Glücksbringer steigern die Leistung

19. Juli 2010 15:29
  • Artikelbild
    Foto: apa/georg hochmuth

... so man an sie glaubt - das Selbstvertrauen wird gesteigert, die Ziele höher gesetzt

Köln/Wien - Gedanken sind mächtig. Sie können die Leistung eines Menschen wesentlich verbessern, berichten Forscher der Uni Köln in der Zeitschrift "Psychological Science". Testpersonen, die bei Erinnerungs- und Geschicklichkeitstests Glücksbringer bei sich trugen, schnitten messbar besser ab als andere, denen man diese zuvor abgenommen hatte. "Menschen entwickeln mit einem Amulett mehr Selbstvertrauen und setzen sich höhere Ziele", erklärt Studienleiterin Lysann Damisch das Ergebnis.

"Hufeisen und Plüschtiere bringen keinen Lotto-Sechser", erklärt die Wiener Psychologin Helga Schachinger. Sehr wohl können sie jedoch zusätzliche, bereits vorhandene Ressourcen in einem Menschen freisetzen. "Wer für eine schwierige Aufgabe gut vorbereitet ist und sich anstrengt, kann so zusätzlich mental erstarken und sich auf Sieg polen. Das bringt zwar keinen Leistungsruck, doch statistisch sichtbare Steigerungen", so die Expertin. Viele Fußballer wissen, wovon die Psychologin spricht.

"Der Glaube versetzt somit sprichwörtlich Berge"

Nicht bei jedem funktioniert der Trick allerdings gleich gut. "Ob ein Glücksbringer wirkt, hängt davon ab, ob man an ihn glaubt oder ihn für Humbug hält", so Schachinger. Manchen hilft eher der Glaube an sich selbst oder die gedankliche Unterstützung durch den Partner. Die Psychologin vergleicht es mit dem Placebo-Effekt. "Menschen können sich sogar durch ein alkoholfreies Bier betrinken, wenn sie glauben, es enthalte Alkohol. Der Glaube versetzt somit sprichwörtlich Berge."

Das Ziel dieser Hilfen ist die Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, selbst etwas aus eigener Kraft bewirken zu können. Im Alltag hat sie hohe Bedeutung. "Ist sie etwa bei Schulkindern nicht vorhanden, können Psychologen durch Angstabbau und Entspannung zu mehr Selbstwirksamkeit verhelfen. Auch in der Arbeitswelt ist es bei anspruchsvollen Aufgaben ganz entscheidend zu wissen: Ich bin gut, ich schaffe es und kann das Problem selbst lösen." Ob man diese Kraftreserven aus einer Beziehung, aus professioneller Begleitung, aus Psychotechniken oder aus dem Aberglauben schöpft, rät Schachinger jedem selbst zu entscheiden. (pte)

ritter sperber1
20.07.2010 17:49

ich glaub jedes mal fest daran beim lotto zu gewinnen, geholfen hats nix ...

momo10001
20.07.2010 00:57
Menschen können sich sogar durch ein alkoholfreies Bier betrinken, wenn sie glauben, es enthalte Alkohol

Erinnert mich an eine Gruppe Jugendlicher bei einem Festival, die mich und Freunde betrunken anpöbelten und voller Stolz verkündeten eine Palette geleert zu haben Deren Spaß war dann vorbei als wir ihnen sagten sie sollen mal lesen wieviel Alkoholgehalt deren Sportradler dann tatsächlich hatte.

Ueberlebenskuenstler
19.07.2010 21:00
Mittlerweile glaube ich an sowas.

Als ich 2002 ein neues Auto gekauft habe, bin ich in den ersten Tagen gleich im eigenen Gartenzaun gelandet, weil ich sinnloserweise die Kupplung zu früh losgelassen habe. Beim Rückwärts einparken ein paar Tage später mit einem Felsstück kollidiert. Danach hab ich eigentlich ohne besondere Absicht ein Amulett in der Fahrgastzelle aufgehängt, das ich geschenkt bekommen hab. Seitdem bin ich mit diesem Auto 8 Jahre und 150.000 Kilometer absolut störungs-, unfall- und kratzerfrei gefahren. Es wirkt.

Gerhard Eigner
19.07.2010 22:44
na klar

jemand anderer würde sagen, daß Sie gottseidank beizeiten gelernt haben kupplung gas und bremse zu unterscheiden.

charles darwin
19.07.2010 16:54
der placebo effekt

und was soll da neu sein ?

her wig
19.07.2010 16:23

Ein wissenschaftlicher Beleg für die Vorzüge des Aberglaubens - wer hätte das gedacht.

füllhornkäfer
19.07.2010 16:50

oder dafür, dass sich Motivation auszahlt, je nach Sichtweise.

Ueberlaeufer
19.07.2010 16:49

Genaubetrachtet eher für die Nachteile.
Wenn die Beschreibung des Tests stimmt, dann schnitten nicht die besser ab, die einen Glücksbringer hatten, sondern die, denen er weggenommen wurde, schnitten schlechter ab. Ein feiner Unterschied.
Interessant wäre eine Kontrollgruppe gewesen, die keine Glücksbringer hatte und denen deswegen nichts weggenommen werden konnte.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.