Für Ideologie ist da kein Platz

15. Juli 2010 19:55
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    Foto: curtis & monroe in "some like it hot"

    Im aufgeheizten Klima der Steuerdebatte sind Millionärssöhne in diesen Tagen für jede Form des Zuspruchs dankbar - käme er auch nur von der Industriellenvereinigung. Foto: Curtis & Monroe in "Some like it hot".

Den einen sind die Zahlen zu hoch, den anderen zu niedrig. Die Nationalbank sieht die ihren exakt in der Mitte und schickt den seitens der IV gegen ihre Studie erhobenen Ideologievorwurf an den Absender zurück - Peter Mooslechner

Die Vorwürfe von Clemens Wallner ("Streitobjekt Erbschaftssteuer: Artenschutz für Ideologen?") erfordern einige Klarstellungen:

Die OeNB erhebt, basierend auf einem Beschluss des EZB-Rats und gemeinsam mit allen anderen Notenbanken des Eurosystems - von der Bundesbank über die De Nederlandsche Bank bis zur Banca d'Italia und Banco de Espana -, Daten zu den Finanzen und Ausgaben privater Haushalte. Die Immobilienvermögenserhebung 2008 ist Teil eines zukünftig für den ganzen Euroraum harmonisierten "Household Finance and Consumption Survey", der umfassende Informationen zu den Vermögenspositionen privater Haushalte als wichtige Grundlage für Analysen zur Geldpolitik und Finanzmarktstabilität liefern wird.

Internationaler Standard

Die OeNB-Studien erfolgen nach einer einheitlichen, von der EZB koordinierten Struktur und nach gemeinsamen wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Für jeden einzelnen Schritt sind genaue Vorgaben einzuhalten und über jeden einzelnen Schritt der Erhebung muss gegenüber der EZB und den beteiligten Notenbanken Rechenschaft abgelegt werden - für Ideologie ist da kein Platz.

Nach internationaler Einschätzung zählt die Qualität unserer Methodik und Daten zu den besten im Eurosystem, sie reflektiert den höchsten derzeitigen wissenschaftlichen Standard. OeNB-Mitarbeiter/-innen bilden daher in methodischen Fragen Forscher /-innen anderer Notenbanken aus. Warum Erhebung und Faktendarstellung auf dieser Grundlage in Österreich problematischer sein sollten als in anderen Ländern, in denen die Notenbanken nach genau denselben Standards vorgehen, entzieht sich unserem Wissenstand. Tatsächlich sind die Ergebnisse (begutachtet vom renommierten DIW in Berlin) international auch nicht spektakulär. Sie entsprechen denen in Deutschland, der Schweiz und in den USA.

Erfassungs- und Bewertungsprobleme bei Immobilientransaktionen sind hinlänglich bekannt. International werden deshalb steuerstatistische Quellen zum Vermögen und zu Vermögenstransaktionen - mit Ausnahme von ganz wenigen Ländern, zum Beispiel in Skandinavien - nicht als verlässliche Quelle betrachtet. Steuerregisterdaten können Haushaltserhebungen nicht ersetzten, da diese etwa keine Informationen über den Haushalt und die darin lebenden Personen enthalten.

Recherchetipp: Zeilenlineal

Wie eine kleine Nachrecherche überdies ergeben hat, dürfte Herrn Wallner ein nicht unrelevanter Datenirrtum unterlaufen sein. Tatsächlich unterstreichen die Daten der Erbschaftsteuerstatistik die Erhebungsergebnisse der OeNB: Von den insgesamt 67.853 von der Erbschaftssteuerstatistik erfassten Erbfällen (Immobilien und sonstige Erbschaften) des Jahres 2007 fallen rund 99,5 Prozent (67.625 Fälle) in die Klasse eines steuerpflichtigen Erwerbs von 219.000 Euro oder weniger. Lediglich rund ein halbes Prozent (228 Fälle) liegt über 219.000 Euro. Herr Wallner nennt in seinem Kommentar 487 Fälle oberhalb einer Grenze von 219.000 Euro. Dabei ist er offensichtlich eine Zeile abgerutscht, denn seine Fallzahl ergibt sich, wenn auch noch die Kategorie von 146.001 bis 219.000 Euro mit 259 Fällen hinzugerechnet wird.

Damit zeigt die Erbschaftssteuerstatistik (vgl. Kommentar unten) eine noch stärkere Konzentration als die Studie der Österreichischen Nationalbank. Die durchschnittlich vorgeschriebene Steuer lag bei Erbschaften unter 219.001 Euro bei rund 1000 Euro. Bei steuerpflichtigen Erbschaften über 1.095.001 Euro betrug die Steuervorschreibung durchschnittlich mehr als eine halbe Million Euro, was auf doch sehr hohe Erbsummen in dieser kleinen Gruppe schließen lässt. (Peter Mooslechner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.7.2010)

PETER MOOSLECHNER ist Direktor der Hauptabteilung Volkswirtschaft in der Österreichischen Nationalbank.

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22 Postings
skyrock
16.07.2010 18:28
Grosse Steuerreform

keine Steuern mehr außer einer Besteuerung von Geldumschlag, jede Bankeinzahlung oder Auszahlung mit derselben Flattax.

Geld wird immer mehr, Arbeit weniger.

Takis
16.07.2010 16:16

Da hat die IV dem Grasser extra eine Homepage gebastelt damit der die Erbschafts und Schenkungssteuer abschafft und jetzt wird wieder über die Einführung nachgedacht bevor jemand gestorben ist.

Blöd gelaufen :D

Aguirre74
16.07.2010 12:37

Für jeden klar denkenden Menschen war diese Klarstellung eigentlich überflüssig. Der IV-Artikel war einer der krassesten Schwachsinne, den ich in den letzten Jahren zu diesem Thema lesen musste. Kein Wunder, dass das ÖVP-Parteilinie ist. Aber es finden sich noch immer Menschen (insbes im Mittelstand), die diese korrupten Ausbeuter wählen. Damit das klar ist: der ÖVP geht es nicht um die Wirtschaft, nicht um die Menschen, denen geht es ausschließlich ums eigene Klientel und das sind Bauern, Reiche, vielleicht ein paar Beamtengruppen (Lehrer) und sonst genau niemand. Das Arbeitseinkommen wird dir wegbesteuert, nur damit die Besitzklasse ungeschoren davon kommt. Ein Land ohne Vermögensteuern? Das gibts nur in Österreich.

Kontra
16.07.2010 17:43
Zitat: Ein Land ohne Vermögenssteuern? das gibt's nur in Österreich

Wo haben Sie denn diesen Unfug her? Bei Substanzsteuern (Ausnahme Grundsteuer) müssen sie die Länder heute schon mit der Lupe suchen, wo solche noch abgeführt werden. Bei Vermögensertragssteuern ist das schon etwas anderes, die gibt es aber (KEST) in Österreich genauso.

Aguirre74
16.07.2010 19:10

Und Erbschaft- und Schenkungsteuer gibts wohl auch sonst nirgends?

Kapitalismus Luege
16.07.2010 11:38
also es gibt prinzipiell gute und boese Steuern

[gute Steuern sind jene die andere zahlen,
boese muss ich selber zahlen.]

Ober-ideologien Laura Rudas

witherabbitt
 
16.07.2010 21:34

Billiger Witzbold! Die »guten« Steuern sind die, die einen Lenkungseffekt mit Einnahmen verbinden. Die »schlechten« Steuern sind die, die Arbeit und nicht das Kapital besteuern. Ist ganz einfach!

really?!?
16.07.2010 11:22
Wirklich?

http://tiny.cc/cfpn1

„Erbschafts- und Schenkungssteuer sind zu 99,7 Prozent klassische Mittelstandssteuern.“
Wolfgang Schüssel (Der Standard vom 14.03.2007)

„Eine gänzliche Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer würde vor allem ältere Menschen, deren Familien sowie kleine und mittlere Unternehmen entlasten und eine wichtige Starthilfe für junge Familien bedeuten.“
Günter Stummvoll, ÖVP-Nationalratsabgeordneter (OTS-Aussendung vom 7.03.2007)

mereandor
 
16.07.2010 11:17
kurz zusammengefasst:

Gesamtsteueraufkommen für Erbschaften unter 219.000 (inetwa): 68.000 * 1000 € = 68 Mio €
Gesamtsteuraufkommen für Erbschaften ab 219.000 (inetwa):
220 * 500.000 € = 110 Mio €

Die IV hat argumentiert, dass zweitere im Vergleich zu ersterem zu keinen wesentlichen Einnahmen führen. Das stellt deren Glaubwürdigkeit und Kompetenz doch deutlich in Frage.

really?!?
16.07.2010 11:14
Zum IV-ÖVP-Mythos:

http://tiny.cc/eksfz

really?!?
16.07.2010 11:09
Behauptung: Erbschafts- und Schenkungssteuer treffen den Mittelstand, die Häuslbauer und die Familienunternehmen

Facts:
http://www.steuermythen.at/index.php... euermythos

1116er
16.07.2010 10:15
welcher dillo in der IV hat es denn verabsäumt,

zumindest den führungskräften in der nationalbank eine schöne homepage inklusive babyfotos und beweihräucherung zu finanzieren?

denn:
willst du haben schöne zahlen, musst du hierorts kräftig zahlen!

gistof
16.07.2010 10:02
Ich bin auch für Schenkung & Erbschaftsteuer

Es entbehrt aber doch nicht einer gewissen Komik, dass von einem "Experten" der Arbeiterkammer ein Kommentar mit dem Titel "Für Ideologie ist da kein Platz" veröffentlicht wird.

Sandkastenkanzler
16.07.2010 10:13
Zitat:

"PETER MOOSLECHNER ist Direktor der Hauptabteilung Volkswirtschaft in der Österreichischen Nationalbank"

gistof
16.07.2010 10:39
Recht hast

war im falschen Kommentar...

mir is auf einmal so schwurbelig
16.07.2010 03:15

OeNB vs IV ... was für ein match :)

im ernst: hier sieht man mal wieder zu welch verquerem schluß die IV mit ihrer eindimensionalen interpretation von zahlenmaterial kommt. alles was ihr nicht passt wird negiert oder umgedeutet.

also dann ...
16.07.2010 02:10
dies war von offizieller seite ... längst überfällig ! die "hofberichterstattung" der IV...

die hier betrieben wird, natürlich o h n e ...auch nur 1 ziffer (hohe erbschaften) überprürt zu haben,
lässt auf ein "homepage-sponsirung"...schliessen.

die gilt ebenos für felderer/ihs...
dessen "studien" zur grundsteuer auch den v.d. ÖNB ermittelten daten widersprechen - wen wunderts.

bleibt nur 1 fragee offen :
wofür...wire die mainstream-journaille eigentlich bezahlt ?

/. nerd
 
16.07.2010 08:41

Diese Frage haben Sie soeben selbst beantwortet: Genau dafür.

also dann ...
16.07.2010 15:15
I know ...

FloW ERlebnis
15.07.2010 22:43
Danke für diese Klarstellung.

War aber ohnehin nicht anders zu erwarten, dass von der IV-Lobby korrekte Zahlen geliefert werden ganz zu schweigen von redlicher Interpretation.

marisa
15.07.2010 22:25
raus aus dem schatten

gut, dass zumindest die önb versucht, daten und fakten zu den erbschaften zu erheben und damit mit der mär aufräumt, eine erbschaftssteuer würde den mittelstand belasten...

8Nachtigall8
15.07.2010 21:57

muss sagen, eine sehr, wie soll man sagen, interessante diskussion das ganze!

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