Soll für Israel spioniert haben - Sicherheitskreise: "Noch gefährlicher als im Juni festgenommener Charbel Kazzi"
Beirut - Im Libanon ist der zweite
Mobilfunk-Ingenieur innerhalb von drei Wochen unter Spionageverdacht
festgenommen worden. Das gab Verteidigungsminister Elias Murr am
Donnerstag vor dem Ministerrat in Beirut bekannt. Aus
Sicherheitskreisen verlautete, der für die Mobilfunkfirma "Alpha"
tätige Tarek Rabaa sei als "noch gefährlicher" einzuschätzen als der
im Juni festgenommene Charbel Kazzi, der nach Behördenangaben
gestanden hat, dem israelischen Militärgeheimdienst jahrelang
geholfen zu haben, Handynutzer abzuhören.
Die Festnahme von Kazzi hatte Spannungen innerhalb der Beiruter
Allparteienregierung von Premier Saad Hariri erzeugt. Die schiitische
Hisbollah erklärte, dass Israel durch seine Spione das libanesische
Telekommunikationsnetz kontrolliere. Vor zwei Jahren hatte der
damalige Regierungschef Fouad Siniora erfolglos versucht, das
Hisbollah-eigene Telekommunikationsnetz unter staatliche Kontrolle zu
bringen. Die Anti-Hisbollah-Beschlüsse waren jedoch nach blutigen
Unruhen unter dem Druck der Armee aufgehoben worden, deren Chef, der
christlich-maronitische General Michel Sleimane, danach als
Konsenskandidat zum Staatspräsidenten gewählt wurde.
Die libanesischen Behörden hatten im Vorjahr die Zerschlagung
eines vom israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad aufgezogenen
Spionagerings gemeldet. Als dessen Kopf galt der pensionierte General
Adib el-Alam. Die Gruppe hatte offenbar den Auftrag, Anschläge auf
Vertreter der Hisbollah sowie pro-syrischer Palästinenserfraktionen
vorzubereiten und durchzuführen. Über 70 Personen wurden
festgenommen. Einige Verdächtigte hatten sich mit ihren Familien nach
Israel abgesetzt. Staatspräsident Sleimane hat am Donnerstag
neuerlich eine strenge Bestrafung von Spionen gefordert. (APA/Reuters)