Nicht ums Kneippen geht es, sondern um den B10, den über 100 Kilometer langen Radweg rund um den Neusiedler See
Hydranten mit Pipen, die den Radweg säumen, sind schon was Feines. Nur ein See oder das Meer ist noch reizvoller. Dazu muss man seine Rad-Tour von der angestammten Route aber einmal verlegen. Jetzt im Sommer bietet sich etwa der Radweg B10 rund um den Neusiedler See an.
Auf 133 Kilometern kommt man mit dem Rad einmal um den ganzen See. Der Radweg ist keine Rennstrecke, sondern wegen seiner geringen Steigungen auch für Familien oder Menschen geeignet, die lieber noch selber treten statt den Elektromotor schuften zu lassen. Obwohl: Soll jeder tun, wie er will.
Auf der burgenländischen Seite des B10 - der Teil durch Ungarn ist rund 38 Kilometer lang - gibt es zehn Rastplätze. Manche von ihnen sind direkt am See, aber jedenfalls immer so angelegt, dass man eine schöne Aussicht hat.
Immer wieder führen Abstecher direkt an den See, wie in Neusiedl am See oder Weiden. In Breitenbrunn, Rust, Podersdorf und im Süden, an der Grenze zu Ungarn, bei Illmitz, sind diese Wege auch Abkürzungen zum anderen Seeufer, wenn man dort auf die Fähre springt. Durch die Fährverbindungen kann man sich seinen Radausflug auch in kleine Etappen einteilen und Abschnitte auslassen.
Welchen Teil man auslassen sollte, wenn es denn schon sein muss, hängt wohl von den eigenen Vorlieben ab: Wein, Ungarn oder Natur? Zwischen Podersdorf über Illmitz nach Apetlon fährt man mitten durchs Vogelparadies, kommt an der Langen Lacke und dem Zicksee vorbei. Zudem ist in Apetlon der tiefste Punkt Österreichs, in Illmitz steht das älteste Bauernhaus des Seewinkels und in Podersdorf der bekannte Leuchtturm. Und Podersdorf ist auch die Gemeinde, in der jedes Jahr die vorletzte Etappe der Österreich Rundfahrt startet. Am Platz der Rad-Champions haben sich Eddy Merckx, Laurent Fignon und Francesco Moser verewigt - und wer es schon nicht schafft in deren Fußstapfen zu treten, kann wenigstens in deren Handabdrücke reinlümmeln.
Der ungarische Teil des B10 führt zwischen Mörbisch und Pamhagen an Fertöd, wo die ehemalige Sommerresidenz der Familie Esterhazy steht, und an Sopron mit seinem Feuerturm und seiner sehenswerten Altstadt vorbei. Im Sommer finden im Steinbruch in Fertörakos Konzerte statt - bekannter sind da aber die Seefestspiele in Mörbisch, wo heuer der Zarewitsch gespielt wird. Um zu den Opernfestspielen in St. Margarethen zu kommen - von 14. Juli bis 29. August steht die Zauberflöte auf dem Programm - muss man allerdings einen kleinen Umweg machen und den B10 verlassen.
In Purbach steht der Türke, in Breitenbrunn gibt es ein Turmmuseum, und die Kirche in Neusiedl am See lockt mit seiner Fischerkanzel. Aber wirklicher Anziehungspunkt des B10 ist wohl trotzdem der See. Die brennenden Waden im schlammigen Steppensee abkühlen und dabei aufpassen, dass einem kein Surfer mit der Finne die zur Badeshort umfunktionierte Radlerhose fischt, ist sicher feiner, als am Abend verschwitzt vor der Seebühne in Mörbisch nach Gelsen zu pracken und zu hoffen, dass jene, die man nicht erwischt hat, einen derartigen Laktatrausch bekommen, dass sie mit Harald Serafin um die Wette singen.