Vulkanische Aktivitäten haben wesentlich länger angedauert als bisher angenommen
Frankfurt/Main - Auf dem Merkur haben vulkanische Aktivitäten
wesentlich länger angedauert als bisher angenommen worden war. Wie jüngste Aufnahmen der
Raumsonde Messenger zeigen, wurde der sonnennächste Planet möglicherweise noch
vor einer Milliarde Jahre von gewaltigen Eruptionen heimgesucht. Dies berichten
US-Wissenschaftler im Magazin "Science". Bisher war man davon ausgegangen, dass
die vulkanische Phase des Planeten vor spätestens 3,5 Milliarden Jahren endete. In zwei weiteren "Science"-Papieren werden die Untersuchungen zur Planetenexosphäre und magnetische Aktivitäten beschrieben.
Ein ringförmiges Becken
Die Sonde der US-Weltraumbehörde NASA war im Jahr 2004 gestartet. Im vorigen
September passierte sie den Planeten zum dritten und letzten Mal. Auf den dabei
gemachten Aufnahmen entdeckten Forscher ein ringförmiges Becken von 290
Kilometern Durchmesser.
In dieser Rachmaninoff getauften Senke erstrecken sich auffällig glatte
Ebenen in verschiedenen Farbtönen. Deren Oberfläche entstand vermutlich durch
Material vulkanischen Ursprungs, das einst durch die Senke floss. "Wir
interpretieren diese Ebenen als die jüngsten vulkanischen Ablagerungen, die
bisher auf dem Merkur gefunden wurden", sagt Studienleiterin Louise Prockter von
der Johns Hopkins Universität in Baltimore.
Auch den Ursprung der Lavaströme glauben die Forscher ausgemacht zu haben.
Nordöstlich des Beckens entdeckten sie eine unregelmäßig geformte, 30 Kilometer
lange Senke, die von hellem Material umgeben ist. Dies ist vermutlich der
Überrest des größten vulkanischen Schlotes, der bisher auf dem Planeten gefunden
wurde.
Hintergrund
Als einziges Flugobjekt vor Messenger hatte die US-Raumsonde Mariner 10 den
Merkur in den Jahren 1974 und 1975 passiert. Messenger ist nun der erste
Flugkörper, der in die Umlaufbahn einschwenken und den Himmelskörper ein Jahr
lang umkreisen soll.
"Bei jedem Treffen mit Merkur entdecken wir neue Phänomene", sagt Sean
Solomon von der Carnegie Institution. "Während seiner ganzen Geschichte ist er
ein äußerst dynamischer Planet gewesen. Wenn sich Messenger kommenden März in
die Umlaufbahn begibt, steht uns ein grandioses Schauspiel bevor." (APA/apn/red)