Proteste gegen Rechtsextremisten in Berlin

17. Juli 2010, 23:05

"Pro Deutschland" hat ihre Wurzeln in der islamfeindlichen Gruppe "Pro Köln"

Berlin - Mehrere hundert Demonstranten haben am Samstag in Berlin gegen einen Bundeskongress der rechtsextremen "Bürgerbewegung Pro Deutschland" protestiert. Vor dem Schöneberger Rathaus behinderte ein breites Bündnis aus Parteien und Gewerkschaften die Versammlung mit Sitzblockaden und "Nazis-raus"-Rufen. Die Kongressteilnehmer mussten unter Polizeischutz in den Tagungsort geführt werden, den sie sich vor Gericht erstritten hatten.

Der Kongress begann mit deutlicher Verspätung. Bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es mehrere Verletzte. "Pro Deutschland" will 2011 in Berlin zur Abgeordnetenwahl antreten. Ziel sei der Einzug ins Parlament und damit der "Durchbruch" auf Landesebene, sagte der Bundesvorsitzende, der bekannte rechtsextreme Publizist Manfred Rouhs. Direkt zu Beginn des Kongresses entschieden die Delegierten einstimmig, den Sitz von "Pro Deutschland" von Köln nach Berlin zu verlegen.

"Rassisten und Neonazis in die Schranken weisen"

Zu den Protesten hatten Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die SPD, Grüne und andere Organisationen aufgerufen. "Fremdenhass, Rassismus und Sozialdarwinismus haben in Berlin keinen Platz", hatte Wowereit im Vorfeld erklärt. Die Demonstranten zeigten ihren Unmut. Die Zivilgesellschaft müsse "Rassisten und Neonazis in die Schranken weisen", erklärten Redner auf der Protestkundgebung.

Bei einer Sitzblockade wurde nach Angaben der Polizei ein Demonstrant wegen Widerstands gegen Polizeibeamte festgenommen und durch eingesetzten Pfefferspray verletzt. Zwei Polizisten erlitten bei Rangeleien Schürfwunden. Es wurden mehrere Platzverweise gegen Demonstranten ausgesprochen.

"Pro Deutschland" hat in Köln seinen Ursprung: 2005 wurde die Bürgerbewegung von Mitgliedern der islamfeindlichen Initiative Pro Köln gegründet. Dieser gelang 2009 mit 5,4 Prozent der Wiedereinzug in den Kölner Stadtrat. Pro Köln wird wie die aus ihr hervorgegangene Initiative Pro NRW vom Verfassungsschutz beobachtet. Pro NRW war im Mai bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auf einen Stimmenanteil von 1,4 Prozent gekommen und deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. (APA/dpa)

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