Das schwächelnde Kapitalmarktgeschäft verpasst den US-Großbanken einen Dämpfer, die Börsen leiden unter US-Konjunkturdaten
New York - Das schwächelnde Kapitalmarktgeschäft hat den US-Großbanken Bank of America und Citigroup im zweiten Quartal einen Dämpfer verpasst. Beide Institute verbuchten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum empfindliche Gewinnrückgänge, wie die Banken am Freitag mitteilten. Grund ist die Verunsicherung der Investoren, etwa wegen der Schuldenkrise in der EU, die das Geschäft mit Börsengängen, Kapitalerhöhungen, Anleihen und Übernahmen bremste. Die Rückgänge im Investmentbanking warfen ihren Schatten voraus auf die für nächste Woche erwarteten Quartalszahlen von Goldman Sachs und Morgan Stanley. An der Börse rutschten die Aktien der Großbanken nach Veröffentlichung der Zahlen ab.
Der Gewinn der Bank of America - die größte US-Bank nach Anlagevolumen - schrumpfte auf 3,1 von 4,3 Mrd. Dollar (3,31 Mrd. Euro) im Vorjahresquartal. Allerdings schnitt die Bank damit immer noch deutlich besser ab, als von Analysten erwartet. Ein Teil der Gewinne kam jedoch nicht über das Kerngeschäft, sondern durch Verkäufe von Beteiligungen zustande, die der Bank 1,1 Mrd. Dollar in die Taschen spülten.
Die drittgrößte US-Bank Citigroup verbuchte einen Gewinnrückgang auf 2,7 von 4,3 Mrd. Dollar - vor allem durch Rückgänge im Investmentbanking, das nach den Einbrüchen in der Finanzkrise bei vielen Banken zuletzt noch für sprudelnde Gewinne gesorgt hatte. Allerdings hatte im vergangenen Jahr auch ein Sondereffekt das Ergebnis der Citigroup aufgehübscht. Die Aktien von Bank of America und Citigroup fielen kurz nach Handelsbeginn 6,4 beziehungsweise 3,4 Prozent.
Geringe Vorsorge für faule Kredite
Profitieren konnten beide Banken von geringeren Vorsorgen für faule Kredite - wie die Großbank JP Morgan Chase, die im zweiten Quartal ihren Gewinn um 75 Prozent auf 4,8 Mrd. Dollar gesteigert hatte. Damit nährten die Banken Hoffnungen auf ein Abflauen der Wirtschaftskrise. Bei der Bank of America machten sich vor allem geringere Ausfälle bei Kreditkarten bemerkbar. Die Bank ist der größte Konsumfinanzierer in den USA.
Allerdings warnte Citigroup-Chef Vikram Pandit vor überzogenen Erwartungen. "Die Wirtschaftssituation bleibt herausfordernd und die regulatorischen Rahmenbedingungen sind unsicher", sagte er.
Im Zuge einer strengeren Regulierung dürften die Zeiten für die US-Banken künftig noch härter werden: Der US-Kongress hatte am Donnerstag die Finanzmarktreform verabschiedet, die einige bislang sehr gewinnbringende Geschäfte für die Banken einschränkt - etwa den Eigenhandel und den außerbörslichen Derivatehandel.
Europa könnte nachziehen
Für die europäischen Banken erwarten Analysten ein ähnliches Bild wie in den USA: Geringere Einnahmen aus dem Investmentbanking, allerdings bei gleichzeitig positiven Impulsen aus der Wirtschaftserholung - etwa in Deutschland. Das dürfte auch hierzulande zu geringeren Vorsorgen für faule Kredite führen. "Im zweiten Halbjahr könnten wir sogar positive Überraschungen sehen", schreiben die Analysten von Equinet mit Blick auf deutsche Banken. Dies sei aber von der Wirtschaftsentwicklung abhängig. In Europa legt am kommenden Donnerstag die Schweizer Credit Suisse als erste Bank ihre Quartalszahlen vor. Die Deutsche Bank will ihre Zahlen am 27. Juli präsentieren. (Reuters/red)
Börsen leiden unter US-Konjunkturdaten
Die Aktienbörsen in Europa und den USA haben am Freitagnachmittag nach überraschend schlecht ausgefallenen US-Wirtschaftsdaten ihre Verluste weiter ausgebaut. Der an den Märkten viel beachtete Index zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan war im Juli von 76 Punkten im Vormonat auf 66,5 Punkte gefallen. Der als wichtiger Vorlaufindikator geltende Index hat damit die Analystenprognosen klar verfehlt. Von der Agentur Bloomberg befragte Ökonomen hatten im Schnitt einen deutlich glimpflicheren Rückgang auf 74 Punkte erwartet. Die Börsen reagierten mit Verlusten. (Reuters/red)