3,50 bis 100 Euro im Portemonnaie: Eine Rundreise
Wien - In der Hitze der Innenstadt hetzen uns schwitzende Touristengruppen entgegen. Beim Stock im Eisen hat sich eine Klasse aus Oberösterreich versammelt. Nach einigem Zögern meldet sich Valentina (14), die pro Woche 3,50 Euro bekommt, für das Interview zum Thema Taschengeld. Das sympathische, braungelockte Mädchen mit dem offenen Lächeln kauft sich damit Kleinigkeiten, weil für den Rest ihre Eltern aufkommen. Selten muss sie eine zu hohe Telefonrechnung selbst bezahlen, wobei nicht klar ist, mit welchem Geld sie diese begleicht.
Ein angemessener Betrag
Laut der Psychologin Anna Kieboom ist das Budget, welches Valentina zur Verfügung steht, für eine 14-Jährige zu niedrig, da ungefähr zehn Euro pro Woche empfohlen werden. Auch die Psychologin Christa Redl weiß, dass ein zu niedriges Taschengeld zum Trotz gegen die Eltern führen kann, wobei die finanziellen Mittel der Familie und das soziale Umfeld beachtet werden müssen.
Kaum wieder auf der Suche nach einem weiteren Interviewpartner, schlendert uns Matthäus (15) entgegen. Mit seiner Ray Ban lässig im Ausschnitt seines violett-weiß nadelgestreiften Hemdes, einem H&M-Sackerl in der einen und einem rinnenden Becher Eis in der anderen Hand, erklärt er uns achselzuckend, dass die Wirtschaftskrise ihn "eigentlich nicht wirklich" getroffen habe, da er immer seinen ausreichenden Betrag von etwa achtzig Euro pro Monat bekomme. Kleidung und sonstige Notwendigkeiten müsse er nicht selbst zahlen.
Alexander und Thomas, beide 17, spazieren durch den Burggarten. Die beiden sind nicht nur gleich alt und aufgeschlossen, sondern bekommen auch jeweils 100 Euro pro Monat. Allerdings hat Alexander einen älteren Bruder und muss sich von seinem Taschengeld das Mittagessen und die Monatskarte finanzieren. Thomas hingegen ist ein Einzelkind und hat keine fixen Ausgaben. Er versucht jedoch, zehn bis 20 Euro pro Monat zur Seite zu legen.
Damit ist er kein Einzelfall, denn laut der GfK Austria Finanzmarktforschung sind Jugendliche sparfreudig und investieren primär in sichere Anlageformen, vor allem in Sparbücher oder auch Bausparverträge.
Bei grenzenlos verfügbarem Taschengeld sei genauso Vorsicht geboten wie bei zu geringem, erklärt Redl. Denn ohne das Bewusstsein, dass manche Ausgaben - wie etwa, sich Freunde "erkaufen" zu wollen - unnötig oder verschwenderisch seien, ergebe sich keine Möglichkeit, einen Bezug zu Geld zu entwickeln.
Das Gebot der Stunde: Weniger ist nicht mehr, aber auch zu viel bleibt zu viel. Der goldene Mittelwert ist individuell zu finden. (DER STANDARD Printausgabe, 14.7.2010)