Ein Granulat speichert Flüssigkeit im Boden, um sie bei Bedarf an die Pflanzen abzugeben - Das Ziel: Wasser sparen, Erträge steigern
Auf Feldern oder in Gärten versickert und verdunstet ein Großteil des Gießwassers, ohne dass es die Pflanzenwurzel aufnehmen kann. Um das zu vermeiden und der Wasserknappheit entgegenzusteuern, hat ein Frankfurter Unternehmen einen Bodenhilfsstoff entwickelt, der das Wasser im Boden speichert.
Das Hybridmaterial in Granulatform nennt sich "Geohumus" und besteht aus anorganischen, fein gemahlenen Gesteinsmehlen und aus superabsorbierendem organischem Polymer. Der Ursprungsstoff für das Polymer wird aus Propangas und/oder nachhaltigen Rohstoffen wie Stärke oder Glycerin gewonnen.
Wasser an Pflanzen abgeben
Herkömmliche Superabsorber, wie sie zum Beispiel für Windeln verwendet werden, nehmen zwar Flüssigkeit auf, geben sie aber nicht mehr ab. Anders Geohumus: Das Polymernetzwerk nimmt unter Volumenausdehnung einen großen Teil jenes Wassers, das sonst versickern oder verdunsten würde, auf. Es kann das bis zu 40-fache seines Eigengewichtes an Wasser speichern. Bei Bedarf wird die Flüssigkeit durch die Saugspannung, die die Pflanzenwurzeln aufbauen, an die Pflanze abgegeben. Die Folge: Man braucht weniger Gießwasser, die Pflanze wird gleichmäßiger mit Flüssigkeit versorgt.
Das Neue daran ist, dass die Eigenschaften von Superabsorbern und nährstoffliefernden Gesteinsmehlen in einem einzigen Partikel kombiniert sind. Die Bestandteile sind chemisch fest miteinander verbunden, bei der Anwendung kann keine Entmischung auftreten. Das Polymer kümmert sich um das Speichern von Wasser, die Gesteinsmehle versorgen die Pflanzen mit Mineralien und Nährstoffen und sind für Strukturstabilität und Bodendurchlüftung verantwortlich.
Forschungsprojekte
Bei einem Forschungsprojekt in Ägypten wurde der Bodenhilfsstoff in Zusammenarbeit mit der Universität Ismailia auf einer Mangoplantage getestet. Das Ergebnis: bis zu 34 Prozent mehr Fruchtertrag und bis zu 40 Prozent Wasser-Ersparnis. Ein Dattelpalmen-Projekt in Saudi Arabien zeigte, dass der Hilfsstoff nicht nur bei normaler Bewässerung, sondern auch bei reduzierter oder überhöhter Bewässerung effektiv ist.
Weniger Chemie
"Dank des Bodenhilfsstoffs spart man sich jedes dritte Gießen. Zudem wird auch das Auswaschen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln vermindert", erklärt Michael Ilg vom gleichnamigen Unternehmen Geohumus. Dadurch müsse weniger Chemie eingesetzt werden, das Grundwasser werde weniger belastet. Die wasserspeichernde Wirkung soll je nach Bodenart und - beschaffenheit zwischen drei und fünf Jahre lang halten.
Das Unternehmen betont, dass Geohumus keine Schadstoffe enthalte und folglich auch keine im Boden hinterlasse. Die Gesteinsmehle würden natürlich verwittern, der organische Anteil zerfalle in Kohlenstofdfioxid (CO2) und Wasser, der Abbauvorgang dauere mehrere Jahre. Zu den Einsatzgebieten gehören neben privaten Gärten auch Sportplätze, Parks, landwirtschaftliche Sonderkulturen. Unfruchtbare Flächen sollen durch das Granulat reaktiviert werden, von Verwüstung bedrohte Gebiete fruchtbar gehalten. (red, derStandard.at)