Aids kennt keine Grenzen

Think positive

21. Juli 2010, 15:03
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    foto: apa/epa/vinai dithajohn

    Die Armut ist auf den Straßen so groß, dass HIV sogar Träume weckt

Warum für viele der ungezählten rumänischen Straßenkinder der HIV-Infektion etwas Positives anhaftet

Es war ein guter Tag für Nedu. Zumindest behauptet er das. Was er tatsächlich fühlte, als er erfuhr, dass sein AIDS-Test positiv ausgefallen war, weiß nur er. "Das ist gut. Dann bekomme ich vielleicht sogar eine Wohnung", sagte Nedu damals. Und von einer eigenen Wohnung träumte er schon lange, denn Nedu ist eines von hunderten Straßenkindern in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Wie viele Jahre er schon auf der Straße lebte? Er hat sie nicht gezählt, aber lange genug, um eigene vier Wände zum unerreichbaren Traum werden zu lassen.

Mit seiner HIV-Infektion schien ihm dieser Traum plötzlich zum Greifen nahe: Er hoffte auf staatliche Unterstützung. Auf der Straße ging das Gerücht um, den Erkrankten würde geholfen werden. Ein positives Testergebnis würde das Ende der Misere bedeuten: Das Ende von Winternächten im Kanal oder im Freien, zugedeckt mit streunenden Hunden. Ein Ende von Hunger, Gewalt und Drogen. Mit einem Mal würde sich das Blatt zum Positiven wenden - und die Krankheit sei gar nicht so schlimm, hieß es. Man könne lange mit ihr leben. Ein Straßenleben lang.

Keine Lust auf Safer Sex

Die konkrete Zahl der HIV-Infektionen in Rumänien auszumachen, ist schwierig. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben sich zwischen 1985 und Ende des vergangenen Jahres 16.162 mit dem Virus infiziert, mehr als die Hälfte, 9.810, waren Kinder unter 14 Jahren. Im vergangenen Jahr wurden in 8.551 HIV-Patienten in rumänischen Krankenhäusern behandelt. Der Grund für die hohe Infektionsrate unter Kindern liegt in der Geschichte des Landes: Verhütung und Safer Sex sind nach wie vor unpopulär.

Ein Erbe Ceauşescus

Unter der Diktatur des kommunistischen Staatspräsidenten Nicolae Ceauşescu stand auf Abtreibung mehre Jahre Gefängnis. Sein erklärtes Ziel war es, die Zahl der rumänischen Bevölkerung in die Höhe zu treiben. Die Folge: Die von der Armee geführten Kinderheime waren heillos überfüllt, denn Verhütungsmittel waren so gut wie nicht zu bekommen. Nach dem Sturz Ceauşescus im Dezember 1989 wurden die Heime aufgelassen und tausende Kinder saßen plötzlich auf der Straße.

Ein kurzes Straßenleben

Die Zahl der HIV-Infektionen unter Straßenkindern zu beziffern, ist schier unmöglich, denn offiziell ist das Thema Straßenkinder in Rumänien erledigt: Fragt man die Behörden, es gibt sie schlichtweg nicht mehr. Dennoch sind sie in jeder größeren Stadt des Landes zu finden: Die Kinder und Jugendliche, die auf Rumäniens Straßen, in Abbruchhäusern und Kanälen leben und so gerne gesehen sind, wie Ratten und streunende Hunde.

Sie, die ihren Lebensunterhalt mit Betteln, Stehlen und Prostitution verdienen - oft selbst noch Kinder, aber schon Eltern - machen sich wenig Gedanken über eine Krankheit, die unbehandelt erst nach Jahren den Tod bedeutet. Ihnen ist der Tod ständiger Begleiter. Während im übersatten Westen das Leben in Dekaden unterteilt wird, schlägt hier der Puls schneller. Sie haben keine Zeit. Heute zählt, vielleicht auch noch morgen. Aber danach die Sintflut.

Ausgeträumt

Nedu sieht nicht gut aus. Beinahe drei Jahre sind vergangen. Er ist blass, die Wangen sind hohl. Aber er lacht von einem Ohr zum anderen. Gut gehe es ihm, sagt er. Seit sechs Monaten sitzt der 23-Jährige in Jilava ein - Bukarests berüchtigstem Gefängnis - weil er Autos aufgebrochen hat.

Fast wie im Hotel sei es hier, sagt Nedu durch die Glasscheibe. Er verbüßt seine Strafe auf der Krankenstation der Strafanstalt - verglichen mit den Bedingungen mit denen seine Mithäftlinge im normalen Vollzug zu kämpfen haben, hat es Nedu tatsächlich gut erwischt - dank seiner Krankheit . "Ein Bett, dreimal täglich etwas zu essen und ein Fernsehraum. Super." Für Nedu scheint sich fast ein Wunsch erfüllt zu haben.

Fünfeinhalb Jahre hat er noch. Theoretisch. Nedu verweigert eine HIV-Behandlung. Auf die Frage warum, antwortet er: "So. Ich habe genug." Sein Straßenleben wird hier vermutlich ein Ende finden. Unwahrscheinlich, dass er seinen Haftentlassungstermin erlebt. (bock, derStandard.at, 21.7.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
tschisi-eis_zurueck
 
10
22.7.2010, 22:58
Nicht zu vergessen...

....ist natürlich der allgegenwärtige Rassismus, der in Rumänien herrscht. Dieser macht es den Straßenkindern umso schwieriger sich in die Gesellschaft zu integrieren, dagegen unternimmt die rumänische Politik wenig. Dieses Problem wird in diesem Artikel leider gar nicht erwähnt....

oana 7of9
 
00
22.7.2010, 19:39
warum so viele kinder waren mit AIDS infiziert

http://www.medscape.com/viewarticle/528693

oana 7of9
 
00
22.7.2010, 16:19
Erklärung (bin aus Ro, weiss was wirklich passiert da)

1. Ceausescu hat Kontrazeption KOMPLETT verboten: keine Condome, keine Pillen, keine Abtreibung, etc => eine Menge unerwünschte Kindern, die meistens in Waisenhäuser erreichten. Sogar Kaiserschnitt war verboten!!!!! Ich weiss, es ist schwer zu glauben, für jemanden der das ganze Leben in Freiheit gelebt hat! Aber es war WIRKLICH so. Der Grund war zunahme der Bevölkerung.
2. Ceausescu sagte, AIDS existiert nicht in Rumänien, er meine AIDS ist eine "kapitalistiche" Krankheit und AIDS kann nie ins Ro passieren. Deshlab es waren keine AIDS Materialien zür Verfügung für Ärzte, niemand hatte keine Informationen über AIDS bis 1990
3. Die meistene Kinder waren in 1989 infektiert: sie waren infiziert durch Transfusion mit kontaminiertem Blut

klein adlerauge
 
03
22.7.2010, 13:54

jaja
der Ceausescu ist an allem schuld! zum beispiel an mindestens 21 jährigen "strassenkindern"! so lange ist er nämlich schon in der grube.

es ist eines eu landes UNWÜRDIG tausende kinder auf der strasse ihrem schicksal zu überlassen! und das seit JAHRZEHNTEN.

egali din nastere
13
22.7.2010, 08:15
Mr. Jolly
11
22.7.2010, 08:10
Negative Bewertungen???

Also entweder steht in dem Artikel was das ich scheinbar überlesen habe oder hier schert sich scheinbar wirklich niemand um solche Probleme?!?

Also ich bin kein Freund von Spenden, da meiner Meinung nach alles viel zu undurchsichtig ist und viel zu viel Geld an die falschen Leute geht.

Aber generell gehört hier etwas unternommen. Wenn hier jmd helfen will dann soll er sich eine Zeit lang einer Hilfsorganisation wie z.B. Ärzte ohne Grenzen anschließen (auch als nicht Mediziner)

Generell ist das ein Problem der dortigen Regierung und solange dort durch organisationen Geld reingepump wird, wird sich auch von staatlicher Seite nichts ändern.

Fakt ist, dieser Artikel ist gut und viele Kommentare haben keine neg. Bewertung verdient!

Tschuri Cazzino
 
40
22.7.2010, 07:14
"...o gerne gesehen sind, wie Ratten und streunende Hunde."

Zumindest die streunenden Hunde sind sehr beliebt bei der Bevölkerung. Hundefänger werden tätlich angegriffen und jede staatliche Maßnahme zur Eindämmung der Hundeplage ist bisher am Protest der Bevölkerung gescheitert.

Im Übrigen gilt für Karl-Heinz Grasser die Unschudsvermutung.

think-nordic
00
22.7.2010, 06:47

Nur verstehe ich den folgenden Zusammenhang nicht:

"Der Grund für die hohe Infektionsrate unter Kindern liegt in der Geschichte des Landes: Verhütung und Safer Sex sind nach wie vor unpopulär."

Straßenprostitution oder Zwang zum Sex bei unter 14 Jährigen, ist das impliziert in diesem Satz? Warum sonst wird eine hohe HIV Rate bei Kindern mit Sex erklärt?

Lord Chaos
00
22.7.2010, 13:18

Ob sie glauben oder nicht. Auch Jugendliche haben Sex. Sogar unter 14!

think-nordic
00
22.7.2010, 17:27

Meine Frage zielte darauf ab warum ein spezielles Problem (HIV bei Kindern) mit einer allgemeinen Antwort beantwortet wurde (Verhütung), eine Antwort die nicht auf die spezielle Situation der Kinder eingeht.

kiwi fish
 
11
22.7.2010, 09:32

die eltern der kinder wollen keine kinder aber:
- safer sex und verhütung ist unpopulär,
- verhütungsmittel sind schwer zu bekommen,
- abtreibung ist illegal;
ergo sie bekommen kinder und haben aber:
- zu wenig geld,
- wollen gar keine kinder
- sind selbst noch kinder oder
- sind selbst zu krank um diese kinder zu erhalten

also landen diese kinder auf der strasse :(

liftwartbertl
12
22.7.2010, 09:28
...

Kann es nicht auch so verstanden werden: Wenn eine Frau durch ungeschützten Sex mit einem HIV-infizierten Mann schwanger wird, besteht auch die Gefahr dass ihr Kind den Virus in sich trägt bzw. dass er ausbricht.

liftwartbertl
11
22.7.2010, 09:30
...

...und es heißt natürlich DAS Virus...sorry

Round'n'round it goes
22
22.7.2010, 08:19

Leg deine Scheuklappen ab! Prostitution ist auch bei kleinen Kindern (6, 7, 8 Jahre) keine Seltenheit.

think-nordic
11
22.7.2010, 17:26

Das fällt eher unter Sex-Sklaverei als Prostitution. Über Prostitution lässt sich diskutieren ob es auf freiwilligkeit beruht oder nicht (kapitalistischer Zwang? freier Wille?). Wenn es um Kinder geht, dann gibt es da sicher keine Freiwilligkeit. Auch wenn die Freier wechseln, bei Kindern, dann sind sie halt Sklaven eines Systems, und nicht einer Person. Das Prostitution zu nennen finde ich verharmlost das Problem.

Kilianus
00
22.7.2010, 07:46
Ich denke, so ist es gemeint.

Weiter unten kommt das noch etwas deutlicher heraus:

"Sie, die ihren Lebensunterhalt mit Betteln, Stehlen und Prostitution verdienen - oft selbst noch Kinder, aber schon Eltern - ..."

think-nordic
01
22.7.2010, 17:21

ich gestehe, ich habe meine frage gestellt wie ich noch nicht fertig war mit dem artikel. dennoch finde ich die gegenüberstellung verwirrend. Weil so wie es da steht ist impliziert, dass es bei Kindern einen anderen Grund gäbe für die hohe HIV-Rate als bei Erwachsenen. Dann wird ein Grund vorgestellt (Verhütungsmangel) und dieser ist eine gute allgemeine Erklärung, aber keine spezielle für Kinder. Die Argumentation war falsch, der Grund war nicht die Antwort auf die Frage.

wolkenlos und ozeanblau
 
118
22.7.2010, 04:00
Adoption

würde wenigstens einigen Kindern ein besseres Leben geben. Adoption müsste vereinfacht werden.

Elton John wollte in der Ukraine ein HIV-positives Kind adoptieren. Er durfte es nicht, da er schwul ist.

Jaaa, es wäre wirklich unheimlich schlimm, wenn zwei Männer ein Kind erziehen. Dann lassen wir es doch lieber einsam und allein auf der Straße an Aids verrecken.

T_T

andreas lamers
 
02
22.7.2010, 13:24
ich weis das es illegal ist

aber bei den berichten habe ich immer das gefuehl dorhinzufahren und einige der kinder einzusammeln und mit nach hause zu nehmen.

(keine sorge ich spende fuer die strassenkinder rumaeniens und brasiliesn, aber augenscheinlich ist das leid weit groesser als einiges an geld beheben kann)

ein zu hause, eine ausbildung, eine zukunft und am wichtigsten ein heim.

wer ein kind rettet rettet die ganze welt.

Besondere Kennzeichen: keine
00
22.7.2010, 14:28
"einige der kinder einzusammeln und mit nach hause zu nehmen"

Genau das ist das Problem. Wenn Adoption vereinfacht würde, würde eben nicht mehr abgeklärt, ob das Kind tatsächlich zur Adoption freigegeben ist. Ist das Kind Waise? Hat das Kind Geschwister? Ist das Kind nur von zuhause weggelaufen? Gibt es Vorbehalte gegen die Adoptiveltern? U.s.w.
Das hat schon seine Berechtigung, dass Adoptionen sehr streng geregelt sind.

andreas lamers
 
00
23.7.2010, 20:33
sie haben recht

sterben auf der strasse ist VIEEEEELLLL besser.

ist klar das man nicht durch die strasse laufen kann und ein kind mitnehmen, aber wohl kinder die auf der strasse schlafen. warum weshalb ist in dem fall egal.

bertfried
10
22.7.2010, 03:34
Eine Schande

für uns alle, aber auch für die EU als unsere Über-Organisation! Falls, wie im Artikel geschrieben, ein paar hundert Kinder betroffen sind, müsste es doch unbedingt möglich sein, die da herauszuholen.

hanslblasta
02
22.7.2010, 12:00
"Die Zahl der HIV-Infektionen unter Straßenkindern zu beziffern, ist schier unmöglich, denn offiziell ist das Thema Straßenkinder in Rumänien erledigt: Fragt man die Behörden, es gibt sie schlichtweg nicht mehr. "

es werden wohl zig-tausende Straßenkinder sein - und wie helfen ohne in die Rechte eines souveränen Staates massiv einzugreifen, ist allein schon eine Frage für sich.
wobei der Ansatz von Pater Sporschill wahrscheinlich der beste aller möglichen ist:
http://www.concordia.or.at/de/ueber-... ordia.html

aber eine Schande, dass es derart notleidende Menschen in der EU gibt, ist es.

Eva100
21
21.7.2010, 21:49

der beitrag hat auch mich zum Nachdenken angeregt... wie kann man hier helfen?? gibt es irgendeine organisation die dort tätig ist?

andreas lamers
 
01
22.7.2010, 13:29
ja gibt es viele sogar

_http://www.asirev.de/

_http://www.bukarester-strassenkinder.org/

viele aerzte helfen auch fragen sie ihren hausarzt. die helfen sogar direkt in den heimen.

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