Josef Pröll versucht sich als schwarzer "Cato"

18. Juli 2010 17:44

Populismus ist in der Politik nicht verboten, so er nicht auf autoritär linke oder rechte Abwege gerät

Nein, der Vizekanzler will nicht auch noch Verleger werden. Selbst keiner hinter den Kulissen - wie sein Koalitionspartner Werner Faymann, der (laut Standard-Bericht) nach dem Abgang Hans Dichands an einem stärkeren publizistischen Zugang im Reich der Mediaprint bastelt. Da Pröll, im Unterschied zu Kardinal Christoph Schönborn, keine gesicherte Plattform zur Verkündigung seiner Markierungen hat, übt er die Sprache von Hans Dichands "Cato" .

Zur Erinnerung: Dessen Kurzkommentare waren gekennzeichnet durch einfache Sätze, Volksschullogik und Horizontbegrenzung. Auf ein Denken, in dem die Sonne immer unterging - außer man lebte im Morgengrauen Dichands. Das trainiert Josef Pröll jetzt entschlossen und intensiv, damit er gerüstet ist, sollte sich für ihn ein ganz eigener Kurier eröffnen.

Wenige Tage nach seiner Erklärung, warum man den Häuslbauern keine Grundsteuer für Teppichböden zumuten könne, wagte er im Sommergespräch des Standard Grundsätzliches zum Fall Zogaj: "Das Bleiberecht wäre ein Signal, dass jeder kommen soll." Dass also, wäre Arigona in Österreich geblieben, uns die Massen demnächst überschwemmt hätten - wie jene "Millionen Russen und Ukrainer" , die laut Krone damals, nach dem Fallen der Schengen-Grenze, dringend nach Österreich wollten.

Wie seinerzeit bei Dichand muss man die Sätze genau lesen. Was bedeutet Prölls Diktum? 1.) Dass ihm die Familie Zogaj gleichgültig ist. 2.) Dass deren Ausweisung eine Ortstafel ("Signal" ) ist: gegen das Fremde und für das Einheimische. Gegen das Bleiben und für das Ausweisen.

Wäre Pröll ein kompromissloser Verfechter des Rechtsstaats, dann müsste man von ihm auch den folgenden Satz erwarten können: "Die Beschleunigung der Untersuchungen im Fall Grasser wäre ein Signal, dass nicht jeder tun kann, was er will." Prölls Pressesprecher würde darauf wahrscheinlich antworten, man könne nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Im Fall der Zogajs gebe es klare Urteile, im Fall Grasser nur Vermutungen, Pröll sei gegen Vorverurteilungen (Grasser sagt "Hexenjagd" ).

Die Wirklichkeit zeigt ein anderes Bild. Bei den Zogajs nimmt man eine von den Kirchen zwar beschützte, von der Politik mit Ausnahme der Grünen jedoch plakatierte Causa, um aller Welt zu verkünden: Wir sind kein Zuwanderungsstaat. Bei Grasser stilisiert man de facto eine Rechtslage à la Russland oder Italien und verkündet dem neugierigen Ausland: Kommt nur, kommt. Wir sind ein Gastland - mit einem sehr effizienten ungeschriebenen Bleiberecht für einheimische und fremde Gauner.

Populismus ist in der Politik nicht verboten, so er nicht auf autoritär linke oder rechte Abwege gerät. Das Kreuz mit bekennenden Christen wie Josef Pröll ist, dass sie immer mehr reden und immer weniger tatsächlich tun. Und wenn, dann mehr für die Mächtigen und fast nichts für die von ihnen Getretenen.

Das Land überzieht eine schwüle Geschwätzigkeit mit Opernball, Life Ball und Zeltfesten. Dazwischen wird abgeschoben und abgehoben, was das Zeug hält. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2010)

Kommentar posten
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Walter Tiefenthaler
13.09.2010 13:42
guter artikel...

...das erste mal, dass grasser im standard indirekt als gauner bezeichnet wurde. offenbar laesst ihn das establishment jetzt fallen.

Chris_SM
19.07.2010 18:48
Kampagnenjournalismus

Aus dem Standard-Sommergespräch,dass hier nachzulesen ist:
Fr. Grasgruber:
Ein Bleiberecht für ale die länger als 5 Jahre hier sind, wäre sinnvoll.
Darauf Pröll:
Ein Bleiberecht wäre ein Signal, dass jeder kommen soll.

Was macht Sperl daraus.
Er reisst das Pröll-zitat aus dem Zusammenhang und setzt es wider besseren Wissens mit Arigona in Verbindung. Schaut so Qualitätsjournalismus aus? Definitiv nicht! Emotionen schüren, Fakten weglassen, bzw. sie verdrehen, all das sind Methoden des Boulevards. In der Arigona-Berichterstattung hat dieses Blattl längst das Niveau der Krone unterschritten. Aus dem Standard wurde der Substandard.

Hawkwind
19.07.2010 15:36
also kann man sich keine legalisierung von cannabis von der aktuellen regierung erwarten?

...schade eigentlich...

würde mehr steuereinnahmen und weniger hardcore-drogensüchte einbringen...

Hawkwind
19.07.2010 16:19
industrie-(nutz)hanf

... wurde in den 20ern beginnend fortlaufend diffamiert, sofern man gegenstände diffamieren kann.

General Motors, sowie natürlich den Öl-Lobbies gefiehl die idee der sauberen energiewirtschaft nicht sonderlich und so wurde den amerikanern etwas simples eingebläubt:"Hanf ist phöse".

Egal ob industrie-hanf oder nicht.

Neben den wirtschaftlich-pekuniären vorteilen ergeben sich auf neue ansätze für medizin wie zum beispiel für die krebsforschung oder andere forschungsfelder.

Arnie machts in kalifornien vor, holland ist sattsam bekannt und in tschechien darf man auch ein paar pflänzchen für den eigenbedarf haben.

und ein t-shirt aus hanf - das wär doch was. ist baumwoll produkten gegenüber auch widerstandsfähiger...

New Hampshire
19.07.2010 15:20
Populisten wo man hinschaut

Der Artikel stimmt zu 100 %....

Aber diese Populisten-Ansammlung ist doch eh überall - wo man hinschaut die selbe Masche.

Pröll unterscheidet sich doch kein bisschen von Faymann, Cap, Pilz, Hundstorfer, Westenthaler oder Mölzer.

Alle werden vom selben Schlag von Spin-Doktoren gedrillt...

Die heilige Formel heißt: Kurz, prägnant, einfach & dreckig für den Gegner...und nur ja keine Substanz und Details, weil da schaltet der Wähler von heute s' Kopferl ab...

Darum, fängt bei unseren Politikern jeder Satz in etwa so an:

"Den Häuslbauern in diesem Land ist es unzumutbar bla, bla bla,"

"Wir müssen abschieben, denn Recht muss Recht bleiben, bla, bla, bla"

"Die Autofahrer können sicher sein, dass ich mich für Sie bla, bla,

Hawkwind
19.07.2010 16:25
ja, leider...

für etwas mehr am politischen geschehen interessierte menschen ist es in österreich kaum auszuhalten...

diese abwärtsspirale der verdummung...

vergegenwärtigen Sie sich noch einst den inhalt Ihres kommentars... sie haben zu 100% recht und das ist so traurig und eigentlich unfassbar... facepalm, facepalm wenn man interviews liest oder sieht/hört...

i-phone-4-linkstelefonierer
19.07.2010 14:49
ähnliche sätze hört man übrigns auch vom herren bundeskanzler zuhauf

haben anscheinend die gleichen berater.

Prölls Leistungsträger & die fidele Banksterbagage
19.07.2010 14:26
Wahre und zielsichere Worte wie diese von Herrn Sperl sind im heutigen verkrümmten Kommerz-Unterhaltungs-Zeitgeist,

der vorgibt lustig zu sein, aber eigentlich zutiefst unlustig ist, wahrlich selten geworden
-aber umso wertvoller.

Tycho Brahe
19.07.2010 13:23
Herr Sperl geht von einem Diktum Prölls aus,

ich würde es eher zerlegen und von einem Dick und Dumm schreiben. Das würde der Wirklichkeit wesentlich näher kommen.

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
19.07.2010 13:15
wer nichts unrechtes tut, hat auch nichts zu befürchten, wenn

seine konten geöffnet werden oder die parteispenden veröffentlicht werden.

transparenz ist dem hrn. pröll nur bedingt wichtig. ansonsten kommt meist nur der standardisierte palaver.

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
19.07.2010 13:24
zusatz:

würde das (benachbarte) ausland interesse an österreichs polit-geschehen haben, dann müsste man sich auf grund der akteure laufend fremdschämen.

Finn McCool
19.07.2010 11:52
"Die Beschleunigung der Untersuchungen im Fall Grasser wäre ein Signal, dass nicht jeder tun kann, was er will."

JEDER kann eh nicht tun, was er will. Sondern nur ÖVP-Günstlinge.

Hawkwind
19.07.2010 15:52
ja! "wäre ein signal"... mal sehen was dem lieben karl-heinz wirklich nachgewiesen wird...

... wird wahrscheinlich eh ein lercherlschaß sein...

Nachtwerker
 
19.07.2010 11:49
Danke für diesen Beitrag ...

Herr Sperl!

honni soit
19.07.2010 12:47
Stimmt, der war wirklich lustig!

the hoxton fives
19.07.2010 11:27
weitere beispiele für rechtsstaat

steht sicher schon unten in postings - grasser nicht das einzige beispiel, wo man den rechtsstaat nicht so durchsetzen muss: ortstafeln!!! und es gibt noch dutzende weitere fälle, am besten einfach im falter-klenk-artikel der letzten 10 jahre zusammenfassen, wo man es nicht für notwendig gehalten hat, dem rechtsstaat priorität einzuräumen. insoferne find ich die argumentation prölls und fekters wirklich übel.

cato48
21.08.2010 14:04
Ich denke, dass der Pröll....

...seine "CSI Hypo" nur deshalb ins Leben gerufen hat, um seine Parteifreunderln aus der Sache herauszuhalten.
Ich denke da so an Martinz, der doch auch schon in gewisse Machinationen verwickelt war.

dieDenker.org/oberdenker
19.07.2010 11:19
Österreicher immer rechter?

Ich komme vom Land und dort scheint mir, dass sowohl junge als auch ältere Leute immer rechter (ausländerfeindlicher und heimatverbundener) werden. Dagegen ist es leider schwer anzukommen, aber ich denke, es geht nicht ohne auf die Ängste dieser vermehrten Rechten einzugehen:

http://www.diedenker.org/inhalte/v... .php?t=878

Der Kommentar oben ist zwar gut, aber auch wieder hauptsächlich "kämpferisch" und wird somit also wohl eher die bereits bestehenden Zogaj-FreundInnen bestätigen als kritischer Gesinnte zum Nachdenken bringen.

Emotionale Pro-Zogaj-Kommentare bräuchte es in der Kronenzeitung, nicht im Standard.

Worthülse (geschüttelt)
19.07.2010 10:14

Gute Anale-Lyse ;)

opt2290
19.07.2010 10:25

Ich habe nichts dagegen, wenn Braunes zerfällt.
Schütteln Sie also ruhig weiter!

opt2290
19.07.2010 09:56
"keine gesicherte Plattform zur Verkündigung"

O.K., wir sind ein Land mit ausgeprägter katholischer Tradition.
Trotzdem ist in diesem Zusammenhang das richtige Wort "Verkündung".

"Verkündigungen" überlassen Sie bitte dem Evangelium, Herr Sperl.

verleih nix
19.07.2010 11:24
sicher?

ich denke herr pröll hält seine aussagen schon für das evangelium. und für mich ist die övp auch mehr sekte als partei. ich denke das passt schon so.

Chris Quast
19.07.2010 11:48

und die spö ist weder eine sekte noch ne partei, für mich ein aussterbender pensionistenverein. (övp dürfte noch bissal was im mittelalter haben, aber sonst schaut es für die reg. parteien zappenduster aus !!!)

in sonntagskrone würden laut umfrage die 16-29jährigen so wählen wenn ich es richtig erinner
23% spö
18% övp
24%! fpö
24% eigentlich auch ! grüne
10% bzö

und ich glaub wo die spö eine überpropanteil in der gruppe 65+ hat, dürfte die övp die spö in der gruppe 30-65 übertreffen.

beide sind aber unter 30%

Worthülse (geschüttelt)
19.07.2010 10:17

Das Evangelium ist eine "frohe Botschaft"

bis jetzt höre ich von Christen wenig derartiges

nbergmann
19.07.2010 09:45
Kein wirksames Signal

Wenn künftig irgendwo Krieg oder Hunger herrscht, wird sich dort niemand an eine Arigona aus Österreich erinnern, sondern einfach nur flüchten! Österr. Politiker wie Fekter, Pröll und Co. sind ignorante Wohlstandskinder und sonst gar nix.

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