Zollitsch wollte Kindesmissbrauch vertuschen

18. Juli 2010 17:09

Erzbistum Freiburg: Versuch der Schadensbegrenzung - "Heute wissen wir es besser"

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch soll einem Medienbericht zufolge versucht haben, einen Fall von sexuellem Missbrauch durch einen Priester zu vertuschen. Das ARD-Fernsehmagazin "Report Mainz" zitierte aus einem Brief, in dem Zollitsch 1995 in seiner Funktion als Personalreferent verfügt habe, dass die betroffene Gemeinde im badischen Oberharmersbach über wesentliche Details des Missbrauchsskandals nicht informiert werden sollte.

Zollitsch bezeichnet Auklärung als Racheakt

"Eine solche Aufklärung hätte zudem (...) nur noch den Sinn eines Racheaktes gegenüber einem alten und kranken Mann. (...) Eine solche nachträgliche Rache nützte niemandem und würde einen Menschen ohne Not in den Ruin oder gar Tod treiben", schrieb Zollitsch dem Bericht zufolge. Ein Gemeindepfarrer hatte in Oberharmersbach mehr als 20 Jahre lang Kinder und Jugendliche missbraucht.

Das Erzbistum Freiburg betonte am Sonntag in einer Mitteilung, niemand habe in Oberharmersbach etwas vertuschen wollen. "Die damals Verantwortlichen haben versucht, den Schaden zu begrenzen und sexuellen Missbrauch zu verhindern", hieß es in der Mitteilung.

Erzbischof: "Wir hätten konsequenter vorgehen müssen" 

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.)" bezeichnete Erzbischof Zollitsch es als Fehler, damals die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet zu haben. "Mit dem Blick von heute ist mir klar: Wir hätten konsequenter vorgehen und mit größerem Nachdruck nach weiteren Opfern suchen und suchen lassen müssen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

"Heute wissen wir es besser"

Der Gedanke, von einer Einschaltung der Staatsanwaltschaft auch zum Schutz der Opfer abzusehen, sei falsch gewesen. "Wir glaubten zu dieser Zeit, dies sei die beste Entscheidung, die auch zur Heilung der Wunden und zur Versöhnung in Oberharmersbach beitragen kann. Heute wissen wir es besser. Wir haben dazugelernt." Damals sei auch das unglaubliche Ausmaß des Missbrauchs nicht bekanntgewesen. Man habe den Pfarrer, einen gebrochenen, suizidgefährdeten Mann, nicht in den Tod treiben wollen. "Und wir waren davon überzeugt, dass wir mit einer Anzeige große Unruhe in die Gemeinde Oberharmersbach tragen würden - bis hin zur Entzweiung von Familien."

Zollitsch hatte bereits vor einer guten Woche persönliche Fehler eingeräumt. Er hätte als Personalreferent den Hinweisen schon 1992 mit größerem Nachdruck nachgehen sollen. Dafür hatte er sich bei den Opfern entschuldigt. (APA)

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22 Postings
Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
19.07.2010 20:52
http://kurier.at/nachricht... 017934.php

Damit's nicht ganz einschläft.

momodeluxe
19.07.2010 12:16

der heilige geist hätt es besser wissen können.

hat wohl niemand auf ihn gehört.

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
19.07.2010 11:49
Wo es nichts mehr zu vertuschen gibt wird

Heilung und Versöhnung herbeigehüstelt. Natürlich aus "heutiger Sicht". Ein hingeworfenes "Entschuldigung" ist eventuell auch noch drinnen.

Lichtfreak
19.07.2010 11:29
heute wissen wir es besser?

Sobald verantwortbar gegenüber den Kirchenoberen wird wieder vertuscht werden.

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
19.07.2010 10:11
Heute wissen wir es besser.

Heute stehen wir mit dem Rücken zu Wand und können nicht mehr leugnen, lügen und die Schuld umkehren wie noch vor kurzer Zeit. Heute genießen wir nicht mehr die Narrenfreiheit im Dunstmäntelchen des Weihrauchs mit dem wir die Masse einnebeln konnten. Zwar stottern und hüsteln wir noch von "Rachefeldzug" und verkappten "68-ern", aber so richtig glauben wir das eh nicht. Wir sind frech,aber auch das zieht nicht mehr so richtig.

FranzKpunkt
19.07.2010 10:01

Ob ihm bewusst ist das man in einem Rechtstaat lebt, wo jeder vor dem Gesetz gleich sein sollte. Egal wie alt er ist ein Verfahren wird angestrebt und dann muss der Richter über eine mögliche Prozessunfähigkeit entscheiden. Die Kirche soll mal anfangen zu begreifen, dass sie nicht mehr überstaatlich ist, sondern zumindest ihre Anhänger den Gesetzen des jeweiligen Landes unterliegen.

criticus maximus
19.07.2010 09:18
Zitat von den "Wise Guys" letzten Dienstag beim Konzert in Ulm:

"Vor dem nächsten Lied müssen wir betonen, dass wir den Text geschrieben haben, als das Kloster noch als ein Ort sexueller Enthaltsamkeit gegolten hat!"

schafmeister
19.07.2010 08:02
Verkehrte Moral

Liebe den Täter und lass die Opfer weinen.

19k
19.07.2010 10:22
oder mache gleich das Opfer zum Täter

Dr. Seltsam
 
19.07.2010 08:01

Bei sonstigen "schweren Sünden", wie das Scheitern von Ehen, ist die Kirche nicht so barmherzig.

potamu
18.07.2010 20:19
"Mit dem Blick von heute ist mir klar: Wir hätten konsequenter vorgehen ... müssen."

Das geschilderte Verhalten war in gewisser Weise durchaus "konsequent", insofern es den beteiligten Verantwortlichen nach Auskunft von erbischof Zollitsch auch um ein konsequentes Vermeiden von "Unruhe" ging. Eine www.atheistische-religionsgesellschaft.at könnte sich vermutlich kein besorgniserregenderes Muster konsequenten kirchlichen Aufsichtsverhaltens aus den Fingern saugen :(
Der Umstand, dass das kirchliche Verhalten Konsequenzen hat, war dem damaligen Personalreferenten offenbar auch damals klar: "Wir glaubten zu dieser Zeit, dies sei die beste Entscheidung, die auch zur Heilung der Wunden und zur Versöhnung in Oberharmersbach beitragen kann" ... und das wirkt leider Gottes - auch "mit dem Blick von heute" - nicht gerade beruhigend.

Gerhard Müller
18.07.2010 19:35
Ich erinnere mich noch - und es ist nicht lange her -

da wurde generell jeglicher Missbrauch durch Pfarrer abgestritten. Jeglicher.

Es gibt nur Missverständnisse. Und es gab nur Jugendliche und Kinder, welche sich den Priestern sexuell anbiedern.

Als Folge der sexuellen Revolution.

Ja, und wie schaut es heute aus? Eher so, dass man jedem Priester eher prophylaktisch Missbrauchsabsichten unterstellt. Traurig, aber schon unsere Großeltern wussten um diese Dinge, seeehr lange vor der sexuellen Revolution.

Früher hat man halt die wilden Zwanziger für sowas verantwortlich gemacht.

19k
19.07.2010 12:27
und

wenn sich sonst nichts mehr findet, dann ist der Teufel schuld.

Erwin Wolfram
18.07.2010 18:36

Uebersetzung

Wir haben gut verdient daran und jetzt kann uns niemand etwas nachweisen, denn es ist verjaehrt und den Schaden tragen die Anderen und jedesmal, wenn uns einer nicht traut, dann verdienen wir noch mehr, denn was kann er tun, ausser uns befragen? Recht(s) so!

abalada
18.07.2010 23:08

Vertuschen?
"Nach dem Tod (Anm: Selbstmord) des langjährigen Pfarrers hielt der Dekan des Dekanates Offenburg-Kinzigtal im Auftrag von Erzbischof Oskar Saier einen Gottesdienst in Oberharmersbach: Er informierte die Gemeinde über die Missbrauchsvorwürfe und lud Opfer ein, sich zu melden. "
Daran verdienen?
"Bei dem als Ansprechpartner benannten Psychotherapeuten meldeten sich 17 Betroffene. Soweit eine Therapie gewünscht war, wurde diese durch das Ordinariat finanziert."

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
19.07.2010 10:57
Er lud die "Opfer" ein, sich zu melden.

Nach dem Selbstmord...und nachdem siebzehn Missbrauchte bekannt wurden ?
Das finde ich sehr großzügig.
Werte/r abalada, zu spät, viel viel viel zu spät! WAS soll den "gut gemacht" werden? Jubeln sie doch nicht so weil das Ordinariat Psychotherapien finanziert hat. Ja bitte. Was wollen Sie uns denn sagen? Siebzehn zum Teil für Lebzeiten unter diesen kriminellen Handlungen quasi neben den Schuhen stehende Menschen, ein Priester der keinen andeeren Ausweg mehr fand als den des Suizides? Da ist wohl mächtig was schiefgelaufen.Meinen Sie nicht auch? Die Psychotherapiekosten kann sich das Ordinariat doch sonstwo hinstecken.

abalada
19.07.2010 23:35

Ich habe nur ein paar Fakten ergänzt. Man hat sich da besser als in den meisten ähnlich gelagerten Fällen verhandelt. Für andere wäre der Fall nach dem Tod des Pfarrers erledigt gewesen. Und gezahlt habe andere auch nicht.

Das ist natürlich kein Grund zum Jubeln. Habe ich auch nicht. Man kann das Geschehene ohnehin nicht rückgängig oder wieder gut machen. Zum Jubeln wäre ohnehin nur wenn es gar keine Fälle gäbe.

Sie erinnern mich aber an einen Lehrer der zu verstehen gibt "egal was Du machst, Du wirst es ohnehin nie schaffen". Ich finde dass man auch kleine Schritte welche in die richtige Richtung gehen anerkennen muss. Ist halt eine 5 statt einer 6. Ausreichend ist das noch nicht. Gut schon gar nicht.

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
18.07.2010 17:35
die auch zur Heilung der Wunden und zur Versöhnung in

Na dann passt's ja.

Gerhard Müller
18.07.2010 19:37
Aber er hat sich doch eh entschuldigt!

Willst du vielleicht, dass diese Leute auch noch Verantwortung übernehmen?

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
18.07.2010 19:44
So progressiv bin ich wiederum nicht.

Der Watschen Walter hat ja auch lange gebraucht, bis er es beriffen hat.

puwit
19.07.2010 09:58

begriffen allein mir fehlt der glaube

Quasis Herr Karl
Quasis Herr Karl
19.07.2010 10:04
Mir auch :-)

Der Watschen-Walter wurde wenigstens zurückgetreten, der Watschen-Elmar denkt nicht einmal daran. Das ist der Unterschied zwischen der r.k. in Deutschland und der r.k.Kirche in Österreich. Hier hat Unverschämtheit noch einen veritabel hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Vielleicht sollten die Misshandelten sich bei den Tätern entschuldigen?

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