"Ein Land ohne Politik"

15. Juli 2010, 18:55

Reformunfähigkeit, Indifferenz und kriminelle Energie verwüsten Italien

Es wird zunehmend schwieriger, die politische Situation in Italien zu beschreiben. Nach den gut anderthalb Jahrzehnten, in denen Silvio Berlusconi die Geschicke dieses Landes wie kaum ein anderer geprägt hat, sind alle journalistischen Steigerungsstufen ausgereizt. Die Empörung über Zustände, die außerhalb Italiens kaum noch jemand nachvollziehen kann, ist dem Erstaunen gewichen. Dem Erstaunen darüber, wie sehr Reformunfähigkeit, politischer Unernst, hartnäckige Realitätsverweigerung und mitunter schiere kriminelle Energie diese große, alte Kulturnation inzwischen verwüstet haben.

Selbst die ernstzunehmenden italienischen Zeitungen scheinen angesichts der Lage beinahe zu resignieren: "Das Geisterschiff der Regierung Berlusconi wirft die Leichen ins Meer", kommentierte La Repubblica die jüngsten Rücktritte in Rom. Und der Corriere della Sera stellte unter dem Titel "Ein Land ohne Politik" bitter fest, dass der Anschluss an Europa und die globalisierte Welt verloren sei, weil es "Italien dramatisch an Gemeinwesen fehlt".

Die zentrale Figur in diesem Staatsdrama ist - natürlich - der große Antipolitiker Silvio Berlusconi. Allein: Es wäre billig, dem gewieften Alleinunterhalter, der in Physiognomie und Arbeitsstil immer mehr dem üblen Roman-Bösewicht Fantomas zu gleichen scheint, die ganze Malaise anzulasten. Berlusconi ist in italienischen Verhältnissen großgeworden. Er wurde gefördert, ihm wurde geholfen oder zumindest nichts Ernsthaftes entgegengesetzt - die italienische Linke, die heute die Oppositionsbänke drückt, müsste das selbstkritisch bezeugen.

Dieser Mangel an Politik bedingt einen Mangel an gemeinsamen Interessen und vor allem einen Mangel an Öffentlichkeit. Und so treibt die Antipolitik ihre schillerndsten Blüten im Verborgenen. Das wurde Anfang der 1990er-Jahre sichtbar, als die Aktion "Mani pulite" versuchte, die Korruptionssümpfe in jener Parallelgesellschaft trockenzulegen, die sich den italienischen Staat für ihre Interessen zu eigen gemacht hatte. Und das ist heute, zwanzig Jahre später, offenbar nicht anders: Mit der Affäre um die geheime Abräumerloge P3 werden wieder Strukturen ruchbar, in denen mutmaßlich Korruption, Malversationen und organisierte Kriminalität bis in die höchsten Spitzen des Staates vorgedrungen sind.

Es ist verwunderlich, dass eine Mehrheit der Italiener das bisher ohne großes Murren hinnimmt. Selbst Berlusconis Sparpaket, das den öffentlichen Nahverkehr ins Trudeln bringt, die Universitäten endgültig ruiniert aber dafür die Politiker bemerkenswert ungeschoren davonkommen lässt, hat noch keinen großen Unmut ausgelöst. Was soll der Bürger auch machen, wenn kein Gemeinwesen da ist? Es wird protestiert, ja. Die italienische Zivilgesellschaft steht auf, ja. Aber nur, um sich danach wieder umgehend niederzusetzen. Das ist das Bedrohlichste und Bedrückendste an der Politiklosigkeit: Es gibt keine Konsequenzen - für niemanden und zu keiner Zeit.

Nur so ist die Unverfrorenheit zu erklären, mit der Berlusconi gleich nach Beschluss des Sparpaketes verkündete, was seine Prioritäten im Herbst seien: das umstrittene "Maulkorbgesetz" für Journalisten endlich umzusetzen und ein neues Immunitätsgesetz für Politiker einzubringen - mögen die Steigerungsstufen in der Beschreibung auch verschlissen sein, die Realität hält noch immer welche bereit. (Christoph Prantner, DER STANDARD, Printausgabe 16.7.2010)

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wolf67
10
14.8.2010, 04:01

Berluca ist der Chef der Mafia...

KL
01
16.7.2010, 18:23

Der "gute Freund Silvio". Ich glaub es kommt nicht von ungefaehr das sich diese Beschreibung fuer einen Oesterreicher mulmig liest.

Aber ja ja, die Roten oder Linken oder wasweissich...

huckleberry
00
16.7.2010, 17:52
wer soll denn protestieren?

wenn niemand den staat ernst nimmt? wenn jeder steurn hinterzieht? wenn männer in blankgeputzten braunen schuhen und frauen in blond gefärbten haaren ihre erfüllung finden?

italien ist keine träne mehr wert!

Poldi Fesch
11
31.7.2010, 16:10
noch lebt es

sich deutlich besser hier als in Aut. Besser angezogene Menschen essen deutlich besser. Beides probierend, kein Vergleich

-Nathan-
 
00
bei ausreichendem Kleingeld...

Poldi Fesch
10
stimmt nur

sehr bedingt. Ok, Bier u. Butter sind teurer, schon beim Kaese ist es umgekehrt u. vom Fleisch u. Wein wollen wir erst garnicht reden. In Aut kannst Wein unter € 10.- eigentlich vergessen, hier nicht. Der Bushmills kostet bei meinem Vinovendolo soviel wie in Wien im Metro.
Und Ikea ist ein Spasz fuer sich, meist gleich aber wenn, dann sind die Einzelteile in It. teurer, das gesamte "Trum" in aut

-Nathan-
 
00
15.8.2010, 07:30
meinte eher die Miet/Wohnungspreise...

Poldi Fesch
10
15.8.2010, 11:32
ja, ok

speziell die Liegenschaftspreise sind eher abenteuerlich. Zumal es keine vernuenftige Relation zw. Mieterloese u. Kaufpreisen gibt. Ein Obj. welches hier in Ligurien ca. € 10.000.- / a Mieterloese bringt wird dann um ca. € 300.000.- angeboten. Das waeren gerade 3,33% u. erhalten mueszte ich es auch noch. Das sind dann 100.000.- zuviel. Es aber nicht vermittelbar. Dazu kommt, dasz die meisten weder verkaufen noch vermieten muessen, also wartet man auf den "Tedesco deficente", kann natuerlich auch ein Inglese sein, diese haben aber Kalabrien entdeckt

meta_meta
00
16.7.2010, 16:00
Italien ist Vorreiter

und es liegt auch daran, dass es kein Gegengewicht zu den neoliberalen Blockparteien gibt, zu denen auch die links genannten Parteien Sozialdemokratie und Grüne zu rechnen sind.
Bevor neues entsteht muss offenbar das, was jetzt noch Demokratie genannt wird, untergehen.

Poldi Fesch
10
31.7.2010, 16:11
es gibt keine

Neo- o. sonstwas liberalen Parteien in Italien

Helmut Höfler
00
23.9.2010, 13:40
Keine Liberalen

Richtig, nur ewiggestrige Rechte

MAXIMA
04
16.7.2010, 15:56
Habe gedacht es geht um Österreich,

denn Korruption bis hin zu Kriminialität wird hierzulande als Kavaliersdelikt gefeiert, Reformunwilligkeit haben sich unsere Politiker seit Jahren auf die Fahnen geheftet und die Interventionitis gepaart mit Vitamin B nennt man heute Lobbyismus.

suboptimal
 
02
16.7.2010, 18:31
richtig

"Reformunfähigkeit, Indifferenz und kriminelle Energie verwüsten Österreich" wäre genau so passend. Die korrupten Schlawiner von rundherum, auf die wir so gerne runter sehen, haben wir locker eingeholt.

marcopolo1971
 
16
16.7.2010, 13:53

Tausch ma Italien gegen Österreich und wir können den Artikel nochmal in der Innenpolitik verwenden.

Ausgeflippter Lodenfreak
31
16.7.2010, 14:37

So einfach ist die Welt nicht. "Alle Politiker sind gleich und Verbrecher" ist Stammtischgewäsch. Österreich und Italien gleichsetzen, ist schlicht und ergreifend Unsinn.

Grillparzer
02
16.7.2010, 14:23
Stimmt! Mit dem kleinen, aber ...

... feinen Unterschied, dass die österreichischen Polit- und sonstigen Mafiosi den italienischen an Chuzpe, Erfahrung und Hirn weit unterlegen sind.

Bin aber nicht sicher, ob das ein Hoffnungsschimmer für die "Insel der Seligen" ist.
Denn auch das österreichische Stimmvieh hat weit weniger graue Zellen zwischen den Ohren als die Italiener, die auf Amtskappeln und Obrigkeit schon immer gepfiffen haben: und zwar lauthals lachend.

Poldi Fesch
10
31.7.2010, 16:12
unterschaetz die

Obrigkeitsglaeubigkeit der Italiener nicht

huckleberry
01
16.7.2010, 17:49
das stimmt so leider nicht!

so sehr ich als auslandsösterreicher froh bin eben auslandsösterreicher zu sein (wegen all der punkte, die sie nebenbei ansprechen), so klar ist auch zu sehen, dass die italienische republik (von meist kunsttreibenden glanzlichtern und - interessanterweise - juristen abgesehen) von anfang an ein verrotteter staat war. in diesem land hat man musolini an den füßen aufgehängt und wenige jahre später der MSI ins parlament verholfen (fini ist immer noch der erbe!). das land hat versucht sich zu befreien und hat berlusconi bekommen. er ist der gipfel, vorläufig. der mann ist alt. seien sie schon mal gespannt auf sein staatsbegräbnis, wenn es soweit ist ...

fridakeynes
10
16.7.2010, 16:56
mit verlaub, die italiener scheinen mir mitnichten

wesentlich mehr graue zellen als die österreicher zu besitzen! ein volk, das einen typen wie berlusconi seit langem immer wieder wählt, wird wohl eher davon angezogen, dass es in berlusconi die verkörperung des eigenen lebenstraumes sieht....mit schlitzohrigkeit und ohne sich im geringsten an gesetze zu halten viel geld zu scheffeln, viele frauen zu beglücken und ansonsten zum herrgott beten, der wird's schon richten!kurz gesagt, ein bigottes und sehr rückständiges volk....

Poldi Fesch
11
31.7.2010, 16:15
was ist an dem

Wunsche, viel Geld zu verdienen rueckstaendig u. bigott. Was die Italiener ueberigens nicht sind. Da sind Protestanten viel gefaehrdeter

Helmut Höfler
00
23.9.2010, 13:59
Rückständig u. bigott

Doch sie sind rückständig und bigott, noch dazu korrupt, feige und falsch. Wie schon erwähnt, wandere bitte aus Du bist hier fehl am Platz.

Poldi Fesch
00
23.9.2010, 14:10
lieb,

hat sich die Alte mit einem Italiener ueber die Haeuser gehaut? Scheint fast so

fridakeynes
00
14.8.2010, 16:09
ein staat, der genau nichts leistet, erzwingt rückständigkeit

geradezu! und so ist es doch in vielen italienischen familien, dass die mama den ton angibt und der papa aushäusig den macho spielt, die söhne auf ewig am rockzipfel der mama hängen und die geburtenrate deshalb gegen eins tendiert! kein wunder, die jungen italienerinnen machen da halt nimmer mit! die schöne landschaft und das gute essen täuschen halt nur mehr die italophilen touristen darüber hinweg, dass der staat verrottet ist bis zum geht-nicht-mehr! und bigott sinds, weil sie lieber in die kirchen rennen und kerzen anzünden, statt endlich mal aufzustehen und zu sagen, wir lassen uns das nicht mehr gefallen! ist ja auch viel bequemer, zur mutter gottes zu beten...so dämlich sind nicht mal mehr die österreicher!

Poldi Fesch
00
14.8.2010, 17:12
?? geht das auch ein

bisserl weniger konfus ?
Zunaechst, la Mamma steht dem Hrn. Papa um nichts nach, was die "Aushaeusigkeit" angeht. Geht auch nicht anders, weil, wo sollten denn all die unverheirateten Damen herkommen. Was wiederum schon eher das Problem der Geburtenrate erklaert. Siamo fighe comunque.
Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist einerseits ein intetnat. Problem, andererseits den it. Gewerkschaften zu verdanken bzw. dem Schulsystem. Mit einem Bacchelor in Literaturgeschichte bekommt man halt keine Jobs.
Was sich die Italiener gefallen lassen, ist so eine Sache. Leben tutst jedenfalls hier besser als in Aut. Wenn dann ist es sinnvoller zu beten, Staat, bleib wo du bist u. misch dich nicht in mein Leben

Helmut Höfler
00
23.9.2010, 13:36
Berlusconi-Bewunderer Poldi Fesch

Kauf Dir ein neues Anti-Viren Programm, Berlusconis Trojaner haben sich auf Deiner Festplatte eingenistet und blockieren den gesunden Menschenverstand, am besten Du formatierst sie neu. Lobst die Politik Berlusconis nur weil Du Dir einbildest in Italien kann man besser essen als in Österreich, wieso wanderst Du nicht nach Italien aus dann kannst Du von früh bis spät Deine Nudeln essen. Den Gewerkschaften die Schuld geben das die Jugend keine Arbeit hat, bestätigt meine Ansicht das Du einen Virus eingefangen hast.

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