Die Folgen des Konsumverhaltens werden unterschätzt
Wien - Die Devise lautet: "Ich kaufe, also bin ich." Diesen Leitsatz nehmen sich auch Jugendliche zu Herzen und kurbeln den Markt kräftig an. Kontos werden gesprengt und Schulden nehmen überhand. Oniomanie, die sogenannte Kaufsucht, ist heutzutage keine Seltenheit mehr.
Eine Studie der Arbeiterkammer besagt, dass rund ein Drittel der Österreicher ein Konsumproblem aufweist. Während 31 Prozent der Frauen der Sucht des Kaufens verfallen sind, ist es bei den Männern nur ein Prozent.
"Um Gefühle der Anerkennung und den Ausgleich eines Mangels - möglicherweise an Zuwendung - zu kompensieren, gehen sie ihrem inneren Zwang des Kaufens nach und erhöhen ihr Selbstwertgefühl für einen kurzen Moment", erklärt Psychologin Cornelia Veith. Oft entstehe ein gewaltiger Schuldenberg, und Betroffene würden an Schuldgefühlen und Depressionen leiden oder eine Neigung zu Alkohol- und Esssucht zeigen. Oniomanie kann mit Drogenabhängigkeit verglichen werden: Es wird mehr und mehr gekauft, bis es zum endgültigen Kontrollverlust kommen kann. Auch Jugendliche sind potenzielle Opfer: Vor allem bei jungen Frauen ab 13 Jahren werde das Einkaufen mehr und mehr zur alltäglichen Freizeitaktivität. So schildert Nadine (15), dass sie jede Woche viermal shoppen geht: "Kleidung ist mir wichtig, und wenn ich das Geld habe, gehe ich auch öfters einkaufen."
Burschen tätigen ihre Einkäufe eher gezielter und unregelmäßiger. "Wir gehen nur einkaufen, wenn wir wirklich etwas brauchen", erzählen Markus und Florian (13). Georg (16) erzählt: "Ich achte nicht auf Marken, weil sie mir nicht wichtig sind."
Gruppenzwang
Interessant erscheint, dass die vom SchülerStandard befragten Mädchen stärker auf Markenkleidung achten als gleichaltrige Jungen. Ein für beide Geschlechter belastender Faktor ist der gestiegene gesellschaftliche Druck, sich aktuellen Trends anzupassen, und das Streben nach Anerkennung.
Laut Veith dauert es oft lange, bis das Problem erkannt werde, da Betroffene ihre Sucht oft verheimlichen würden. Als Behandlung empfiehlt sie eine Psychotherapie, um "die Ursache an der Wurzel zu packen. Denn meistens steckt mehr dahinter, als nur einkaufen gehen zu wollen."(DER STANDARD Printausgabe, 14.7.2010)