Nordic Walking liegt im Trend und tut dem ganzen Körper gut. Trainer und Weitwanderer Franz Ressmann sagt, worauf es beim Gehen mit Stöcken ankommt
STANDARD: Warum geht das Wandern mit zwei Stöcken besser?
Ressmann: Weil der ganze Körper in Bewegung ist. Geht man ohne Stöcke, vielleicht noch mit einem schweren Rucksack, schlafen die Arme und Hände ein. Durch den Stockeinsatz sind auch Arme und Hände in Bewegung, die unteren Extremitäten, Hüft-, Knie- und Sprunggelenke werden entlastet. So wird der Körper gleichmäßig ausgelastet, man ermüdet nicht so rasch. Vorausgesetzt, man verwendet die Stöcke richtig.
STANDARD: Muss man für den richtigen Stockeinsatz einen Kurs besuchen, oder kann man das intuitiv?
Ressmann: Ausnahmetalente machen das vielleicht intuitiv richtig, empfehlenswert ist aber eine professionelle Einführung, damit man die Stöcke nicht nur spazieren trägt. Nach drei Stunden hat man in der Regel den optimalen Bewegungsablauf gelernt.
STANDARD: Für wen ist Wandern mit Stöcken besonders zu empfehlen?
Ressmann: Nordic Walking gibt älteren Menschen mehr Sicherheit beim Wandern, man stolpert nicht so leicht. Außerdem wird der Gleichgewichtssinn verbessert. Stockeinsatz, Diagonalschritt - das sind schwierige Koordinationsaufgaben für das Gehirn.
STANDARD: Dann ist Nordic Walking ein Seniorensport?
Ressmann: Nein, das ist ein super Gesundheitssport für eine ganz große Personengruppe. Als regeneratives Training bewährt sich Nordic Walking sogar bei Spitzensportlern. In den Reha-Zentren wird Nordic Walking als Herz-Kreislauf-Training eingesetzt, weil es die Atemhilfsmuskulatur und damit auch das Herz kräftigt.
STANDARD: Was sollen ungeübte Wanderer beachten?
Ressmann: Wichtig ist: langsam, mit kleinen Einheiten beginnen. Nicht gleich auf den Berg hinauf rennen, sondern mit ausgedehnten Spaziergängen starten. So gewöhnt man die Gelenke an die Belastung. Auch Höhenwege, die man mit einer Seilbahn erreichen kann, sind für den Anfang ideal. Vor allem soll man nicht gleich bergab gehen. Denn durch die höhere Druckbelastung können kleine Muskelfasereinrisse entstehen, das ist dann der ungeliebte Muskelkater. Ganz wichtig ist der richtige Sonnenschutz. Nie ohne Kopfbedeckung auf den Berg!
STANDARD: Wie viel Flüssigkeit soll man trinken?
Ressmann: Ständig an der Flasche zu zuzeln ist eine blöde Angewohnheit und bringt nichts. Morgens viel Flüssigkeit aufnehmen und eine Trinkflasche mit drei Viertel Liter Inhalt mitnehmen, eine größere Flasche ist schon recht schwer. Man kann ja beim Einkehren wieder auffüllen. Bei der Hüttenrast Suppen oder Speisen mit hohem Flüssigkeitsanteil essen.
STANDARD: Wie oft soll man rasten?
Ressmann: Nicht jede Viertelstunde! Eine halbe Stunde am Stück sollte man schon gehen. Geübte Wanderer machen nach zwei Stunden eine kleine Pause. Rasten, Landschaft und Blumen betrachten, Tiere beobachten, das tut der Seele gut. (Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 19.7.2010)