"gutmütige diktatur"... na, ist aber eh klar, dass Sie als alter kommunistenfresser von demokratie nix verstehen und vom westen unterstützte diktaturen bevorzugen, die linke und liberale abschlachten, so wie der gutmütige shah es getan hat.

MiNeum71
 
18.07.2010 22:22

Guuuuuuuuut, so begannen die 1978er Ereignisse; bald ist es vorbei, lang lebe die Freiheit.

xx Hour1
18.07.2010 20:12

mit einer inflation ratevon 15-20% jährlich, haben die Bazaris gut vredient.
Jetzt müßen 15% steuer zahlen was mir gerecht scheint.

Für Regierung ist das Geld von Heute ist wichtiger als Unterstützung von Zwischen Händler,
Iran Entwicklet sich zu einer Industrie macht, Die nicht produktive Zwischen Händler von Bazar sind witschaftlich nicht so wichtig

Girgl Galgenstein
24.07.2010 19:05
Bevor Sie solchen Unsinn posten

schlagen Sie bitte ein Xbeliebiges Lehrbuch über Ökonomie auf und machen Sie sich bitte mit den Grundzügen von Geld, Produktion und Inflation vertraut.

Zwei Und Vierzig
19.07.2010 02:34

In einem Land wie dem Iran - dem fünft größtem Erdölproduzenten dieser Welt - und der Export von Erdgas ist noch nicht mal im großen Stile angelaufen - sollten Steuern gar nicht notwendig sein.

Ich erinnere mich noch an die Worte Chomeinis, der jedem Iran seinen Anteil an den Erdöleinnahmen versprochen hat - in Bar. Ich persönlich habe von diesem Geld bis jetzt noch keinen Groschen gesehen.

pepitant
20.07.2010 12:56
Irgendwie hatte ich grad

die Assoziation zum Ederertausender :-)

Zwei Und Vierzig
21.07.2010 17:27

Nur, dass es sich solche Aktionen - bzw. Soziale Unterstützung für Bedürftige - im Iran mit den Erdöleinnahmen tatsächlich problemlos finanzieren ließe. Dumm war er ja nicht, der Chomeini.

Kakadu89
18.07.2010 21:10
Hui - Economics 1o1...

1. Eine Inflation bringt ihren sogenannten "Zwischenhändlern" gar nichts (es sei denn die in dem Fall aber unechte Inflation würde aufgrund von Kartellabsprachen entstehen). Wenn die Einkaufspreise steigen (durch Inflation), liegt der Grund in zB. gestiegenen Rohstoffpreisen, die beispielsweise wegen Rohstoffknappheit oder gestiegenen Personalkosten auftreten. Oder der Grund liegt in antikonjunkturellen Maßnahmen der Zentralbank, die die Geldmenge erhöht. (Was in der jetztigen Situation der iranischen Wirtschaft nicht unpassend wäre.)

2. "Nicht produktive" Zwischenhändler gibt es auch in "Industriemächten" - wie sehr diese aber unproduktiv sind, ist zumindest schwer diskutabel. ;)

---

Genießen Sie die letzten Tage Ihres tollen Regimes...

Plasmaball
19.07.2010 01:24
Iran? Staatsbudget? Zentralbank?

Da kann geholfen werden:

http://www.cbi.ir/section/A... eBank.aspx

Erwin Wolfram
19.07.2010 00:40

er spricht nicht vom westen.

Plasmaball
18.07.2010 22:57
Zusatzinfo

Hier mal der Link zur Iranischen Zentralbank.

http://www.cbi.ir/section/A... eBank.aspx

Plasmaball
18.07.2010 22:38
Na, nicht so schnell

Die Inflation ist laut IWF gesunken auf 9,7%. Weiterhin geht der IWF von einen BIP-Zuwachs von 30 mrd. Dollar in 2010 aus. Die Leitzinsen wurden von der Regierung auf 10% festgesetzt...wobei...die Info ist schon 1 Jahr alt und so bin ich nicht sicher. Zumal gerade der Iranische Bankensektor privatisiert wird und da kann sich dann schon mal schnell was ändern.

http://www.cbi.ir/page/6189.aspx

Rohstoffknappheit gibt es im Iran auch nicht - zumindest wenn es sich nicht gerade um ganz seltene Metalle wie z.B. zur Handyherstellung handelt.

Ich denke dass die Basarhändler bisher ziemliche Freiheiten hatten und nun auch mal was beitragen sollen. Ist wie bei uns wenn die Vermögenssteuer eingeführt werden soll (und wird!) ;)

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