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vergrößern 900x441Und links liegt noch eine kappadokische Felslandschaft samt eruptierendem Vulkan: die gewaltige Szenerie von Manfred Waba für "Die Zauberflöte" im Römersteinbruch von St. Margarethen.
St. Margarethen - Der Unterschied zwischen Mörbisch und St. Margarethen, nur wenige Kilometer voneinander entfernt, könnte, auch wenn da wie dort prächtige Kostümschinken im Cinemascope-Format geboten werden, größer nicht sein: Harald Serafin leitet die Operettenspiele am Neusiedler See mit einem sympathischen Augenzwinkern; Wolfgang Werner hingegen, der jugendliche Intendant der Opernfestspiele, meint es ernst. Zu ernst.
Sein Theater im Römersteinbruch ist moralische Anstalt: Man kann völlig unbeleckt anreisen, braucht nichts zu wissen über Mozart oder "Die Zauberflöte", die heuer am Programm steht - und man wird trotzdem (fast) alles verstehen. Denn Wolfgang Werner, der betont überdeutlich spricht, lässt alles ganz genau erklären.
Und Manfred Waba, der Bühnen- wie Kostümbildner, der erstmals auch Regie führte, illustriert das märchenhafte Geschehen (abgesehen von der Feuer-Wasser-Probe) ziemlich perfekt: Er zeigt andauernd mit dem Finger auf Details, damit man ja nichts übersieht, was für den Fortgang der Handlung von Bedeutung ist.
Interpretationsspielräume gibt es folglich nicht. Was schade ist, aber auch sein Gutes hat. Denn diese Zauberflöte, ohne Brüche, ohne Anflüge einer Neudeutung umgesetzt, ist eine brauchbare Basis: Mit Wabas plakativen Bildern im Hinterkopf - das grün-grellgelbe Federnkostüm zementiert das Klischee, wie Papageno auszusehen hat, geradezu ein - wird der Novize künftig auch komplexeren Regietheaterinszenierungen etwas abgewinnen können.
Grundvoraussetzung, dass man am Vorgekauten großen Gefallen findet (und das tut man bis zum finalen Feuerwerk), ist natürlich ein die Erwartungen übertreffendes Spektakel. Und die ist gegeben: Im Klotzen hat Waba eine echte Meisterschaft entwickelt. Die atemberaubende Szenerie ist derart monströs, dass man die Natursteinkulisse schon fast nicht mehr ausmachen kann. Zitiert werden u. a. Petra in Jordanien und die Steinlandschaften Kappadokiens. Und hoch oben auf dem Felsen liegt die neugotische, von Schäfchenwolken umfasste Burg des Sarastro, die an Neuschwanstein erinnert. Ein recht gewagter Mix ist auch die kitschige Ausstattung: Die drei Knaben pilotieren ein Tschitti-Tschitti-Bäng-Bäng-artiges Automobil, römische Soldaten treffen auf griechische Amazonen und ägyptische Wächter.
Dass Tamino (stoisch: Dietmar Kerschbaum) zu Beginn nicht auf eine Schlange stößt, sondern auf einen Doppelkopfdrachen, hat einen ganz pragmatischen Grund: Die Schlange kann nicht Feuer speien. Pyrotechnische Effekte und andere Tricks - Martina Masarykova überwindet als Königin der Nacht dank eines Doubles größte Distanzen in nichts - sind eben das Salz in der Suppe. Als Höhepunkte fliegt ein Schwarm Vögel in die Käfige von Paul Armin Edelmann, der einen klassisch wienerischen Papageno gibt.
Das rumänische Orchester aus Arad unter Koen Schoots klingt - wohl verstärkerbedingt - etwas gar blechern, die Stimmen (vor allem von Walter Fink als Sarastro und Martina Masarykova) kommen aber kristallklar über die Lautsprecher. Solange die Mikroports nicht ausfallen. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 16.7.2010)
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