Kontrollmöglichkeiten

Rechnungshof will alle Gemeinden prüfen dürfen

18. Juli 2010, 08:37

Ausweitung bis 10.000 Einwohner "Schritt in die richtige Richtung" - Keine Parteispenden-Kontrolle - Moser drängt auch auf Verwaltungsreform

Wien - Die geplante Ausweitung der Prüfkompetenzen bei den Gemeinden bezeichnet Rechnungshofpräsident Josef Moser als "Schritt in die richtige Richtung". Allerdings strebt er weiterhin die Einbeziehung aller Kommunen in die Rechnungshofkontrolle an. "Wir haben immer darauf hingewiesen, dass es notwendig wäre, alle Gemeinden in die Prüfkompetenz einzubeziehen", so der Rechnungshofpräsident. Doppelprüfungen zwischen Rechnungshof und Landesrechnungshöfen würde man in diesem Fall durch entsprechende Koordination vermeiden.

Kontrolle ab 10.000 Einwohnern

SPÖ und ÖVP haben sich im Juni auf Druck der Opposition darauf geeinigt, dem Rechnungshof zumindest die Prüfung aller Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern zu erlauben. Ob die Kontrollbehörde darüber hinaus noch die Möglichkeit erhält, im Fall von Budgetturbulenzen auch kleinere Kommunen unter die Lupe zu nehmen, wird noch verhandelt. Moser würde das als weiteren Schritt in die richtige Richtung begrüßen, betont aber, "den parlamentarischen Beratungen nicht vorgreifen" zu wollen.

Grundsätzlich seien all diese Regeln aber nur "Hilfskriterien, die nicht den Umstand beseitigen, dass alle Gemeinden in die Prüfkompetenz mit einbezogen werden sollten", betont Moser. Die Politik habe jedoch signalisiert, dass für ein derartiges Modell derzeit "ein parlamentarischer Kompromiss nicht erreichbar wäre".

Die nun zwischen Regierung und Opposition verhandelte Ausdehnung der Gemeindeprüfungen würde es dem Rechnungshof aber immerhin erlauben, 71 (statt bisher 24) der 2.356 Gemeinden (ohne Wien) in Österreich von sich aus zu prüfen. Außerdem entfallen auf diese Gemeinden laut Moser 38 Prozent der gesamten kommunalen Ausgaben, womit auch verlässlichere Vergleichsanalysen ("Benchmarks") und Aussagen über die Mittelverwendung der Gemeinden möglich würden.

Keine Prüfung der Parteispenden

Zurückhaltend äußert sich Moser zur derzeit ebenfalls zwischen Regierung und Opposition verhandelten Offenlegung von Parteispenden. Grundsätzlich habe der Rechnungshof immer Interesse an Transparenz, die Verhandlungen seien aber Sache der Parteien. Einmal mehr stellt Moser allerdings klar, dass der Rechnungshof, anders als von der Politik immer wieder behauptet, derzeit keine Prüfung der Parteispenden vornimmt kann. Spenden über 7.260 Euro müssten dem Rechnungshof lediglich gemeldet werden, eine Kontrolle sei aber nicht möglich. Vorgesehen ist lediglich, dass der Rechnungshof auf Ersuchen der jeweiligen Partei bekanntgibt, ob eine bestimmte Spende deklariert wurde oder nicht. Vorgekommen ist dies allerdings noch nie.

Nägel mit Köpfen bei Verwaltungsreform

 

Rechnungshofpräsident Josef Moser fordert die Regierung auf, bei der nächsten Verwaltungsreform-Runde Ende August Nägel mit Köpfen zu machen. "Wollen sie die Lösungsvorschläge umsetzen oder wollen sie sie nicht umsetzen? Es liegen alle Punkte am Tisch und die Regierung wird erklären müssen, was der politische Wille ist", betonte Moser. Mangelnden Reformwillen ortet Moser nicht nur bei den Ländern, sondern auch beim Bund: "Reformresistente gibt es in allen Bereichen, keine Gebietskörperschaft ist davon ausgenommen."

Drei Wetterdienste

Als Beispiel verweist Moser darauf, dass sich der Bund nach wie vor drei Wetterdienste leistet - die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, den Wetterdienst der Flugsicherung Austro Control und jenen des Bundesheeres. "Das ist ein Unikat, aber dessen ungeachtet ist man nicht in der Lage, die drei Wetterdienste zusammenzulegen", kritisiert Moser. Dass die von der Regierung stattdessen geplanten Maßnahmen tatsächlich die erwarteten Synergieeffekte bringen, bezweifelt Moser und kündigt eine neuerliche Prüfung an. Das Ergebnis werde demnächst vorliegen. "Man muss schauen, dass man den Kreis der Reformwilligen steigert, um das Leben der Reformresistenten schwerer zu machen", so Moser.

Beamtenpension und Bildungsreform

Auch bei den Beamtenpensionen und bei der Bildungsreform würden mittlerweile Reformkonzepte am Tisch liegen, nur der politische Wille sei noch ausständig, betont Moser. Allein durch Pensionsreformen in den Ländern könnten bis 2049 noch bis zu 500 Mio. Euro eingespart werden - der Löwenanteil in Kärnten, dessen Pensionsreform der Rechnungshof nach wie vor als ungenügend beurteilt. Im Bildungsbereich schlägt Moser u.a. eine Konzentration von Gesetzgebung, Qualitätssicherung und Budget beim Bund vor. Die Kontrolle sollte auf regionaler Ebene stattfinden, die Schulen weitgehende Autonomie erhalten. Für alle Lehrer soll künftig ein einheitliches Dienstrecht gelten.

Einmal mehr plädiert Moser auch für Umschichtungen im Gesundheitsbereich: So könnten Tausende "Akutbetten" in den Krankenhäusern abgebaut werden, um im Gegenzug mehr Geld in Pflege und Prävention investieren zu können. Diese Debatte dürfe aber nicht auf die Schließung von Krankenhäusern reduziert werden. "Solche Debatten, wenn sie verkürzt durchgeführt werden, führen dazu, dass eine notwendige Reform von Haus aus nicht in Gang gesetzt wird."

Nicht einmischen will sich der Rechnungshofpräsident in den zwischen Regierung und Parlament geführten Terminstreit ums Budget. Hier hätten sich sowohl das Parlament als auch der Präsident des Verfassungsgerichtshofes klar geäußert. Er pocht allerdings auf Einbeziehung von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung in die Budgetkonsolidierung: "Wenn nur einer spart, wird das zu wenig sein - wird brauchen alle Gebietskörperschaften." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 42
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fredi1990
00
20.7.2010, 12:38
ganz einfach!

alle ortstafeln in kärnten abmontieren!

Baer8
00
19.7.2010, 12:34
Gerade die kleinen Gemeinden sollten schnellstens geprüft werden...

Was hier mit dem Geld der Steuerzahler passiert ist für den Laien so gut wie gar nicht nachvollziehbar. Mit dem Geld der Steuerzahler muß in jeder Gemeinde sorgfältig umgegangen werden, unabhängig von der Größe. Daß die Parteispenden geheim gehalten werden sollen ist ein Skandal und spricht für sich. Der Wähler sollte hier endlich einmal die Konsequenzen ziehen.

Albert Wittwer
02
19.7.2010, 12:14
die Prüfung der Prioritäten

1. bekanntlich reicht das Geld nicht für alle Wünsche. Dann kommen die Schnapsideen: Cross-border-Leasing, Private Public Partnership, Pseudo-Privatisierung. Das verteuert in Wahrheit alles. Die Rechnung kriegt immer der Steuerzahler. Und die Rechnungshöfe kritisieren diese Schnaps-Pseudo-Finanzierungen. Immerhin. Danke Rechnungshof.
2. Geklaut wird in den Gemeinden ja nicht. Deswegen brauchte es keine Sonderprüfung. Allerdings neigen die öffentlichen Hände dazu, teuer zu kaufen und billig zu verkaufen....Untreue? Lieber Rechnungshof, prüfe diese Geschäfte.
3. Prestigeprojekte, mit denen sich die kleine und größere öffentliche Hand übernimmt. Man vergleiche zwischen den Gesamtkosten bei Projektbeginn und bei der Abrechnung!

Giftspritze
02
19.7.2010, 11:36
Der "Schritt in die richtige Richtung" ist ja ganz nett...

Aber der springende Punkt ist, selbst wenn der RH alle Gemeinden prüfen 'darf' wird es bei den Unbelehrbaren genau keine Auswirkung haben, wenn es keine Konsequenzen gibt die zB bei Verschuldung schlagend werden.

Generell sollte bei Verwendung von Steuerzahlergeldern eine RH-Prüfung Pflicht und nicht Kür sein.

Genauso wie es selbstverständlich sein sollte, das ALLE Gebietskörperschaften koordiniert bei der Budgetkonsolidierung vorgehen und nicht wie jetzt, jeder in seinem Schrebergarterl vor sich hin werkelt und neidisch auf den Nachbarn schielt.

Anton D.
00
20.7.2010, 13:09
Mit dieser Haltung sind Sie für mich wählbar.

Wann und wo treten Sie an?

Wieviel Demokratie ist es bitte?
11
19.7.2010, 11:24
Wozu?

Der beste Prüfer ist das *Auge*.

Die meisten Gemeinden sehen aus, als hätten sie 200 Jahre lang nichts mehr geliefert bekommen, was man für Geld kaufen kann.

Rotten ghost towns, full of fat ugly redneck people with too much time on their hands.

Trotzdem sind sie pleite, als hätten sie mordsmäßig investiert.

Andere wiederum fallen dadurch auf, daß sie mehr Zeug rumstehen haben, daß man für Geld kaufen kann, als es von ihrer Substanz her möglich ist - das aber meistens gruppiert um aufgeplatzte Patchworkstraßen - und Gehwege der Marke Knöchelbruch und Sehnenriß.

Result: in beiden Fällen ist es nicht schwer herauszufinden, wen man dafür verhaften muß.

Easy, huh?

österreich mafia - övp
01
19.7.2010, 10:25
gemeinden müssen geprüft werden

nicht darum bitten, 3x im jahr prüfen
schließlich wird auch in gemeinden viel steuergeld verschwendet.

zb. ist der bürgermeister, gemeindebediensteter
wird er zum teilzeitbürgermeister, bekommt doppelt lohn und pension obwohl er als gemeindebediensteter nichts mehr leistet für die gemeinde...

hallo gehts noch

österreich mafia - övp
11
19.7.2010, 10:24
kann man ein gemeindeamt klagen

kann man den bürgermeister klagen
kann man die gemeindebedienstete klagen

nein ? warum nicht !

aber der standardleser ist ja der meinung so gscheit zu sein ?

ewi45
00
19.7.2010, 21:30
meines wissens..

..kann man einen bürgermeister, gemeindebed. klagen.
wenn ein bürger zu schaden kommt, ist eine klage möglich.
sollte es dann zu einer gerichtlichen verurteilung kommen, bezahlt eine eventuell vorhande haftpflichtversicherung.

Albert Wittwer
02
19.7.2010, 09:58
alle Spenden deklarieren

Spenden an die Vorfeld-Organisationen müssen gar nicht gemeldet werden, etwa an den Wirtschaftsbund. Der finanziert dann seine Lieblingspartei, die ihm, wer zahlt schafft an, auch gehört. Das sollte alles dringend deklariert werden müssen. In anderen Ländern ist das ein Delikt, wenn nicht deklariert wird. In Österreich gehört die Finanzierung der Parteien zur Privatsphäre. Zum Segen der Willensbildung in demokoratischen Gremien.

ewi45
01
19.7.2010, 06:52
und weshalb..

.. werden parteispenden erst ab €7260,- dem rechnungshof gemeldet?
angeblich gab bis jetzt keine meldungen.
das der rechnungshof alle gemeinden prüfen möchte ist ok.
allerdings werden den gemeinden immer mehr belastungen auferlegt.
da wird wahrscheinlich somanche gemeine pleite gehen und überprüfungen vom rechnungshof werden dann auch nicht hilfreich sein.

lemming0815
00
19.7.2010, 08:12
kleine richtigstellung

Vorgesehen ist lediglich, dass der Rechnungshof auf Ersuchen der jeweiligen Partei bekanntgibt, ob eine bestimmte Spende deklariert wurde oder nicht. Vorgekommen ist dies allerdings noch nie.

schon eher blunzenfett im kornfeld
10
18.7.2010, 23:21

es geht nur darum, den einfluss zu erhöhen :-)

amergut
01
19.7.2010, 08:13
"... es geht nur darum, den einfluss zu erhöhen"

Will ich unterstreichen!

Einer Gemeinde, der die Selbstkontrolle entgleitet, kann auch keine Obrigkeits-Kontrolle helfen.

Nachdem es unmöglich ist, irrgelaufene Entscheidungen der Politiker in Verantwortung zu nehmen, werden wir nicht umhin kommen, den Wähler für "seine Wahl" einstehen zu müssen?

amergut
00
19.7.2010, 08:16
die Grammatik unterm Hund:

... : "dass Wähler für "ihre/seine Wahl" einstehen müssen".

Manchester05
14
18.7.2010, 22:44
Länder zusammenlegen.

Ich finde 3 Bundesländer in Österreich für mehr als ausreichend.
Warum z.B. braucht Burgenland mit 4% aller Wählerstimmen eine eigene Landesregierung ?
Das man Föderalismus übertreiben kann beweist Österreich wie kein anderes Land.
Diese nutzlosen Landtagsabgeordneten samt Hofstaat, sollen was gscheit's hackeln.
Aber in der Privatwirtschaft werden diese Leute sowieso nicht gebraucht.
Als Arbeitslose und später Notstandsbezieher wären sie zumindest nicht so teuer und der eine oder andere findet vielleicht tatsächlich einen sinnvollen Job.

ewi45
00
19.7.2010, 21:47
sparsamer wäre es..

.. wenn die bundesländer mit weniger landtagsabgeordnete gesetze oder beschlüsse fassen würden.
manschester05 wenn wir aber in andere staaten der welt blicken, herrscht dort ein totales durcheinander, da sich immer weniger menschen für die politik engagieren wollen.
weshalb gehen sie nicht in die politik?
vielleicht wären sie erfolgreicher!

also dann ...
07
18.7.2010, 20:07
YES - dies ist überfällig !

egon edi ohne strachwitz
02
18.7.2010, 18:34
handlungsbedarf ist mehr als überfällig

der steuerzahler kann doch nicht auf dauer in ein bodenloses fass reinzahlen

bevor noch mehr öffentliche und halböffentliche strukturen den bach runtergehen,muss gehandelt werden-und zwar in aller konsequenz und schnellsents!

turbotiga
08
18.7.2010, 17:59
Gemeinden zusammenlegen

Man sollte die Gemeinden soweit zusammenlegen, dass sie zumindest 10.000 Bürger haben, dann ist die Frage mit dem Rechnungshof auch gleich geklärt. Dänemark hat sowas gemacht u. von ca. 1000 auf ca. 100 reduziert. Da gibt's sicher die eine oder andere Synergie.

gerry68
01
18.7.2010, 17:29
Die Politik habe jedoch signalisiert, dass für ein derartiges Modell derzeit "ein parlamentarischer Kompromiss nicht erreichbar wäre".

ja seit wann braucht es so was....will die politik behaupten die klubobleute im parlament seien so unfähig? im parlament werden entscheidungen der regierung und der parteien abgenickt...keine kompromisse gefunden...

Controller 08/15
15
18.7.2010, 13:16

Guten Tag

Haben sie etwas zur Prüfung vorzulegen?

4711671
81
18.7.2010, 12:22
Warum Wetterdienste zusammenlegen?

Die Aufgaben und Schwerpunkte sind verschieden, werden also auch nach einer Zusammenlegung bestehen bleiben müssen. Zivile vs. Militärische Anforderungen. Kommerzielle Luftfahrt vs. allg. Wetterinformation.

Genausogut könnte man die Rechnungshöfe der Schweiz, D und Ö zusammenlegen. Gibt sicher auch eine Masse Synergie und Einsparung!

www-at
00
19.7.2010, 09:30

wenn ich mich recht erinnere stands vor kurzen in der presse um was es hier geht. Ich vermute mal, dass Sie bei einem der Wetterdienste arbeiten.

Was dort abläuft ist eine Riesensa...ei - natürlich kann man diese zusammenlegen! Wetter ist Wetter und es gibt davon verschiedene Ausprägungen und Anforderungen an die jeweilige Zielgruppe, ja mei?

Allmächtiger Satan
22
18.7.2010, 13:47

Vollkommen richtig. Und wenn Sie mal das Nationalstaatdendenken überwunden haben und so eine Zusammenlegungsidee dann kein polit. Selbstmord mehr ist, wird das hoffentlich auch kommen.

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