Werbeplanung-Summit

Social Media: Unternehmen wollen mitmachen, wissen aber nicht wie

Michael Kremmel, 15. Juli 2010 15:06
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    Foto: werbeplanung.at

    Martin Bredl, Kommunikationschef der Telekom Austria und PRVA-Präsident, Andrea Bauer (ING-DiBa), Markus Ott (Raiffeisen Bausparkasse), Armin Wolf, Dieter Rappold (Knallgrau), Andreas Weiss (Aegis Media) und Maria Zesch (T-Mobile).

Hype oder Unverzichtbar? Beim Werbegipfel diskutierte Armin Wolf mit Marketingverantwortlichen über die Probleme von Unternehmen mit Social Media

Ohne Facebook könne er leben, ohne Klimaanlage jedoch nicht, meinte Moderator Armin Wolf zum Auftakt des Werbegipfels am "Werbeplanung.at-Summit" in der Wiener Hofburg. Doch genau um Facebook und Co., nämlich Social Media als Betätigungsfeld für Unternehmen und Werbetreibende, wie es zuvor Clara Shih in ihrer Einführungsrede schilderte, ging es bei der Podiumsdiskussion "Was Werber bewegt".

"Social Media nur ein Hype"

Nicht nur der "ZiB2"-Moderator kann sich vorstellen, auf Facebook zu verzichten, sondern auch Unternehmen sehen keine Notwendigkeit auf Social-Media-Plattformen präsent zu sein. So hält Andrea Bauer von der Onlinebank ING-DiBa Social Media für einen "Hype", der "überbewertet" ist. Das sei eine "provokante Aussage", aber ein Unternehmen müsse genau überlegen, bevor es den Schritt in die sozialen Netzwerke wagt. Ein Unternehmen müsse sich fragen, ob es bereit sei, sich dort der Kritik auszusetzen. Denn jede Aktivität sei später "wie in einem Buch" nachvollziehbar.

Gegenteiliger Meinung ist Martin Bredl, Kommunikationschef der Telekom Austria und PRVA-Präsident. "Wenn man nicht selbst aktiv wird, dann werden es andere. Die Konversation findet ohnehin statt." Deshalb sei das Schlimmste, nicht dabei zu sein. Das habe er gelernt, als sein Unternehmen in der Kritik stand. Was Social Media mit sich bringe, sei, dass die Kommunikation eines Unternehmens im Verhältnis zum Verhalten an Bedeutung verliere.

Geringe Reichweite, wenig Aktivität

Wolf konfrontierte die Diskutanten auf dem Podium, deren Unternehmen auf Social-Media-Plattformen vertreten sind, mit deren (fehlenden) Aktivitäten und den - in Relation zu den Kundenzahlen - sehr geringen Fan- und Followerzahlen. So habe die Telekom zwar eine Facebook-Fanpage, würde da aber nichts machen, was aber immerhin 107 Menschen gefalle. Daraufhin konterte Bredl, dass Wolf sehr selektiv suche, da zahlreiche Mitarbeiter der Telekom sehr engagiert wären. Er gestand aber ein, dass für das Unternehmen selbst eine allumfassende Strategie noch fehle.

Weg von der reinen Markenkommunikation

Telekom-Konkurrent T-Mobile sei zwar aktiv, würde aber meistens auf den Kundendienst verweisen, so Wolf. "Was bringt das überhaupt: 3.800 Fans bei über einer Million Kunden?" Maria Zesch von T-Mobile wies darauf hin, dass man weggehe von der reinen Markenpräsentation, sondern in die Themendiskussion einsteige, wie beispielsweise bei "Philippes Projekt", das HIV und Aids wieder ins Bewusstsein rufen soll und mehr als 67.000 Fans habe.

Keiner weiß wie es wirklich geht

"Man tut Social Media unrecht, wenn man nur die Köpfe und Nasen zählt", findet Andreas Weiss von Aegis Media. Denn die Konzentration auf die Anzahl der Fans lasse die vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten außer acht. In den Unternehmen sei die Bedeutung von Social Media mittlerweile angekommen, und werde immer öfter nachgefragt. "Es ist sich jeder bewusst, dass es wichtig ist, es weiß aber keiner genau wie."

Als Vergleich zog er die Anfangszeiten der Internetwerbung heran, als Anzeigen die für Printprodukte vorgesehen waren, online gestellt wurden und man so dem Medium nicht gerecht wurde.

Kulturwandel nötig

Warum aber kommen die Unternehmen mit Social Media nicht wirklich klar? Dieter Rappold, Geschäftsführer der Agentur vi Knallgrau, führt es darauf zurück, dass es um mehr geht, als nur Medienbudgets umzuschichten. Nämlich darum, die Art zu ändern, wie man mit dem Kunden interagiert. "Dieser Kulturwandel passiert in einem Unternehmen nicht von heute auf morgen."

Im Gegensatz dazu müsse sich der einzelne User nicht mit allen anderen abstimmen, wie er sich und sein Mediennutzungsverhalten verändere. Darum erfolge dort die Änderung sehr rasch, während es bei Unternehmen ein komplexer Prozess sei.

Sicherheitsbedenken als Bremsfaktor

Markus Ott von der Raiffeisen Bausparkasse, die im Gegensatz zu den Banken nicht auf Social-Media-Plattformen aktiv ist, glaubt, dass in vielen Unternehmen die IT-Sicherheitsabteilung ein Hemmschuh für eine rasche Entwicklung ist. "Natürlich gibt es berechtigte Sicherheitsinteressen, gerade bei einer Bank, aber es wird in vielen Fällen deutlich übertrieben."

Für Weiss gehört zum Kulturwandel, dass Unternehmen lernen, Marken und Botschaften "loszulassen". Dadurch könnten sich trotz der negativen Beispiele, vor denen auch Weltkonzerne nicht gefeit sind, positive virale Effekte ergeben. In diesem Zusammenhang sieht Bredl die einzelnen Mitarbeiter als großes Potential: "Die Zeit, in der nur Vorstandsvorsitzender und Pressesprecher in der Öffentlichkeit sprechen dürfen, ist vorbei." (Michael Kremmel/derStandard.at/15.7.2010)

Zum Thema:

Link: Werbeplanung.at-Summit

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12 Postings
ehschohwissn3
20.07.2010 17:13
darmwind rolf, experte für eh alles

der dank twitter noch leute, die sich auskennen, fragen kann, was er dann im studio fragen soll.

evolution hunter
 
16.07.2010 16:15

Die marketingstrategische Besetzung von Social Media sollte im Sinne aller vermieden werden. Ich kann jetzt gar nicht Argumente im Einzelnen aufzählen (will ich auch gar nicht), is einfach nur ein Bauchgefühl, dass das nix is. Und da nicht hinghört. Und sowas eigentlich niemand will und niemand braucht.

petra 0815
15.07.2010 22:15

Irgendwie erinnert mich Marketing im Facebook an eine "Tupper-Ware-Party"!

Kris H.
15.07.2010 16:58
Wie wärs mit

QYPE.com - hier kann jeder User seine Anbindung an anderen Communites auswählen und die Firmen werden mit deren Empfehlungen auch auf Suchmaschinen gefunden. Praktisch für die die nicht wissen wen sie fragen können und anfangen zu suchen....

bastell
15.07.2010 16:50
der nutzen hängt wie immer vom ziel ab

es ist ja auch bei klassischen display-kampagnen zu unterscheiden, ob die reine präsenz der marke das ziel ist, der click, oder die conversion.
wenn ich auf facebook als marke auch nur 100 fans habe, mein ziel aber durch interaktion und kommunikation mein produkt zu verbessern ist, kann das strategisch besser und wertvoller sein, als 3000 "gefällt mir".

good news 08
15.07.2010 16:02
Knallgrau hat recht

Social Media wird die gängige Marketing- und Werbesprache zum Verschwinden bringen. Genau das ist nämlich bei den Usern nicht gefragt. Es ist ja kein Zufall, dass bei Werbung im Fernsehen der Wasserverbrauch einer Stadt steigt, weil alle aufs Klo gehen.
Bei Social Media haben Unternehmen unmittelbare Reaktionen, wenn sie nicht richtig kommunizieren. Das werden wir alle lernen müssen

malso malso
19.07.2010 13:10
hää?

wer braucht wann mehr wasser, weil werbung läuft? bitte um eine statistik der stadtwerke, dass nach zib und vor wetter um 19:52 oder so der wasserverbrauch sprunghaft ansteigt..

selten so einen schwachsinn gelesen...

wenn man so gar keine ahnung hat von der materie - sollte man das posten wirklich sein lassen..schade um die ressourcen...

derStandardmeint
15.07.2010 17:37
Knallgrau hat Unrecht.

Unternehmen sind ausschließlich profitorientiert und daher destruktiv, auch wenn darüber hin und wieder ein dünnes Mäntelchen gelegt (Social Res...) wird. Sie brauchen uninformierte, unkritische, nicht vernetzte, nicht vergleichende Kunden, mit denen Einweg-Image-Kommunikation betrieben werden kann. Alles andere ist eine unkontrollierbare Gefahr. Nur Narren lassen sich darauf ein. Beispiel IngDiba: senken permanent die Zinsen, sprechen aber immer noch von "fantastischen", "großartigen" 1,x %, Tendenz fallend. Wer wäre hier an einer tieferen Diskussion interessiert.

derStandardmeint
16.07.2010 21:27
Tepoztecatl
16.07.2010 16:16
Naja, ...

... dass es für eine Firma besser ist wenig informierte (etc.) Kunden zu haben, die sich leicht durch eine Werbebotschaft beeindrucken lassen, ist sicher unbestritten.

Aber warum profitorientiert destruktiv bedeuten soll, ist mir schleierhaft!

Grüße, ...

irgendwerausirgendwo
15.07.2010 15:48
Zahlen & Aktivität von A1 Telekom Austria?!

Habe mich schon vorher gewundert, als ich die Zahlen der Social Media Auftritte von Telekom Austria gehört habe. http://twitter.com/a1telekom ist sogar sehr aktiv und hat über 400 follower - und das erst kurz nach der Fusion. Die Facebook seiten der Marken Telekom Austria, A1, Xcite, ... haben je über 4.000 Fans. Laufende Aktivitäten - wie zum Beispiel die A1 App Challenge. Auf den ersten Blick von Gewinnspielen, News & Service - alles dabei.

Die Anzahl der Fans is natürlich nicht relevant, aber doch ein kleiner Unterschied zu den 107. Da ist wahrscheinlich der tatsächlich inaktive telekom_at Twitteraccount gemeint.

sirnicha
15.07.2010 16:14
was sind zahlen im facebook?

nichts - jeder einzelne kann sich hier wichtiger fühlen als üblich. in diesem zusammenhang haben firmen angst vor der masse und vor einer blockverunglimpfung, obzu recht oder unrecht, ist egal.
für firmen ist es weniger wichtig, sich mit der masse zu in facebook zu verbünden, sondern sich gut zu überlegen, welche firmenphilosophie positiv erscheinen kann. allerdings wird hier nach tatsächlichem Handeln beurteilt - durch die masse, die aber wiederum immer wieder bei eins beginnt...

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