Jugendliche im Kaufrausch

"Ich kaufe, also bin ich"

Julia Werner, Anna Böhler, Nicolas Schmid, David Buczko, 15. Juli 2010, 14:02
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    foto: standard/corn

    Exzessives Shoppen ist für viele Jugendliche ein alltäglicher Freizeitspaß geworden. Besonders Mädchen sind kaufsuchtgefährdet.

Die Folgen des Konsumverhaltens werden unterschätzt

Wien - Die Devise lautet: "Ich kaufe, also bin ich." Diesen Leitsatz nehmen sich auch Jugendliche zu Herzen und kurbeln den Markt kräftig an. Kontos werden gesprengt und Schulden nehmen überhand. Oniomanie, die sogenannte Kaufsucht, ist heutzutage keine Seltenheit mehr.

Eine Studie der Arbeiterkammer besagt, dass rund ein Drittel der Österreicher ein Konsumproblem aufweist. Während 31 Prozent der Frauen der Sucht des Kaufens verfallen sind, ist es bei den Männern nur ein Prozent.

"Um Gefühle der Anerkennung und den Ausgleich eines Mangels - möglicherweise an Zuwendung - zu kompensieren, gehen sie ihrem inneren Zwang des Kaufens nach und erhöhen ihr Selbstwertgefühl für einen kurzen Moment", erklärt Psychologin Cornelia Veith. Oft entstehe ein gewaltiger Schuldenberg, und Betroffene würden an Schuldgefühlen und Depressionen leiden oder eine Neigung zu Alkohol- und Esssucht zeigen. Oniomanie kann mit Drogenabhängigkeit verglichen werden: Es wird mehr und mehr gekauft, bis es zum endgültigen Kontrollverlust kommen kann. Auch Jugendliche sind potenzielle Opfer: Vor allem bei jungen Frauen ab 13 Jahren werde das Einkaufen mehr und mehr zur alltäglichen Freizeitaktivität. So schildert Nadine (15), dass sie jede Woche viermal shoppen geht: "Kleidung ist mir wichtig, und wenn ich das Geld habe, gehe ich auch öfters einkaufen."

Burschen tätigen ihre Einkäufe eher gezielter und unregelmäßiger. "Wir gehen nur einkaufen, wenn wir wirklich etwas brauchen", erzählen Markus und Florian (13). Georg (16) erzählt: "Ich achte nicht auf Marken, weil sie mir nicht wichtig sind."
Gruppenzwang

Interessant erscheint, dass die vom SchülerStandard befragten Mädchen stärker auf Markenkleidung achten als gleichaltrige Jungen. Ein für beide Geschlechter belastender Faktor ist der gestiegene gesellschaftliche Druck, sich aktuellen Trends anzupassen, und das Streben nach Anerkennung.

Laut Veith dauert es oft lange, bis das Problem erkannt werde, da Betroffene ihre Sucht oft verheimlichen würden. Als Behandlung empfiehlt sie eine Psychotherapie, um "die Ursache an der Wurzel zu packen. Denn meistens steckt mehr dahinter, als nur einkaufen gehen zu wollen."(DER STANDARD Printausgabe, 14.7.2010)

affdsewrq
00
18.7.2010, 19:59
Männer und Technik-gadgets, Frauen und Kleider

der druck mit dem neuen trend spielt vor allem bei Männern in der Technikwelt sich wieder. dort wird viel gekauft, auch in meinem Freundeskreis. und gewissermaßen bekommens auch von anderen dafür diese wertschätzung, anerkennung, interesse usw.
also ich bin da weniger der dem neuesten Eye-Phone oder so nachrennt. aber gibt schon ein paar Leute, die so sind.

Jo eh...
00
15.7.2010, 19:02

Die Kaufreligion ist immerhin deutlich harmloser als "echte" oder politische Religionen. Insofern IMHO eine Verbesserung.

sudo apt-get install apple_news_filter.deb
00
18.7.2010, 10:01
das kenn ich aus den apple foren aber anders von ihnen ;)

Hoher Standard
00
15.7.2010, 18:50
Erziehungsproblem

byron sully
00
16.7.2010, 11:40
sicher auch,

aber man sollte die rolle der medien nicht unterschätzen, die von früh bis spät konsumrausch zum ultimativen gut erklären. und unsere politik, welche andauernd nur die ellbogengesellschaft fördert, ist da sicher auch kein gutes vorbild. denn so ein kaufverhalten hat auch mit ängsten zu tun, nicht zu den "besten" zu gehören.

Alfred Busenschauer
00
16.7.2010, 11:00

Ja, leider. Besonders in armen Familien zeigt sich lt. Studien, dass der Umgang mit Geld nicht gelernt wird, weil die Eltern den Kindern ein besseres Leben ermöglichen wollen und ihnen zu viel bzw. alles kaufen. Dadurch lernen diese den Umgang mit einer begrenzten Ressource nicht und die Folge davon findet sich in diesem Artikel.

lanz1
 
12
15.7.2010, 14:21
selber schuld!

ich lebe, also bin ich!!!
und nur das zählt, gesundheit und zufriedenheit.
wenn natürlich haufenweise geistige armutschgerl in die welt gesetzt werden, die nicht für das wesentliche leben können, darf man sich nicht wundern, dass immer mehr depperte in die psych kommen!

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